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Kalle Lasn, 60, forderte in seinem Magazin im vorigen Juli: „Occupy Wall Street“.
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Kalle Lasn, 60, forderte in seinem Magazin im vorigen Juli: „Occupy Wall Street“.

Interview zu Occupy

„Die globale Revolution kommt“

  • Jörg Michel
    VonJörg Michel
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Der Occupy-Ideengeber Kalle Lasn will vom Scheitern der Banken-Proteste nichts wissen

Gut ein Jahr ist es her, dass Kalle Lasn und seine Mitstreiter vom kanadischen Magazin Adbusters ihre Leser zur Besetzung der Wall Street aufriefen. Was sich die zehn Redakteure in einem kleinen Kellerbüro in Vancouver ausgedacht hatten, entwickelte sich schon bald zu einer der größten Protestwellen der letzten Jahre. Tausende demonstrierten mit Occupy-Camps gegen die Macht der Banken und das kapitalistische Wirtschaftssystem – in New York, in Frankfurt und in vielen anderen Städten der Welt.

Heute sind die meisten Camps geräumt und Lasn hört allerorten, die von ihm mit ins Leben gerufene Bewegung sei tot. Das bringt den Herausgeber des linksgerichteten Magazins hörbar auf. „Occupy ist nicht tot. Wir sind viel weiter als noch vor einem Jahr“, sagt Lasn. Dann zählt er auf, wo sich junge Menschen in den vergangenen Monaten überall aufgelehnt haben: In Russland trotzten die Sängerinnen von Pussy Riot samt Fans Präsident Putin. In Kanada protestierten Tausende gegen höhere Studiengebühren. In Griechenland wehrten sich die Massen gegen Brüssels Spardiktat. „Die Unzufriedenheit nimmt weiter zu. All diese Krisenherde werden sich irgendwann zu einer globalen Revolution hochschaukeln“, sagt Lasn. Die Occupy-Camps seien nur ein erster Schritt. „Die Besetzungen hatten etwas Inspirierendes. Sie haben vielen jungen Menschen Zuversicht gegeben und das Gefühl, die Welt verändern zu können. Insofern waren die Camps ein großer Erfolg.“

Mittlerweile aber haben sich die Occupy-Lager auch in der Wahrnehmung ihrer Erfinder überholt. Die Protest-Bewegung befinde sich in einer neuen Phase. Lasn beschreibt sie so: „Wir gehen von der Wall Street auf die Main Street.“ Zukünftig werde es weniger spektakuläre Großaktionen geben wie jene im Zuccotti-Park. Dafür viele kleine, überraschende Nadelstiche gegen das System. Die Macher von Adbusters wollen zukünftig die Universitäten stärker ins Visier nehmen. „Das neoliberale Monopol auf die ökonomische Lehre ist eines unserer Grundübel“, sagt Lasn. Er will die Aktivisten ermutigen, die Fakultäten von innen zu erneuern.

Im November wird Lasn mit weiteren Autoren sein Buch „Meme Wars“ – übersetzt „Krieg der Ideen – veröffentlichen. Für die Occupy-Bewegung soll es zu einer Handreichung für künftige Aktionen werden. Für Adbusters selbst haben sich die Proteste übrigens gelohnt. Seit dem Besetzt-die-Wall-Street-Aufruf vom Juli 2011 ist die Auflage des anzeigenfreien Magazins Lasn zufolge um 30 Prozent gestiegen. So schön kann eine Revolution sein.

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