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Unter der Bahnbrücke an der Voltastraße hat die FES in diesem Jahr acht Mal gereinigt.

Messe

Gitter gegen Tauben

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Die Stadt möchte, dass Hohlräume unter weiteren Brücken verschlossen werden. Besonders schlimm ist es an der Voltastraße und der Theodor-Heuss-Allee.

Jürgen Wächter gibt nicht auf. Und er wählt drastische Worte. „Völlig unzumutbar“ seien die Zustände geworden, gegen die er seit Jahren zu kämpfen versucht. Die Rede ist vom unappetitlichen Thema Taubenkot. Zwei Stellen im Stadtgebiet regen Wächter besonders auf: die Bahnbrücken in der Voltastraße und in der Theodor-Heuss-Allee. „Wann macht hier endlich einer was gegen diese Scheiße von oben?“, schimpft der Frankfurter.

Dort, zwischen Messe und Westbahnhof, seien die Bürgersteige „zentimeterhoch mit Taubenkot zugeschissen“. Es müsse doch möglich sein, „wenigstens die paar Meter direkt über den Bürgersteigen so abzudichten, dass die Tauben zumindest dort nicht von oben runter kacken!“, schreibt Wächter in einer wütenden E-Mail an Stadt und Bahn, die der FR vorliegt. „Es passiert seit Jahren nichts“, so Wächter. „Typisch Behörde.“

Das könnte sich nun jedoch ändern. Denn wie Michaela Kraft, Leiterin des Amts für Straßenbau und Erschließung, der FR bestätigt, ist geplant, auch in der Voltastraße die Hohlräume unter der Bahnbrücke und über den Geh- und Radwegen so zu verdichten, dass die Tauben dort nicht mehr nisten können. „Entsprechende Anfragen und Anträge bei der Deutschen Bahn laufen“, so Kraft.

Mit der Bahn als Eigentümerin des Bauwerks muss sich die Stadt eng abstimmen. Im Frühjahr hatte das Amt an der Galluswarte eine identische Maßnahme durchgeführt. Mit Gittern wurde der Raum zwischen den Metallstreben an der Unterseite der Brücke verschlossen. Ein Pilotprojekt – „mit gutem Erfolg“, wie Kraft findet.

Die Bahn erklärt auf FR-Nachfrage nicht, was sie konkret an den beiden betroffenen Stellen gegen das Kotproblem unternimmt. Generell zeige das Unternehmen jedoch Leute an, die auf Bahngelände die Tauben füttern, so ein Bahnsprecher. Das sei „eine absichtlich herbeigeführte Verunreinigung“. Darüber hinaus kämen beispielsweise Störgeräusche zum Einsatz. „Alle Maßnahmen erfolgen dabei unter Beachtung des Tierwohls“, so der Sprecher.

Die Frankfurter Entsorgungs- und Service-GmbH (FES) wurde im vergangenen Jahr von der Stadt damit beauftragt, die Wege unter 21 Brücken regelmäßig von Taubenkot zu befreien. Auch die beiden Brücken zwischen Westbahnhof und Messe gehören dazu. Laut FES-Sprecher Stefan Röttele ist die Voltastraße in diesem Jahr bislang acht Mal gereinigt worden, die Theodor-Heuss-Allee vier Mal. Beide Standorte seien „Schwerpunkte“ bei der Brückenreinigung, „beide werden dieses Jahr nochmal drankommen“.

Gudrun Stürmer, erste Vorsitzende des Stadttaubenprojekts Frankfurt, kann die Aufregung nicht ganz verstehen. „Es gibt Stellen in Frankfurt, an denen es viel schlimmer ist“, findet sie. Stürmer sieht für die Voltastraße und die Theodor-Heuss-Allee zwei Lösungsansätze: Zum einen müsse man die betroffenen Stellen noch öfter reinigen, fordert sie. „Wenn zu Hause viel dreckiges Geschirr steht, dann bringt es ja auch nichts, sich darüber zu beschweren. Dann muss man das einfach wegspülen.“ Zum anderen bräuchten die Tauben alternative Nistplätze. „Sie nisten ja nicht dort, weil es so schön ist, sondern weil sie keine anderen adäquaten Möglichkeiten haben.“ Am Westbahnhof gibt es bereits ein Taubenhaus, das sei jedoch „überlagert“, so Stürmer. Das Stadttaubenprojekt fordert schon seit Längerem weitere solcher Nisthäuser.

Von den Plänen, die Hohlräume in der Brücke zu verkleiden, hält Stürmer indes wenig. Damit verlagere man das Problem nur an andere Orte: „Die Tauben sind dadurch ja nicht weg. Sie sitzen dann eben wo anders – vielleicht sogar auf Wohnhäusern. Und dann beschweren sich andere.“

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