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Glühbirne auch als Kunst nicht erlaubt

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Von: Claudia Michels

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Florian Koch will die Glühbirne für finstere Zeiten retten, 5000 Konserven hat er noch.
Florian Koch will die Glühbirne für finstere Zeiten retten, 5000 Konserven hat er noch. © Martin Weis

Eine Frankfurter Firma erwirbt Tausende 60-Watt-Birnen, steckt sie in Tausende Dosen und nennt die Kunstwerke „Kultur-Reserve“. Doch die Eichbehörde duldet die Glühbirne auch als Kunst nicht. Nun droht ein Zwangsgeld.

Seit dem 4. Juli 2012 hat der Frankfurter Verleger Florian Koch den behördlichen Stempel, „ein Inverkehrbringer“ zu sein. Tage zuvor hatte jemand von der Hessischen Eichdirektion vor seiner Tür in der Gaußstraße gestanden und mit dieser Anrede das „Energieverbrauchsrelevante-Produkte-Gesetz“ auf eine Art im Munde geführt, dass Koch, der sich „einen Ideenschmied“ nennt, kaum folgen konnte. Dann ging ihm ein Licht auf: Das „Energieverbrauchsrelevante-Produkte-Gesetz“ ist eine EU-Verordnung, die zum Beispiel gegen die gute alte Glühbirne gerichtet ist.

Wie Koch und seine Kollegen finden, macht die Energiesparlampe „erwiesenermaßen depressiv“. Dem Künstler Lutz Jahnke muss es ähnlich gehen, denn er erwarb Tausende 60-Watt-Birnen, steckte sie, ehe die Eichdirektion ihn ergreifen konnte, in Tausende Dosen und nannte die Kunstwerke „Kultur-Reserve“.

Jahnke und die ganze Frankfurter Firma „Metermorphosen“ hatten den Plan, der „original deutschen Qualitätsbirne“ das Überleben zu sichern, „damit man sie im Notfall als letztes verfügbares klassisches Licht einsetzen kann“. Das ideale Geschenk also, zum Preis von 6,90 Euro, „für kritische Geister“. Nicht umsonst hat die Geschenkartikelkette namens „Depot“ die letzten 5000 eingeweckten Glühbirnen fürs Weihnachtsgeschäft geordert.

Zwangsgeld von 2000 Euro droht

Doch per amtlichem Schreiben ist jetzt den Herstellern „mit sofortiger Vollziehung“ untersagt, die ganze „Kultur-Reserve“ unter die Leute zu bringen, die im Keller von „Metermorphosen“ lagert. Jedenfalls „sofern und solange das Produkt die Anforderungen des Energieverbrauchsrelevante-Produkte-Gesetzes nicht erfüllt“, steht in der Ankündigung des „Vollzugs“. Es droht Zwangsgeld von 2000 Euro. Erklärt wird von der Behörde nicht, was bei der Glühbirne überhaupt Sache ist. Und die seitenlange EU-Richtlinie zum Energiesparen aus dem Amtsblatt wirkt undurchdringlich.

„Keine mehr über 60“ könnte man zusammenfassen. Wie es aber wann steht um die Zukunft der 60-Watt-Birne, muss hier offen bleiben. Am 1. September 2012 scheint für die jahrhundertealte Errungenschaft der Zivilisation irgendwie Schicht zu sein. Darf sie von da an nicht mehr produziert, nicht mehr „in den Verkehr gebracht“ oder „nicht mehr verkauft werden“? Verleger Florian Koch glaubt, es dürfe an Glühbirnen „verkauft werden, was bis zum 1. September 2011 produziert wurde“. Also auch die in den 5000 Dosen: „Die kriegt man ohnehin nur mit dem Dosenöffner auf.“

Zur Sicherheit haben die Ideenhändler aus der Gaußstraße einen Ausweg ersonnen: „Eventuell machen wir eine 40-Watt-Birne rein.“ Dann hält die Kunst womöglich den „vorgeschriebenen Bemessungswert der maximalen Leistungsaufnahme für einen bestimmten Bemessungs-Lichtstrom“ ein. So ließe sich der entsprechende Satz im Bescheid deuten.

Für 40 Watt findet sich bei aller Suche noch kein Verbot.

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