Gut 30 engagierte Sängerinnen sind gekommen, auch ein paar Sänger sind dabei.  
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Gut 30 engagierte Sängerinnen sind gekommen, auch ein paar Sänger sind dabei.  

Goldstein

Goldstein: Singkreis arbeitet an Lungenvolumen und Gemeinschaft

  • Clemens Dörrenberg
    vonClemens Dörrenberg
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Aus vollem Hals schmettern die Sängerinnen und Sänger bekanntes Liedgut. Die erste Auflage ist gleich ein voller Erfolg, ein Folgetermin steht aber aus.

Trotz geschlossener Fenster im Herrenhaus dringt der zusammen gewürfelte Chor bis vor die Türen des Hofguts. Zum ersten „offenen Singen“ sind am Montagnachmittag mehr als 30 Teilnehmer in das Begegnungszentrum des Frankfurter Verbands für Alten- und Behindertenhilfe gekommen.

In Stuhlreihen sitzen die zahlreichen Sängerinnen und wenigen Sänger im ersten Stock des Hauses hinter- und nebeneinander und blicken zu Ute Ponseck, die am Klavier sitzt. Begleitet vom Tastenspiel der 66-Jährigen intonieren die Rentner Volkslieder wie den Klassiker zum Einschlafen „Heidschi bumbeidschi“, die „Vogelhochzeit“ oder den afrikanischen Begrüßungs-Song „Sanibonani“. Ponseck, die Mitglied des Kirchenchors der katholischen Sankt Jakobus-Gemeinde ist, steht vor jedem neuen Anstimmen auf und liest die Liedtexte kurz vor. Dann wird auswendig gesungen. Bei „Der Winter ist ein rechter Mann“, sagt sie: „Ich weiß, alle über 60 können den Text noch“. Uneiniges Gemurmel in der Gruppe. Offenbar kennen das Stück doch nicht alle. Dafür erheben dann Ponseck und die eine oder der andere ihre Stimme lauter.

Bei einem der Lieder singt die Gruppe einfach fröhlich weiter, obwohl die Vorsängerin das Klavierspiel nach mehreren Strophen schon beendet hat. „Ich weiß, dass viele Menschen gerne singen und sich nicht in einen Chor trauen“, sagt Carmen Simon, die Leiterin des Begegnungszentrums. In der Cafeteria des Hofgutes würden die Gäste sogar ab und zu, wenn es besonders lustig zuginge, spontan Lieder anstimmen.

Ute Ponseck am Klavier gibt den Ton vor.  

„Auch bei leichter Demenz erinnern sich viele noch an Lieder von früher“, berichtet sie. Zwei Vorteile verspricht sich Simon vom gemeinsamen Singen im Alter: Es erhöhe das Lungen-Volumen und habe einen „großen psychosozialen Effekt“. Sie sagt: „Viele sind alleinstehend und reden selten mit jemandem“.

Roswitha Bäuerle, die alleine lebt, sagt: „Singen ist was ganz Tolles und gut fürs Gehirn“. Mehrere Jahre hat die Goldsteinerin im Schwanheimer „Experimentalchor“ gesungen, bis ihr das Stehen bei den Auftritten zu anstrengend wurde. Durch die vielen Proben habe auch ihre Stimme gelitten. Dabei sei sie so gerne zum Singen in den Chor gegangen und besuche außerdem des Öfteren Konzerte. Ihr Asthma habe sich durch das Singen dagegen verbessert. Das habe ihr Lungenarzt bestätigt. Selbst Popsongs aus dem Radio schmettert die Rentnerin mit. „Es fehlt mir wirklich“, sagt die 72-Jährige mit Inbrunst.

Herbert Dünzl, der mit seiner Frau aus Schwanheim gekommen ist, sei vor allem die „Gesellschaft wichtig“. „Singen schweißt zusammen“, sagt der 82-Jährige. Der ehemalige Kirchenchor-Sänger kenne zwar bei einigen Liedern die zweiten und dritten Strophen nicht, dem Spaß am Singen täte das keinen Abbruch.

Bei einer zweiten Runde des simplen „Sanibonani“ animiert Vorsängerin Ponseck einige sich an den Händen zu halten und im Kreis zu tanzen, während sie singen. Roswitha Bäuerle und Herbert Dünzl machen auch mit. Sie würden sich, wie Begegnungszentrums-Leiterin Simon, eine Fortsetzung des offenen Singkreises oder gar regelmäßige Treffen wünschen. Einen Folgetermin gibt es allerdings noch nicht.

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