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Joshua Guerrero und Asmik Grigorian als tragisches Liebespaar in Puccinis „Manon Lescaut“. 

Frankfurt

Vom Gondoliere in Las Vegas zum zum Star-Tenor in Frankfurt

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Der Sänger Joshua Guerrero feiert am Sonntag sein Debüt an der Oper Frankfurt in „Manon Lescaut“ von Giacomo Puccini.

Joshua Guerrero sieht aus wie ein Junge aus der Nachbarschaft. In seiner Freizeit trägt der US-amerikanische Tenor eine silberne Königskette um den Hals und hört gerne Hip Hop. Guerrero wurde in Las Vegas geboren und wuchs in Los Angeles auf. Seine Studienzeit verbrachte er dann wieder an seinem Geburtsort, wo er sein Geld tatsächlich als Gondoliere verdiente – schließlich ist die italienische Lagunenstadt am Las Vegas Strip mitten in der Wüste nachgebaut worden, Gondeln inklusive.

Durch sein Studium der Theologie kam der Sänger, der in den vergangenen Wochen intensiv für die Premiere der Oper „Manon Lescaut“ von Giacomo Puccini an den Städtischen Bühnen Frankfurt geprobt hat, mit geistlicher Musik in Berührung, begann sie zu entdecken und zu lieben. Er sang in einem Chor und machte seine ersten musikalischen Erfahrungen.

20 Jahre nach der Inszenierung von Alfred Kirchner kommt das Werk unter Regie von Àlex Ollé und unter der musikalischen Leitung von Lorenzo Viotti und Takeshi Moriuchi zurück auf die Bühne der Oper Frankfurt. Der Tenor aus Amerika spielt den Studenten Des Grieux, es ist sein Debüt hier.

„Die Rolle ist etwas seltsam, denn sie unterscheidet sich von den meisten Opernrollen“, sagt Guerrero. Während Guerrero zu Beginn in die Rolle eines lebenslustigen, intelligenten und allseits beliebten jungen Mannes schlüpft, büßt der Charakter mit der anschwellenden Angst, seine Liebe Manon zu verlieren, an Lebensfreude ein. Aus heiter wird ernst. Denn auch der Steuereintreiber Geronte zeigt Interesse an dem Mädchen und plant dessen Entführung. Am Ende nimmt die Geschichte eine dramatische Wendung und die Geliebte Manon, in Frankfurt gesungen von Asmik Grigorian, nach Wahl der Fachzeitschrift „Opernwelt“ die „Sängerin des Jahres 2019“, stirbt bei der gemeinsamen Flucht in seinen Armen.

Die Premiere von Giacomo Puccinis Oper „Manon Lescaut“ unter Leitung von Lorenzo Viotti ist am Sonntag, 6. Oktober, um 18 Uhr im Opernhaus am Willy-Brandt-Platz in Frankfurt. Weitere Vorstellungen sind am 10., 13. (18 Uhr), 18., 25. und 27. (15.30 Uhr) Oktober sowie am 2., 9. (18 Uhr), 15. und 23. November um 19.30 Uhr.

Tickets kosten zwischen 15 und 165 Euro. Karten sind bei den üblichen Vorverkaufsstellen, online unter www.oper-frankfurt.de oder im telefonischen Vorverkauf der Oper Frankfurt unter Tel. 069/212 49 49 4 (ohne Vorverkaufsgebühr) erhältlich.

Nach seinem Studium kehrte Guerrero nach Los Angeles zurück, arbeitete als Sozialarbeiter und sang nur an den Wochenenden. Sein Gesangslehrer, der Bariton Vladimir Chernov, motivierte ihn schließlich dazu, bei Plácido Domingo, dem früheren Generaldirektor der Oper Los Angeles, vorzusingen.

Das war offensichtlich erfolgreich. An der Los Angeles Opera debütierte er 2016 als Macduff in Verdis Macbeth – an der Seite von Plácido Domingo in der Titelrolle. 2017 sang er an der San Diego Opera und im darauffolgenden Jahr an der Washington National Opera die Partie des Alfredo in La Traviata. Mittlerweile hat er sein eigenes Management und ist ein aufstrebender Tenor am Opernhimmel.

Der 36-Jährige hat wenig Zeit für Freunde und Familie, von einer Freundin ganz zu schweigen: „In Deutschland hat man das Privileg, als Opernsänger ein ganz normales Leben zu führen. In Amerika ist man im Schnitt zehn Monate im Jahr auf Reisen“, sagt der Tenor. Sein Social-Media-Marketing ist eher zurückhaltend, aber Guerrero möchte authentisch bleiben und seine Privatheit bewahren.

Außer ihm sind tatsächlich fast alle Musiker, die bei der „Manon Lescaut“ mitwirken, fest bei den Städtischen Bühnen. Das sei aber kein Problem, sagt Guerrero denn er habe zu all den „netten Leuten“ sehr schnell Anschluss finden können.

Guerrero musste in Deutschland lernen, anders mit seiner Energie umzugehen, wie er berichtet. Während der Sänger es aus den USA gewohnt war, sechs bis sieben Stunden am Stück zu proben, beginnt in Deutschland die Probe am Morgen um 10 und endet etwa gegen 13 Uhr. Danach ist erst mal Pause bis zum Abend. Danach geht es weiter, von 19 bis 22 Uhr. „Mittlerweile mag ich das, denn die Energie aus den ersten Stunden nehme ich mit und gehe dann zum Beispiel ins Fitnessstudio.“

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