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Das Bündnis Saloony will für die Platensiedlung werben.

Ginnheim

Die Vielfalt feiern

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Die Nachbarschaftsinitiative Saloony möchte den kulturellen Austausch in der Platensiedlung fördern.

Vandalismus, Straßenkriminalität, Polizeieinsätze: Die Ginnheimer Platensiedlung hat einiges an Negativschlagzeilen zu bieten. Greta Gancheva bedauert das. Gemeinsam mit rund 20 weiteren Anwohnern hat die Ginnheimerin den Verein „Saloony“ gegründet. Die Nachbarschaftsinitiative möchte einen Raum für kulturellen Austausch und Begegnung schaffen und damit das Quartier auch nach außen öffnen.

„Natürlich gibt es im Viertel vereinzelt Probleme“, sagt Vereinsvorsitzende Gancheva. Bestimmen würden die den Alltag jedoch nicht. Gemeinsam mit ihren Nachbarn möchte sie dazu beitragen, „das vielfältige und tolle Gesicht der Platensiedlung“ für alle sichtbar zu machen.

Auch für Mitinitiatorin Sarah Wohl bildet die Außenwahrnehmung nicht das eigentliche Bild des Viertels ab. Von Anwälten über Auszubildende, Studenten und kinderreiche Familien, „hier wohnen Menschen aus allen Gesellschaftsschichten zusammen“, sagt Wohl. Und viele von ihnen engagierten sich für ihr Quartier. „Riesengroß“ sei auch deshalb für Gancheva das Potenzial für den gemeinsam Austausch.

Dass die Bewohner der ehemaligen US-Siedlung Interesse am Dialog haben, hat sich Mitte Mai gezeigt, als Saloony zum ersten Nachbarschaftsfest auf die Wiese der Platenstraße 60 eingeladen hat. 200 bis 300 Menschen seien zu der Feier gekommen. Auch örtliche Vereine sind der Einladung des Bündnisses gefolgt.

Das Programm haben ein Kinderchor und der Taekwondoverein Budokwan mitgestaltet. Die Einbeziehung lokaler Klubs fördere dabei nicht nur die Vernetzung, so Gancheva. Solche Aktionen würden zudem das Selbstbewusstsein der Siedlungsbewohner stärken: „Die Kinder aus der Nachbarschaft waren an diesem Tag unsere Stars.“

Informationen zu bevorstehenden Veranstaltungen gibt es im Internet unter www.saloony.de oder mail@saloony.de.

Ideen für weitere Kooperationen hat die Initiative viele. Mit der Ginnheimer Klimawerkstatt und KONE, einem Verein zur Förderung des interkulturellen Austauschs zwischen afrikanischen und deutschen Frauen, hat das Kollektiv eine Lesung zum Thema Migration und Vielfalt der Kulturen veranstaltet. Die Vorführung eines feministischen Films für Mädchen soll in Zusammenarbeit mit dem Kinderzirkus Zarakali und der Kinothek Asta Nielsen organisiert werden. Durch das aktive Netzwerken wolle das Nachbarschaftsbündnis Menschen und Initiativen zusammenbringen, die sich sonst nicht begegnen würden, sagt Gancheva. Ziel sei es, ein niedrigschwelliges Kulturangebot zu etablieren und dabei gemeinsame Schnittmengen zwischen den verschiedenen Akteuren im Stadtteil zu finden.

„Sehr wichtig“ sei die neue Nachbarschaftsinitiative für die Platensiedlung, findet Johannes Böff Fagundes. Für den neuen Ginnheimer Quartiersmanager sei die Selbstorganisation der Bürger die einzige Möglichkeit, wie sich etwas in der Siedlung verändern könne. Das Quartiersmanagement unterstütze den Verein deshalb ideell und finanziell. Fördermittel kommen außerdem vom Programm Partnerschaften für Demokratie Frankfurt.

Noch steht Saloony organisatorisch am Anfang, eigene Büroräume gibt es keine. Dreh- und Angelpunkt des Vereinslebens ist das alte Trafohäuschen samt umliegender Wiese in der Platenstraße 60. Dort informiert das Bündnis mit Flyern und Infomaterial über anstehende Veranstaltungen. Es gibt auch mal Kaffee. Gründerin Gancheva stört sich nicht am informellen Rahmen. „Gerade auf der Mikroebene können wir die Menschen erreichen und etwas bewegen.“

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