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Goethe-Uni Frankfurt: Freude über Rückkehr zur Präsenzlehre

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Von: George Grodensky

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Gabrijel Zuparic und Natalie Povolny von der Beratungsstelle des Fachbereichs 04 Erziehungswissenschaften führen Erstsemester-Studis über den Campus.
Gabrijel Zuparic und Natalie Povolny von der Beratungsstelle des Fachbereichs 04 Erziehungswissenschaften führen Erstsemester-Studis über den Campus. © Monika Müller

Die Studierenden haben keine Lust mehr auf Online-Formate. Nur wenige sorgen sich vor Ansteckung mit dem Coronavirus.

Laura und Anna sind ganz angetan von ihrer neuen Umgebung. Die zwei jungen Frauen studieren an der Frankfurter Goethe-Uni Lehramt für Grundschulen, allerdings noch nicht lange. Genauer: Sie sind seit April im ersten Semester. Die Vorlesungen beginnen am heutigen Montag, 11. April. Den Campus haben sie erkundet, Tutoren haben ihnen alles gezeigt. Am vergangenen Donnerstag schauten sie sich auf der Orientierungsmesse „Unistart“ um. Kennengelernt haben die beiden sich in der Orientierungswoche. „Das ist total hilfreich, wenn man die Leute direkt ansprechen kann“, sagt Anna.

Studienanfänger der vorigen Semester hatten es nicht so gut. Sie mussten sich online treffen. Die Erstsemestermesse am Donnerstag ist die erste nach zwei Jahren Pandemie. Nicht alles schimmere gülden an der Hochschule, gibt Melissa Dutz vom Vorstand des Allgemeinen Studierendenausschusses den Neulingen gleich mit auf den Weg. So schön der „Hochglanzcampus“ auch sei, besonders studierendenfreundlich sei er nicht. Unter anderem fehle es an Arbeitsplätzen in den Bibliotheken, auch an Rückzugsmöglichkeiten. Im Sommer falle das nicht auf, da locke die weitläufige Parklandschaft ins Freie. Im Winter nicht. Auch ärgerlich: Der Bau des Studierendenhauses verschiebe sich stetig. Und die Uni sei zu zögerlich bei der Aufarbeitung der NS-Zeit, so Dutz. „Sehr ermutigend“, raunt es aus dem Publikum.

Hochschulpräsident Enrico Schleiff scheint derweil ein bisschen entrückt. Er tritt nach dem Asta-Donnerwetter auf die Bühne der Mensa im Casino. Die Vorwürfe lässt er an sich abgleiten und sagt, „studentische Partizipation ist extrem wichtig, um die Entwicklung der Universität kritisch zu begleiten“. Schleiff empfiehlt den Anwesenden, sich unbedingt einzubringen, in Hochschulgruppen, Fachschaften, auch wählen zu gehen fürs Studierendenparlament.

Der Präses ist einfach nur froh, überhaupt wieder junge Menschen in der Uni zu treffen. „Es ist so schön, endlich wieder Studierende zu sehen.“ Danach lobt er, dass alle Mund-Nasen-Schutz trügen. „Nehmen Sie Rücksicht, schützen Sie sich und andere.“ Immerhin gäbe es auch solche, die ängstlich seien, sich nicht anstecken wollten, die womöglich auch Angehörige zu Hause pflegen müssten. Dann kommt er doch noch auf die Schönheit der Uni zu sprechen. Ein Ort für Kunst, Kultur, Wissen und Sport.

Aber noch wichtiger sind für Schleiff die vielen engagierten Kolleginnen und Kollegen aus der Wissenschaft und Verwaltung, die dort tätig seien. Den Studierenden ruft er zu, sich dem Studienalltag mit Neugier und Begeisterung zu stellen. Rund 2200 Erstsemester beginnen ihr Studium in diesem Jahr. Insgesamt sind etwa 42 000 Studierende an der Goethe-Uni eingeschrieben.

Begeisterung beziehungsweise Erleichterung sind auf dem Campus deutlich spürbar. Endlich wieder Präsenzlehre, weniger Webinare oder Zoomkonferenzen. Simon Sony freut sich. Zwei Jahre Studium unter Pandemiebedingungen liegen hinter dem angehenden Politikwissenschaftler mit Philosophie im Nebenfach.

Zähe Jahre seien das gewesen, sagt Sony. Mit viel Ungewissheiten. Wie im abgelaufenen Semester: Da wollte die Hochschule bereits zurück zur Präsenzlehre und das Semester begann verheißungsvoll.

Wegen der Omikron-Variante wurden dann aber immer mehr Veranstaltungen zurück ins Internet verlegt. Von Sonys sechs Präsenzformaten blieb nur eins übrig. Die anderen wurden wieder digital abgehalten. „Schwierig“ sei der ewige Wechsel vom Seminar zum Webinar. „Dann sitzt man mit dem Laptop und Kopfhörern in der Bibliothek und kann nichts sagen, weil man die anderen stört.“

Die Lehre vor Ort mache ohnehin vieles einfacher, sagt Sony. „Man kann direkt nachfragen, auch mal mit den Kommilitonen schnell etwas klären.“ Das gehe in den meisten digitalen Lehrformaten nicht. „Videositzungen sind oft so getaktet, dass nur wenige Fragen möglich sind.“ Oder ein Einwurf koste zu viel Überwindung. Etwa, wenn sich die Chatfunktion des Seminars automatisch an alle Teilnehmenden richte. „Das macht schon einen Unterschied, ob man seine doofe Frage an einen stellt oder an den ganzen Kurs“, sagt Sony und lacht.

Tim Schneider ist das Lachen vergangen. „Ich bin es leid, vor meinem Rechner die Veranstaltungen zu besuchen“, sagt er bestimmt. „Ich kann es gar nicht mehr erwarten, dass der universitäre Lehrbetrieb wieder komplett und grundsätzlich in Präsenz in echt aufgenommen wird.“

Bei Onlinesitzungen könne er sich kaum konzentrieren. „Alle Maßnahmen, die man dafür ergreift, funktionieren einfach nicht mehr. Nach vier Semestern mit dieser Plage ist bei mir einfach die Luft raus.“ Onlinelehre nähme ihm die Lust. „Da hätte ich mich auch an der Fernuni in Hagen einschreiben können.“

Deswegen blickt Schneider bereits mit Sorge in Richtung Herbst. „Wenn die Fallzahlen wieder anziehen sollten, werde ich mir keine weitere Veranstaltungen online geben.“ Er habe es satt, sich für andere einzuschränken; vor allem, wenn sie sich nicht mal selbst schützen wollten und hiermit sämtliche Errungenschaften der vergangenen zwei Jahre – besonders die Schutzimpfung – infrage stellten.

Schneider hätte sich über eine Impfpflicht gefreut, egal ob ab 18 Jahren oder nur für Ältere. Gerade die müssten gesetzlich zum Hochkrempeln der Ärmel aufgefordert werden. „Damit von nun an die Freiheit und die mentale Gesundheit der jungen Menschen geschützt wird.“

Angst vor Ansteckung haben die beiden nicht. „Die meisten Studierenden sind inzwischen geimpft“, sagt Sony. Das Risiko bestehe natürlich, aber in den großen Hörsälen mit Maske sehe er wenig Gefahr. „Wir können ja nicht jahrelang alles geschlossen lassen.“ Nur bei der Anfahrt ist ihm etwas mulmig. In Bus und Bahn will er sich nicht mit all den anderen Menschen einklemmen. Er fährt mit dem Rad. Aus Höchst ist er da etwas länger unterwegs.

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