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Für Wohnungen müsste der Luftschutzbunker abgerissen werden.

Nordend

Glauburgbunker ist verkauft

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Das Stadtplanungsamt führt Gespräche mit dem neuen Investor. Die Stadt präferiert Wohnungsbau auf dem Areal des einstigen Explora-Museums.

Der Bunker am Glauburgplatz im Nordend, in dem bis vor einem Jahr das Technik- und Wissenschaftsmuseum Explora beheimatet war, ist verkauft worden. Das teilte die Stadt auf Anfrage der FR mit. Strack Jochen vom Liegenschaftsamt gab an, dass die Stadt nicht als Käufer fungiere. Der Sprecher von Planungsdezernent Mike Josef (SPD), Mark Gellert, bestätigte, dass das Dezernat in Gesprächen mit dem Investor sei. „Eine kulturelle Nutzung wäre nicht zu verweigern, aber wir bevorzugen Wohnungsbau an der Stelle“, sagte Gellert.

Auch wenn die Stadt nicht Eigentümer ist, könne sie beim Wohnungsbau fordern, dass es sich bei 30 Prozent der Fläche um geförderten Wohnraum handele, da das Areal um den einstigen Luftschutzbunker herum der Stadt gehört. „Die Erschließung ist nur über städtisches Gelände möglich, daher haben wir einen Hebel in der Hand“, so Dezernatssprecher Gellert.

Eine Entscheidung für Wohnungsbau sei allerdings noch nicht getroffen. „Es gibt viele Möglichkeiten der Nutzung.“ Bei wem es sich um den Investor handelt, wollten weder Stadt noch der bisherige Eigentümer Gerhard Stief mitteilen.

Für den Bau von Wohnungen müsste der Bunker an der Lortzingstraße abgerissen werden. Bereits Ende des vergangenen Jahres gab es einen Interessenten, der Wohnungen dort verwirklichen wollte, im Frühjahr sprang er aber ohne Angabe von Gründen ab. Seither war unklar, was mit dem Areal passiert.

Mehrheit im Ortsbeirat 3 gegen Wohnungs-Variante

Eine Mehrheit im zuständigen Ortsbeirat 3 lehnt die Wohnungs-Variante ab. Die Grünen befürchteten dabei überteuerte Mietpreise und weitere Luxuswohnungen, sagte Fraktionschef Jochen Vielhauer der FR. Er wusste bisher nichts über den Verkauf. Grüne und SPD im Ortsbeirat hatten bereits im März gefordert, dass die Stadt ihr Rückkaufsrecht in Anspruch nehme. Zusammen mit Ökolinx setzten sie sich für ein Stadtteilzentrum ein. „Es mangelt im Nordend seit der Schließung des Bürgerhauses am Eschenheimer Tor und der Bürgerräume im Philanthropin an einem Bürgerzentrum“, sagte der Vertreter von Ökolinx Manfred Zieran.

Für SPD-Fraktionschef Rüdiger Koch wäre es der denkbar schlechteste Fall, reiße der Investor den Bunker ab und baue dort Luxuswohnungen. Den Abbruch bezeichnete er als Katastrophe, „mit diesen Mauern, in einem derart dicht besiedelten Gebiet. Die Leute werden da keine Freude haben.“

Der Ortsbeirat sähe eine kulturelle Nutzung des Bunker-Areals am liebsten. „Egal, ob es ein stadtteilinternes Museum, ein auswärtiges Museum oder ein Stadtteilzentrum ist“, sagt Koch. Bislang habe es immer geheißen, Wohnungsbau sei nicht mit geförderten Wohneinheiten machbar, weil Abriss und Neubau dem Investor zu teuer kämen. „Da müssen wir nun einmal abwarten, bis der Investor seine Ideen vorstellt.“ Gegen Wohneinheiten mit geförderten Wohnungen habe die SPD aber nichts einzuwenden, sagte Koch.

Der Glauburgbunker diente seit 1995 dem Science Center Explora als Heimat. Zudem lebte Museumsgründer Gerhard Stief in der Anlage. Er gab seine Einrichtung zum Jahreswechsel aus Altersgründen auf. Die umfangreiche Sammlung des Museums wurde in die Niederlande verkauft. Die Stadt hatte sich im vergangenen Jahr von Stief distanziert, nachdem dieser mit rassistischen Nachrichten auf Twitter aufgefallen war. Die Stadt und das Land Hessen empfahlen Schulen, das Museum zu meiden und nahmen Links von den eigenen Websites herunter.

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