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Erinnerung

Glaube, Schreibe, Hoffnung

Eine zu lange aufgehobene Nachricht

Ich wollte immer so werden wie Du. Hätte ich Dir aber nie erzählt. Lieber hätte ich mir die Zunge abgebissen. So was erzählt man ja nicht. Außerdem kannten wir uns viel zu wenig, weil wir nicht in der selben Redaktion saßen, nur zwei, drei Mal miteinander gearbeitet haben. Einmal schrieben wir einen Artikel zusammen, zwei eitle Herren haben wir als genau das entlarvt. Mein Name stand über Deinem in der Autorenzeile.

Ich war stolz, aber das hätte ich Dir natürlich nie erzählt.

Und jetzt geht das auch gar nicht mehr.

Jetzt kann ich Dir gar nichts mehr erzählen. Wäre doch interessant gewesen. Vorgestellt habe ich es mir tatsächlich mal: Irgendwann, so in zehn Jahren hätte ich es Dir doch erzählt. Natürlich erst, wenn ich das geschafft hätte, so gut zu werden wie Du, keine Minute früher: „Du Felix, jetzt nicht lachen, aber ich habe Dich früher ein bisschen bewundert.“ Dann hätten wir gelacht.

Aber jetzt geht das nicht mehr.

Als ich mein Praktikum gemacht habe in der Redaktion Wissen und Bildung, da habe ich mir nicht die drei Volontäre als Vorbild ausgesucht, die ich kennenlernte, sondern Dich. Hoch gegriffen, klar. Aber ich wollte auch viel. Damals warst Du selbst noch Student und freier Mitarbeiter, wie ich. Bloß viel routinierter und selbstbewusster, ein Autor. Sonst aber mir ähnlich – im Stil und in dem, was Dir wichtig war. Seitdem habe ich meinen Stil an Deinem geschult, gestaunt, welche Themen möglich sind, wenn man beharrlich ist und wenn man weiß, wie verborgene Dinge sichtbar geschrieben werden können.

Sten Nadolny schreibt irgendwo, dass man sowieso nur die Wahrheit sagen kann, indem man Geschichten erzählt. Genau. Du hast immer die Wahrheit geschrieben, weil Du sie als Geschichte erzählen konntest. Das kann nicht jeder. Ich will es lernen und eigentlich brauche ich Dich hier noch, um mich weiter an Deinem Stil zu schulen.

Aber jetzt geht das nicht mehr.

Wenn ich früher, zu der Zeit, als eine Berufswahl getroffen werden musste, meine Zweifel hatte, ob das überhaupt geht, ob sich in einem Mediensystem, an dem ich große Zweifel hatte, überhaupt im Sinne von Aufklärung, von Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit wirken ließe, habe ich zufällig einen Text von Dir gelesen und es war wieder klar: Es geht, man muss nur verdammt gut sein. Darum wollte ich immer so werden wie Du. Dann hätten wir es vielleicht schaffen können, ein klein wenig das Richtige zu tun im Kotzfalschen. Du und ich und die anderen Enthusiasten bei der Frankfurter Rundschau.

Und jetzt geht das auch gar nicht mehr.

Oliver Heil

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