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Goldstein verdankt seinem Namen einer Wasserburg. Das Herrenhaus ist heute Sitz eines Altenbegegnungszentrums.
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Goldstein verdankt seinem Namen einer Wasserburg. Das Herrenhaus ist heute Sitz eines Altenbegegnungszentrums.

"FR vor Ort"

Goldstein - ein Idyll am Wald

  • George Grodensky
    VonGeorge Grodensky
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In der Reihe "FR vor Ort" sind wir heute in Goldstein und berichten über ein Idyll am Wald, trotz Verkehr und Wildschwein.

Goldstein verdankt seinem Namen einer Wasserburg. Johann Goldstein, ein Frankfurter Patrizier, hat sie 1348 errichten lassen. Das zeugt von großem Einfluss, der Frankfurter Rat duldete keine burgenähnlichen Bauten in der Nähe. Heute ist nicht mehr viel übrig davon. Das gräfliche Herrenhaus im spätklassizistischen Stil ist Sitz eines Altenbegegnungszentrums. Der denkmalgeschützte Goldsteinpark zeugt noch von der früheren herrschaftlichen Anlage.

Die Siedlung ist ein Idyll am Wald, trotz Verkehr und Wildschwein. Fünf Fragen zu Goldstein.

Wie lange staubt der Hartplatz noch? Nicht mehr allzu lange. 2018 oder 2019 wandelt die Stadt den Tennenplatz der Sportanlage Goldstein in einen Kunstrasen um. Das sagt Marcus Benthien vom Sportamt. Den genauen Termin kann der Leiter der Abteilung für Sportplätze und Stadien noch nicht nennen. Das Sportamt lässt derzeit alle Tennenplätze der Stadt in Kunstrasenspielfelder umbauen. Eine Herkulesaufgabe. 27 stehen noch auf der Liste, bis 2021 will die Kommune fertig sein. Natürlich wollen alle Vereine, dass ihr Gelände als nächstes drankommt. Benthien seufzt. Am liebsten würde er alle Plätze gleichzeitig angehen. 2017 werden es nur zwei sein. „Aber von der Manpower her geht noch mehr“, sagt Benthien. Die Stadt hat nun eine Reihenfolge erarbeitet. In den „in den kommenden Tagen oder Wochen“ möchte das Amt den Stadtverordneten die Vorlage präsentieren. In die Überlegungen, wer als nächstes an der Reihe ist, fließen etwa ein, wie groß die Anlage ist und wie viele Mannschaften sie nutzen. Vorteil Goldstein. „Die Anlage ist stark frequentiert“, sagt Benthien. Und: Die Carl-von-Weinberg-Schule, Eliteschule des Sports, nutzt den Platz ebenfalls. Die Kosten kann Benthien nur grob schätzen. Mindestens eine Million Euro wird die Stadt investieren. Was erst einmal teuer klingt, erklärt sich durch den Umfang der Arbeiten. „Wenn wir schon einmal eine Baustelle einrichten, machen wir alles schön“, sagt Benthien. Also nicht nur die Spielfläche, sondern auch Dinge wie Ballfangzäune oder Flutlichtanlage. In Goldstein könnte ein weiteres Kleinfeld dazukommen. Womöglich könnte die Stadt auch den Parkplatz trockenlegen, der bei Regen einer Seenplatte gleicht. Entsprechende Bitten hatte die Kommune bislang mit Verweis auf die Kosten abgelehnt.

Wohin kommt der Bücherschrank? Der offene Bücherschrank ist eine Erfolgsgeschichte. 2009 haben Literaturfreunde den ersten auf dem Merianplatz im Nordend aufstellen lassen. Inzwischen gibt’s  in nahezu jedem Stadtteil mindestens ein Exemplar der Bibliothek, bei der sich Bürger einfach Bücher mitnehmen können – aber auch ausgelesene Exemplare abgeben. Sogar in Berkersheim steht ein Buch-Möbel. Nur nicht in Goldstein. Das könnte sich bald ändern. Die SPD hat einen entsprechenden Antrag in den Ortsbeirat 6 eingebracht, die anderen Fraktionen haben begeistert zugestimmt. Nun ist es an der Stadt zu prüfen, ob Goldstein einen Bücherschrank bekommt, und wenn ja, wohin der soll. Zwei Flächen hält Antragssteller Michael Wanka für geeignet: am Bürgerhaus, Goldsteinstraße 314, oder am Supermarkt, Am Försterpfad 1. 

Was macht das Verkehrskonzept? Wer mit dem Auto durch den Tannenkopfweg fährt, muss eins mitbringen: Zeit. Die Straße ist eine der Haupt-Verkehrsachsen in Goldstein und stark befahren. Aber: Sie ist schmal und mit versetzten Parkflächen und Hindernissen eingeengt. Alle paar Meter müssen sich Autofahrer mit dem Gegenverkehr arrangieren. Anwohner finden den ewigen Stau vor ihrer Nase nicht so schön. Darum haben sich die Bürgerinitiative für ein lebenswertes Goldstein und die Siedlergemeinschaft Goldstein zusammen geschlossen und ein Verkehrskonzept für das Quartier erarbeitet, für die Brennpunkte „Am Tannenkopfweg“, „Sauerackerweg“ und „Zur Waldau“. Die städtischen Verkehrsplaner prüfen das Konzept derzeit – „fachübergreifend“, wie es in einer Mitteilung heißt. Die Stadt möchte die Ergebnisse in einer öffentlichen Sitzung vorstellen – noch „vor Ende des zweiten Quartals 2017“.

Warum gibt es Streit am Waldrand? Wer am Waldrand von Goldstein wohnt, wünscht sich einen wie Obelix herbei. Einen wilden Krieger, der durchs Unterholz tobt, Wildschweine per Hand fängt und kurzerhand verspeist. Weil es den aber nicht gibt, hoffen die Bürger weiter auf die Stadt. Beziehungsweise, geben die Hoffnung langsam auf. Seit Jahren klagen die Goldsteiner über freche Wildschweine, die sich zwischen den Bäumen hervor bis ins Wohngebiet trauen. Die Sauen haben zwar noch keine Menschen attackiert, aber einige Anwohner bereits tüchtig in der Dämmerung erschreckt. Und sie zerwühlen die Grünanlagen, teils auch die Gärten. Die Stadt lässt darum die Tiere auch seit Jahren bejagen. Und schneidet die Büsche und Hecken zum Wald hin zurück, damit die Schwarzkittel keine Deckung finden. Einen langen Zaun wird sie aber nicht aufstellen lassen. Den hatte sich mancher gewünscht. Ein Gutachten rät aber ab. Ein so langer Zaun bräuchte das ein oder andere Tor – und das könnte versehentlich offen stehen. Wenn sich dann ein Wildschwein hinter den Zaun verirrt, könnte es in Panik geraten. Und das sei erst richtig gefährlich. Die Stadt könnte aber auch viel mehr unternehmen, finden die Leute, die am Waldrand wohnen. Die städtischen Jäger bräuchten bessere Ausrüstung. Etwa Nachtsichtgeräte, solche die man in der Hand halten kann, und solche, die man auf dem Gewehr anbringt. Um die Technik hat sich ein bizarrer Streit der Zuständigkeiten zwischen den Behörden entwickelt. Ausgang offen. Vernünftige Hochsitze wären ebenfalls hilfreich, sagen Anwohner. Mit einer geschlossenen Kanzel. Die offenen Stühle, die hinter den Häusern am Heidebuckel und Bickenbacher Weg stehen, scheinen unnütz zu sein. Die Jäger benutzen sie jedenfalls nicht. Die Sitze stehen sehr nah an den Häusern dran, wer dort schießt, weckt die halbe Nachbarschaft auf. Außerdem erspähen die schlauen Wildschweine die Weidmänner sofort, berichtet ein Anwohner. Und Zäune fordern die Anwohner auch noch ein. Vielleicht keinen ganz langen, aber zumindest sollte die städtische Wohnbaugesellschaft ABG ihre Häuser mit einem sicheren Zaun versehen.

Was hat Heinrich Siesmayer hinterlassen? Der Frankfurter Palmengarten begeht dieser Tage den 200. Geburtstag von Heinrich Siesmayer. Der gilt als bedeutendster Gartenbaukünstler Hessens. An die 1000 Anlagen hat Siesmayer gestaltet. Erstes Schlüsselwerk ist der Park am Hofgut Goldstein, ein Auftrag der Reichsgräfin Louise Wilhelmine von Bose, fertiggestellt 1846. Noch heute ist der sechs Hektar große Park eine weitläufige Angelegenheit. Sanfte hügelige Wiesen und alte Bäume prägen das Bild. Die Anlage hat in den vergangenen rund 170 Jahren dennoch eine Wandlung vollzogen. Prägend sind die 30er Jahre. Da lässt die Stadt die Siedlung Goldstein errichten. Bis dahin ist die Anlage ein grünes Eiland zwischen Wiesen und Äckern. Die vielen neuen Häuser geben dem Grün einen neuen Rahmen. Der Park wird zum Mittelpunkt, gar Volkspark eines neuen Stadtteils. Die Siedler bekommen sogar einen Lehrgarten am Rand – für Gemüse, Kräuter und Zierpflanzen. Der wächst noch bis 1960.

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