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Marion Schulze (links) und Julia Münter (rechts) in ihrer kleinen, feinen Buchhandlung.

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Glücklich auf der Leseinsel in Frankfurt

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Warum Marion Schulze und Julia Münter mit ihrer „Bücherei im Bogen“ in Preungesheim erfolgreich sind.

Es muss schon die Frühlingssonne sein, die durch die Frontscheiben die „Bücherei im Bogen“ golden ausleuchtet. Draußen sitzen die Leute vorm Eiscafé am Gravensteiner Platz in Preungesheim ganz ohne Mantel. Drinnen ist Marion Schulze, eine der Inhaberinnen der Buchhandlung, gerade ganz stolz aus der Landeshauptstadt Wiesbaden von der Preisverleihung zurückgekommen. Als einer von 54 hessischen Buchläden erhielt der ihre das Gütesiegel „Lesefreude Hessen“.

Irgendwie passt das gar nicht zu den schlechten Nachrichten, die rund um das Buch zu hören sind. Immer weniger Menschen lesen, immer weniger kaufen Bücher, berichtet der Börsenverein des Deutschen Buchhandels. Vor Ort in Frankfurt aber stemmen sich Schulze und ihre Schwester Julia Münter gegen diesen Trend: „Die Preungesheimerinnen und Preungesheimer lesen.“

Die kleine, gerade mal 70 Quadratmeter große Leseinsel ist die einzige Buchhandlung im Stadtteil – und sie liegt zentral. Dort, wo sich auch der Wochenmarkt ausbreitet.

Vor zweieinhalb Jahren wagten die beiden Schwestern, die vorher in Buchhandlungen gearbeitet hatten, deshalb dort den Sprung in die Selbstständigkeit. Und sie haben es nicht bereut. „Dieser Ort macht Sinn“, sagt Münter. Gravensteiner Platz 4: Rundherum ist das Neubaugebiet Preungesheimer Bogen gewachsen, viele junge Familien mit kleinen Kindern wohnen hier.

Deshalb die große Auswahl von Bilderbüchern aller Formate, die auch schon die Kleinsten in aller Ruhe betrachten dürfen. „35 Prozent unseres Angebots sind Kinder- und Jugendbücher“, so Münter. Die Kinder kommen von der nahen Grundschule nach dem Unterricht hierher, verbringen hier viel Zeit. In der Ecke steht „unser Lümmel“, ein buntes Sitzmöbel aus Stoff in der Form eines kleinen Pferdes.

Der Erfolg der „Bücherei im Bogen“ hat aber noch ganz andere Wurzeln. Brigitte Schweitzer, „seit zwei Jahren glückliche Kundin“, bringt es auf den Punkt: „Es sind die netten und freundlichen Beraterinnen, das hilft mir sehr“, sagt die Frau mittleren Alters. Ob es nun die Romane sind, die sie so gerne liest, die psychologischen Ratgeber oder die Bände über Buddhismus.

Preungesheim: Eine große Auswahl an Kinderbüchern wartet

Mitten im Raum wartet der große Tisch mit den Bestsellern und den Neuerscheinungen. „Man braucht da viel Bauchgefühl beim Auswählen“, sagt Schulze. Zum einen geht sie natürlich nach ihren eigenen Vorlieben. „Ich lese gerne amerikanische zeitgenössische Literatur.“ Deshalb liegt da der gerade erschienene neue Roman des US-Autors T.C. Boyle obenauf, „Das Licht“, über die 60er Jahre mit all ihren Drogenerfahrungen und Trips an die Grenzen des Bewusstseins.

Buchhandlung: Das heißt heute aber auch Service rund um die Uhr. Natürlich haben die beiden Schwestern einen Online-Shop eröffnet, in dem man alle Medien auch im Internet bestellen kann. „Bis 18.30 Uhr abends geordert, am nächsten Morgen im Laden“.

Die beiden Buchhändlerinnen arbeiten aber auch eng mit den Schulen des Wohnquartiers im Preungesheimer Bogen zusammen, liefern Lesestoff für den Unterricht, ja selbst Bilderbücher für die Kitas. Und dann organisieren sie natürlich Veranstaltungen., „Wir haben schon Abende zu gutem Schlag gemacht, zu Thai-Chi, aber auch ganz normale Lesungen.“ Wenn im Mai wieder das Lesefest „Frankfurt liest ein Buch“ sein Netz von Veranstaltungen über die Stadt auswirft – im Mittelpunkt steht diesmal der Roman „Westend“ von Martin Mosebach – ist die „Bücherei im Bogen“ selbstredend mit einem Termin dabei.

Die Sonne zaubert kleine tanzende Flecken überall im Buchladen. Marion Schulze zieht eine zufriedene Zwischenbilanz ihrer zweieinhalb Jahre Selbstständigkeit. „Wir bekommen einfach sehr viel Wertschätzung und Wohlwollen von den Menschen hier.“ Das ist sozusagen der emotionale Part, der ja immens wichtig ist.

Den anderen fasst die Inhaberin so zusammen: „Wir liegen auch wirtschaftlich in unserem Plan.“ Die beiden Schwestern drängen sich für den Fotografen auf der kleinen Sitzbank vor dem Fenster zusammen, blättern angelegentlich im großformatigen Kinderbuch. Lachen.

Das könnte also die Antwort sein auf die Krise des Buches und des Lesens. Die persönliche Zuwendung, die geduldige Beratung. Schulze ist jedenfalls optimistisch. Bei der Preisverleihung am Morgen in Wiesbaden hat sie unter den 53 anderen Ladeninhabern aus ganz Hessen „viele Neugründer“ getroffen, „das waren eigentlich die meisten“.

Marion Schulze rät jedenfalls dazu, doch mal über die vielen neuen Buchläden zu sprechen und zu schreiben, nicht immer nur über die, die zumachen, die nach langer Zeit schließen. „Bei uns geht es bergauf“, sagt die Buchhändlerin bündig. Mit ihrer Schwester will sie sich weiter behaupten auf ihrer kleinen Bücherinsel in Preungesheim, mit Lesestoff „für alle Altersklassen“. Die Zeit seit der Eröffnung im November 2016 ist rasch vergangen. Und jetzt warten die nächsten Kunden auf die ganz persönliche Beratung..

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