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Prämierte Ohrringe: Beton trifft auf Kupfer.

Seckbach

Glitzernder Zement

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Das Start-up Concrete Jungle fertigt Schmuck, Möbel und Figuren aus Beton. Die Preise für den Schmuck variieren, kleine Ohrstecker gibt es etwa ab 40 Euro.

Wer an Beton denkt, assoziiert vor allem schwere, klobige Dinge wie Häuser oder Straßen mit der grauen Masse. Das daraus auch Schmuck, Figuren oder Bilder gemacht werden können, ist vielen neu. Das Start-up Concrete Jungle hat sich auf die Arbeit mit dem Baustoff spezialisiert. In einer alten, knapp 400 Quadratmeter großen Fabrikhalle in der Gwinnerstraße setzen die Gründer Madlen Thorwart und Daniel Singh ihre Ideen in die Tat um. Auf einem der Tische stehen Gläser gefüllt mit goldenen, kupfernen und bunten Partikeln. Die Kupferreste werden aus alten Stromkabeln gewonnen, erklärt Singh. Hier fertigt Thorwart ihre Ketten, Ohrringe und Ringe an.

In Formen füllt sie dann den flüssigen Beton, mischt ihn mit den glitzernden Stoffen. Anschließend schleift, versiegelt und schweißt sie. Und befestigt Stecker und Kettenanhänger an den Stücken. Mitunter eine ziemliche Fummelarbeit. Auch die Entwicklung dauerte seine Zeit, „wir haben viel rumprobiert“, sagt Thorwart. Die Stücke sind tatsächlich ziemlich leicht und machen einen robusten Eindruck. Das sei nämlich eine der häufigsten Befürchtungen der Kunden - das Gewicht.

„Wir verwenden Hochleistungsbeton“, sagt Singh. Der sei zwar teurer als normaler Zement, aber dafür auch viel stabiler. Die Preise für den Schmuck variieren, kleine Ohrstecker gibt es etwa ab 40 Euro, Ketten kosten 65 bis 150 Euro. Und da man nie wisse, wie sich Beton und Partikel vereinen, sei auch jedes Stück ein Unikat.

Vor einer Wand, auf die ein Dschungel gemalt wurde, stehen die Betonmischgeräte. Werkzeuge liegen in Regalen bereit und diverse Betonartikel stehen auf den Tischen. Mittlerweile fertigen die beiden auch Wohnaccessoires, Möbel und Figuren an. Für Firmen, Privatleute und Gastronomen designen sie Theken, Arbeitsplatten oder eine Kaminverkleidung. Dabei geht nicht immer alles glatt, Wenn das Stück etwa zu kurz wird, ist es nicht mehr zu retten, sondern muss neu angefertigt werden.

Angefangen hat alles vor fünf Jahren

Angefangen hat alles vor fünf Jahren in Thorwarts Keller. Damals experimentierte die 31-Jährige mit Beton als Schmuck und der kam zuerst bei ihren Freundinnen gut an und dann bei Kunden auf Märkten, so dass sie in ihrem Job als Innenarchitektin immer kürzer trat und schließlich vollberuflich einstieg. Ihr Freund Singh, der eigentlich Grundschullehramt studiert hat, kündigte seinen Job bei einer Autofirma und arbeitet seit einiger Zeit auch nur noch in der Betonmanufaktur. Und das oft zwölf Stunden am Tag, sieben Tage die Woche. Denn schließlich machen sie alles selbst, nicht nur die Produktion, sondern auch die Buchhaltung, den Vertrieb, den Online-Auftritt und den Versand.

Viel Zeit für Freunde, andere Hobbys oder Nichsttun bleibt da nicht. Im vergangenen Jahr gönnten sie sich immerhin einen achttägigen Urlaub. Thorwarts Mutter und eine Werkstudentin unterstützen das Paar. Aber so kann es nicht ewig weitergehen, sind sich beide einig, außerdem laufe das Geschäft gut, bald wollen sie noch jemanden einstellen, am besten Vollzeit. Finanzielle Hilfe von Investoren bekommen die Frankfurter nicht. Und suchen auch keine. Denn sie wollen selbst entscheiden, wie und was sie produzieren. Etwa bald mehr Möbel, aber auch Bilder aus Beton.

Neben dem Online-Shop bieten die Gründer ihre Produkte auf Märkten und mittlerweile auch in einigen Läden an, in Frankfurt bislang nur im Sinngut in Bornheim. Künftig wollen die Gründer etwa auf Messen vermehrt auf Firmen und Geschäfte zugehen und ihre Produkte anbieten.

Eine Wertschätzung für die vielen Arbeitsstunden gab es nun. Für ihre Schmuckkollektion Grey Rosé haben Sing und Thorwart den German Design Award 2019 gewonnen. Die Verleihung steht noch aus, der Preis wird im Februar auf der Frankfurter Konsumgütermesse Ambiente vergeben.

Die Produkte von Concrete Jungle bietet in Frankfurt bislang nur das Sinngut, Wittelsbacherallee 119, an. Auf der Messe Ambiente in Frankfurt (8. bis 12.Februar) werden die Gründer einen eigenen Stand haben. Ebenso auf dem Stijl-Markt in Frankfurt (30./31. März), auf dem Campus Westend/ Casino und dem Stijl-Markt in Mainz (13./14.März), Halle 45.

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