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Friedrich Hesse, Ortsvorsteher Ortsbeirats 9, sorgt sich um die Qualität des öffentlichen Raumes, hier am Marbachweg.  

Frankfurt-Nord

Ginnheim: „Die Platensiedlung wird ein Problem bleiben“

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Das Jahr im Ortsbezirk 9: Vorsteher Friedrich Hesse (CDU) spricht über Schulen, Neubauten und stadtplanerische Ideen.

Friedrich Hesse ist seit 2006 Ortsvorsteher im Ortsbeirat 9. Der ehemalige Studienrat von der CDU ist mit einer Französin verheiratet und 67 Jahre alt. 

Herr Hesse, wie geht es mit den Schulen im Ortsbezirk weiter? Es fehlt an Hortplätzen, viele Gebäude sind marode oder zu klein. Seit elf Jahren steht die Sanierung der Diesterwegschule in Ginnheim an, seit zwei Jahren wird nach einem Auslagerungsort gesucht.
Für die Diesterwegschule scheint es auf eine Auslagerung nach Bockenheim hinauszulaufen, aber das wird wohl 2020 nichts mehr. Dabei hat die Schule schon im Frühjahr 2019 ihr Raumprogramm vom Schulamt bekommen. Im Januar wird Baudezernent Jan Schneider in der Ortsbeiratssitzung Auskunft über den Planungsstand geben, die Bildungsdezernentin Sylvia Weber hat leider abgesagt. Generell scheint die Verwaltungseinteilung, die Aufsplitterung in Schulamt und Amt für Bau und Immobilien nicht sehr glücklich. Weil die mit zwei unterschiedlichen politischen Parteien verknüpft sind, gibt es Reibereien.

Gilt das auch für das Raumproblem an der Fried-Lübbecke-Schule in Eschersheim? Die Betroffenen und der Ortsbeirat klagen über mangelnde Info darüber, wie die Stadt weiter vorgeht.
Ja, die Schule hat im Augenblick 700 Quadratmeter und bräuchte 2300. Zwar wurde die Betreuung auf 95 Plätze aufgestockt, es fehlt aber eine richtige Turnhalle. Leider dauert das alles sehr lange. Auch bei der Astrid-Lindgren-Schule in Ginnheim werden wir vertröstet: Angeblich werden Container kommen, irgendwann, provisorisch. Das Schulamt will keine so große Schule mehr, sondern lieber einen zweiten und dritten Standort. Es gibt aber in der Siedlung so gut wie keine Standorte, das Amt ist nicht in der Lage, einen zu finden. Und die Fried-Lübbecke-Schule wird vertröstet, dass es einen neuen Schulstandort in Eschersheim geben soll – das braucht aber mindestens noch zehn Jahre.

Sie meinen den geplanten Neubau nordöstlich der Anne-Frank-Siedlung, mit 700 Wohneinheiten und einer neuen Schule. Was halten die Anwohner davon?
Die neue Schule haben wir im letzten Moment noch reinbekommen. Richtig begeistert sind die Menschen nicht, bisher haben sie freies Feld vor der Nase. Wir haben aber die Verkehrserschließung geregelt und gesagt, dass das kleine Wäldchen unantastbar ist – ein ideeller Wert für die Leute, die dort wohnen, weil die sich so oder so schon ärgern. Es gibt nur Geschosswohnungsbau, den Ärger kann ich schon ein bisschen nachvollziehen. Auch die Menschen im Dichterviertel waren nicht begeistert, als man vor 25 Jahren begonnen hat, die heutige Platensiedlung an die Stadt zu verkaufen, weil man gewisse Entwicklungen vorausgesehen hat.

Was denn vorausgesehen?
Platensiedlung und Dichterviertel, das sind komplett unterschiedliche Welten und so einfach kann man das nicht aufweichen. Damals wurde ein Kompromiss gesucht, um eine verträgliche soziale Mischung zu erreichen: Es wurden teilweise geförderte Wohnungen, teilweise nicht geförderte Wohnungen angeboten. Insgesamt hat die Platensiedlung größere Probleme als der Rest des Bezirks, vor 15 Jahren hat man die Probleme bereits erkannt und ein Quartiersmanagement installiert. Deswegen wurde auch später der Regionalrat gegründet, in dem die sozialen Akteure vor Ort mit der Polizei zusammenzuarbeiten. Die örtlichen Initiativen wie das Nachbarschaftszentrum und der Verein Ideal sind lange etabliert.

Der Ortsbeirat 9 ist für rund 50 000 Menschen in den Stadtteilen Dornbusch, Eschersheim und Ginnheim zuständig. Derzeit ist die CDU mit fünf Mandaten die stärkste Fraktion, SPD und Grüne folgen mit jeweils vier Mandaten. BFF, FDP und Linke haben je zwei Sitze.

Die nächste Sitzung ist voraussichtlich am Donnerstag, 23. Januar, um 19.30 Uhr im Haus Saalbau Dornbusch, Eschersheimer Landstraße 248. saha

Es tut sich auch viel in der Platensiedlung, oder? Inzwischen gibt es genauere Pläne für das Grüne Ypsilon, einen neuen Quartiersmanager, die Initiative Saloony, die für Vernetzung, kulturelles Angebot und den Abbau von Vorurteilen eintritt.
Wir wünschen uns von einem Quartiersmanager, dass er mit den Akteuren vor Ort und dem Ortsbeirat zusammenarbeitet, aus diesem Grunde wird er zur nächsten Ortsbeiratssitzung im Januar eingeladen. Dieses Jahr gab es sechs Zwangsräumungen von Drogendealern und ihren Familien in der Platensiedlung. Frauen in der Nachbarschaft, mit denen wir gesprochen haben, waren darüber erleichtert. Und der Ortsbeirat hat aufsuchende Sozialarbeit gefordert, das würde viel bringen – wurde aber vom Sozialamt abgelehnt. Die Kriminalität in der Platensiedlung wird ein Problem bleiben, wir können das nur sozial begleiten. Nächstes Jahr im Juni gibt es eine 25-Jahre-Jubiläumsveranstaltung in der Platensiedlung, mit der ABG und allen möglichen Initiatoren vor Ort.

Was bedeutet denn die Nachverdichtung für die Platensiedlung?
Die Nachverdichtung soll die Platensiedlung sozial durchmischen, da sollen auch andere soziale Gruppen rein, ein Drittel ist gefördert. Es ist schon ein Ruf vorhanden über die Platensiedlung, aber mit den Studenten könnte das was bringen. Die Öffnung und der Abbau der Schranke sind eine kleine, symbolische Sache. Die Leute in der Siedlung wollten die Schranke scheinbar nicht, nur manche Nachbarn auf der anderen Seite wollten sie als Abgrenzung. Wir wollen nach der Nachverdichtung auch mehr Einzelhandel in der Siedlung: Kioske, Gastronomie, niederschwellige Angebote, Aufenthaltsorte für Jugendliche und Familien.

Was ist für die D-Linie geplant, den Lückenschluss der U-Bahn?
Im Februar kommt der Verkehrsdezernent Klaus Oesterling in die Ortsbeiratssitzung. Meine Präferenz wäre die kurze Verbindung „Ginnheimer Kurve“, die Umsetzung wäre schneller und die Siedlung würde nicht geteilt. Man könnte die Ausbuchtung über den Miquelknoten und den IG-Farben-Campus legen, aber weit um den Grüneburgpark herum. Es wichtig, dass die U-Bahn kommt, die bisherige Strecke auf der Eschersheimer Landstraße ist völlig überlastet. Und ich wäre froh, wenn die Stadt so schnell ist, dass ich das noch erlebe.

Und der Ausbau der Main-Weser-Bahn? Vor allem aus Eschersheim gab es viel Kritik.
Wir werden den Ausbau kritisch begleiten, nicht nur nächstes Jahr. Die große Mehrheit im Ortsbeirat steht hinter dem Ausbau, es gibt aber eine große Unzufriedenheit mit dem Informationsfluss. Bei Bauarbeiten von diesem Ausmaß wird es immer Ärger geben, da haben wir keine Kontrolle. Aber wir wollen, dass die Deutsche Bahn uns über die nächsten Schritte informiert. Und immer noch gibt die Stadt keine Informationen zur Unterführung am Lachweg heraus, das fordern wir seit gut zwei Jahren.

Andererseits hoffen viele auf den alten Bahnhof Eschersheim als Treffpunkt.
Ich habe gehört, das Gebäude sei in einem desolaten Zustand und zu klein, außerdem wird ein Teil der Gleise haargenau davor verlaufen. Man müsste sich eher vorstellen, den gesamten Platz bis zur Turnhalle neu zu gestalten, mit einem neuen Gebäude als Treffpunkt. Auch der Platz am Weißen Stein in Eschersheim müsste umgestaltet werden, aber erstmal braucht es Einzelhandel und Laufkundschaft.

Generell ist der Mangel an Aufenthaltsmöglichkeiten und Treffpunkten im Ortsbezirk ein großes Thema. Wie finden Sie die geplante Umgestaltung des Restaurants Drosselbart?
Ja, im Ortsbezirk ist vieles zusammengestückelt. Beim Drosselbart, den wir alle erhalten wollten, wurde herausgeholt, was möglich war – auch wenn viele unzufrieden waren. Angeblich kommt ja auch eine Kita in das Gebäude und das Restaurant wird größer. Wir müssen aufpassen, dass das wirklich umgesetzt wird, aber dann hätte Eschersheim endlich einen Kollegraum für Veranstaltungen. Es gibt im Bezirk ein großes Bedürfnis nach mehr Aufenthaltsqualität, nach mehr Cafés und Plätzen. Deswegen wollen wir auch, dass der Außenbereich vor „Brot und Freunde“ am Dornbusch erhalten bleibt und dass zusätzlich der Mittelstreifen auf der Bertramstraße vor dem Café mit Sitzbänken neu gestaltet wird.

Was erhoffen Sie sich denn für 2020 für den Ortsbezirk?
Dass es zumindest einen Beschluss für die D-Linie gibt. Dass die Nachverdichtung der Platensiedlung bis dahin fertig ist und dann ein gastronomisches Angebot, ein Zentrum für nachbarschaftliche Aktivitäten dorthin kommt. Und dass zumindest eine der Schulen endlich einmal positiv bedient wird. Am liebsten hätte ich auch, dass einige Plätze neu gestaltet werden, dass mehr Bäume an die Hauptverkehrsstraßen kommen und es insgesamt mehr Aufenthaltsqualität gibt.

Interview: Sabrina Butz

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