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Polizisten stehen neben einem ICE im Frankfurter Hauptbahnhof, nachdem es bei der Einfahrt zu einer schweren Attacke kam.
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Polizisten stehen 2019 neben dem ICE im Frankfurter Hauptbahnhof, nachdem es bei der Einfahrt zu einer schweren Attacke kam.

Justiz

Gleisattacke am Hauptbahnhof Frankfurt: Lokführer sagt vor Gericht aus

  • Stefan Behr
    vonStefan Behr
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Im Prozess gegen Habte A., der einen Achtjährigen und dessen Mutter vor einen ICE gestoßen haben soll, sagt der Lokführer aus. Er hätte keine Chance gehabt, den Zug rechtzeitig anzuhalten.

  • Im Juli 2019 wir im Frankfurter Hauptbahnhof ein Kind vor einen ICE gestoßen
  • Der Achtjährige stirbt, seine Mutter überlebt
  • Dem Beschuldigten wird jetzt in Frankfurt der Prozess gemacht

Vielleicht gelinge es irgendwann, die Bilder loszuwerden, hofft eine Augenzeugin im Prozess gegen Habte A., der einen Achtjährigen und dessen Mutter vor einen einfahrenden ICE gestoßen hatte – „aber das Gefühl der absoluten Machtlosigkeit – das wird bleiben“.

Getöteter Junge im Hauptbahnhof: Lokführer wird die Bilder nicht los

Von absoluter Machtlosigkeit berichtet am Montagmorgen auch der als Zeuge geladene damalige Führer des ICE. Als er am 29. Juli 2019 mit den vorgeschriebenen 30 Kilometer pro Stunde in den Hauptbahnhof eingefahren sei, da sei es erst eine Woche her gewesen, dass ein Mann eine Frau im nordrhein-westfälischen Voerde vor einen einfahrenden Zug gestoßen habe. „Das kriegt man als Lokführer nicht aus dem Kopf.“ Als er dann gesehen habe, wie eine Gestalt mit ausgebreiteten Armen auf die am Bahnsteig wartenden Menschen zurannte und kurz darauf aus seiner Sicht drei Körper auf die Gleise stürzten – eine Frau fiel lediglich auf den Bahnsteig -, da sei ihm klar gewesen: „Jetzt hast du so einen Fall.“ Doch lediglich den Achtjährigen habe er genauer gesehen, in dem Moment, als der an der Bahnsteigkante stand und hilflos mit den Armen ruderte, ehe er kopfüber vor den Zug stürzte. „Ich hatte Augenkontakt. Dieses Bild werde ich mein Leben lang nicht mehr vergessen.“

Er habe sofort die Notbremsung eingeleitet, doch es habe keine Chance gegeben, den Zug rechtzeitig zum Stehen zu bringen. In der Schweiz, sagt der Lokführer, gebe es für so einen Fall eine schriftliche Dienstanweisung. Sie ist simpel, und sie dient dem Schutz der Lokführer: „Augen schließen, Ohren zuhalten.“ In Deutschland gebe es solch eine Dienstanweisung nicht.

Gleisattacke am Hauptbahnhof: Täter wie „aus einer anderen Welt“

Die Mutter des getöteten Jungen ist nicht in der Lage, an dem Prozess teilzunehmen. Daher verliest die Kammer ihre Aussage, die sie noch am Tag der Tragödie in der Notaufnahme eines Krankenhauses gegenüber der Polizei gemacht hatte. Das einzige, was sie damals klar über den Täter sagen konnte, war der Ausdruck in seinen Augen: „Ein starrer Blick, so richtig starr.“ Das deckt sich mit der Aussage einer Frau, die Habte A. wenige Tage zuvor in einem Restaurant nahe dem Bahnhof bedient hatte. Zwar sei der Gast friedlich gewesen, aber ihr sei damals aufgefallen, dass er „nur geradeaus ins Leere“ gestarrt hätte. „Er war zwar da – aber nicht geistig. Er wirkte wie in einer anderen Welt.“

Die Aussage der Mutter wird durch das emotionslose Vortragen nicht weniger erschütternd. Sie hatte sich in letzter Sekunde von den Gleisen rollen können. Als Helfer sie wieder auf den Bahnsteig zogen, wusste sie noch nicht, dass auch ihr Sohn gestoßen worden war. „Wir haben gehört, dass Sie sich Vorwürfe machen. Das müssen Sie nicht. Sie trifft keinerlei Schuld“, versuchten die Beamten sie zu trösten. Es war kein Trost. „Hätte er doch überlebt – oh Gott!“, ist alles, was die Mutter dazu sagen konnte.

Am Verhandlungstag zuvor hatte eine Polizistin ausgesagt, die Habte A. kurz nach der Tat noch in Bahnhofsnähe festgenommen hatte. Im Polizeiwagen habe der apathisch ins Leere gestarrt, aber sie habe eine Träne beobachtet, die ihm über Wange gelaufen sei. Dann habe er ausdruckslos gesagt: „Es tut mir leid, dass ich den Jungen gestoßen habe. Es wäre besser, ich wäre tot.“

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