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Goethe-Universität will bis 2050 CO2-neutral werden

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Von: George Grodensky

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Johannes Reidel leitet das neue Nachhaltigkeitsbüro der Uni. p. Jülich
Johannes Reidel leitet das neue Nachhaltigkeitsbüro der Uni. p. Jülich © Peter Jülich

Hochschule installiert Büro für Nachhaltigkeit. Frankfurterinnen und Frankfurter sollen den Kontakt suchen.

Die Goethe-Universität möchte sich stärker der Nachhaltigkeit verschreiben. Dafür hat die Hochschule im Juli ein Nachhaltigkeitsbüro eröffnet. Gestern hat sie den Leiter Johannes Reidel und die künftige Strategie präsentiert. Der neue Mann erweist sich dabei gleich als Glücksgriff. „Ein Nachhaltigkeitsbüro macht die Uni nicht automatisch nachhaltiger“, sagt er trocken.

Gleichwohl soll das fünfköpfige Team helfen, das Thema innerhalb der Universität „systematisch zu verankern“, sagt Hochschulpräsident Enrico Schleiff. Es soll Synergien herstellen, unterstützen, die bereits vielfältigen Aktivitäten bündeln: nicht nur in der Forschung, auch im täglichen Betrieb, in künftigen Weichenstellungen und im Transfer in die Gesellschaft hinein und retour, von der Gesellschaft in die Uni.

Schleiff ist da ganz offensiv. „Wir haben jetzt ein Büro für Nachhaltigkeit!“, ruft er der Stadtgesellschaft zu. „Treten Sie in Kontakt.“ Dann dankt er den Studierenden, für den Impuls, der zur Gründung des Büros geführt hat. „Das zeigt: Studierende übernehmen aktiv Verantwortung für ihre Universität und die nachhaltige Gestaltung ihrer Mitwelt“, lobt Schleiff.

Allerdings ist Nachhaltigkeit nicht mehr nur ein „Nice-to-have“, wie Johannes Reidel anmerkt. Die Hochschule muss signifikant Treibhausgasemissionen reduzieren. Bis 2050 soll sie CO2-neutral werden, gibt das Hochschulgesetz vor. Zunächst sei eine Bestandsaufnahme nötig, sagt Reidel, eine Datengrundlage, um zu sehen: „Wie groß ist die Herausforderung?“

Etwa, welche Lebensmittel das Studierendenwerk für die Mensen einkauft, wie viele und woher? Bei den Gebäuden sei die Uni bereits gut aufgestellt. 2015 hat sie angefangen, ein Energiemanagement zu entwickeln.

nachhaltig

Den aktuellen Stand von Nachhaltigkeit an der Goethe-Universität diskutieren Vertreterinnen und Vertreter in einer öffentlichen Podiumsdiskussion am Dienstag, 22. November, ab 18 Uhr im Festsaal auf dem Campus Westend.

Kontakt zum Nachhaltigkeitsbüro im PA-Gebäude auf dem Campus Westend ist möglich unter E-Mail:

nachhaltigkeit@uni-frankfurt.de

Leiter Johannes Reidel ist telefonisch zu erreichen unter 069 / 79 81 23 54; Mail: reidel@nachhaltigkeit.uni-frankfurt.de

Auf Grundlage der Daten investiert die Hochschule 30 Millionen Euro. Etwa in energetische Sanierungen. „Alleine dadurch werden wir 1,4 Millionen Tonnen CO2 einsparen“, sagt Schleiff. Dazu kommen Photovoltaikanlagen auf zwölf Gebäuden. Die Leuchten werden konsequent auf Led umgestellt, die Belüftungs-, Klimasysteme und weiteren energieintensiven Anlagen werden saniert.

Der Umweltschutz ist das eine, der Sparfaktor das andere. Vor der Krise lagen die Energiekosten der Hochschule bei 20 bis 25 Millionen Euro im Jahr. Wie viel teurer es in der Energiepreiskrise wird, ist schwer zu beziffern. Im schlimmsten Fall droht eine Steigerung um 40 Prozent. Die ersten Investitionen bringen zusammen ein „Einspar-Volumen“ von mehr als vier Millionen Euro im Jahr, rechnet Kanzler Albrecht Fester aus.

Was an Kosten auf die Uni zurollt, hängt auch vom Verlauf der Coronapandemie ab. Wenn die Pandemie ein höheres Maß an Lüftung erfordert, laufen die Lüftungsanlagen auf Hochtouren. In Laboren ist der Aufwand noch größer, da erfolgt der Luftaustausch sieben bis acht mal die Stunde. Die Goethe-Uni werde aber kein Forschungsprojekt streichen, versichert Schleiff. Was passieren könne, ist, dass einzelne Projekte hie und da ihren Energiebedarf einschränken müssten. Wobei er davon ausgehe, dass die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ihre großen Maschinen ohnehin nur mit Bedacht einsetzten.

Wenn sie unsicher sind, können sie ja im neuen Nachhaltigkeitsbüro nachfragen. Mit Technik kennt sich Johannes Reidel aus. Er hat ein Studium der Technischen Kybernetik an der Universität Stuttgart absolviert. Promoviert hat er „fachfremd“, wie er launig sagt: am philosophischen Institut in Stuttgart. Zur Philosophie der Technik.

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