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Showdown: Ein Sport für Blinde und Sehende

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Von: Fabian Böker

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Auch bei Showdown gilt die alte Fußball-Weisheit: Das Runde muss ins Eckige.
Auch bei Showdown gilt die alte Fußball-Weisheit: Das Runde muss ins Eckige. © Rolf Oeser

Die Showdown-Abteilung des SV Blau-Gelb Frankfurt kann dank eines Zuschusses der Stadt wachsen. Der Sport ist eine Mischung aus Tischtennis und Airhockey.

Eine Mischung aus Tischtennis und Airhockey, gespielt vor allem von Blinden und Sehbehinderten – das ist Showdown. Der SV Blau-Gelb Frankfurt aus Ginnheim hat diese Sportart seit 2010 im Programm und erhält jetzt einen Zuschuss von der Stadt.

5400 Euro bekommt der Verein aus Sportfördermitteln. Das Geld soll genutzt werden, um einen zweiten Trainer für die Abteilung einzustellen, erklärt Abteilungsleiterin Eli Osewald, die selbst blind ist und Showdown spielt - und die Sportart vor zwölf Jahren zum Verein gebracht hat.

Osewald war 2009 auf einem Festival in Hannover zu Ehren von Luis Braille, dem Erfinder der bekannten Blindenschrift. Auf diesem wurde die Sportart vorgestellt - „und ich war sofort begeistert“, erinnert sich die 52-Jährige.

Gespielt wird Showdown – oder Tischball, wie es in Deutschland auch genannt wird – auf einem Tisch, der 1,20 mal 3,60 Meter groß ist. Zwei Spieler:innen treten gegeneinander an. Ziel ist es, den Ball in das gegenüberliegende Tor in Form einer schmalen Öffnung am jeweiligen Ende des Tisches zu bugsieren. Und zwar mit Hilfe eines Schlägers, der länglich und eckig ist – und Bernhard Kaiser, Vorsitzender des Vereins, an etwas erinnert: „Ich will damit jedes Mal sofort eine Pizza in den Ofen schieben.“

Der Ball ist aus Hartplastik und mit drei Metallkügelchen gefüllt. Dadurch erzeugt er Geräusche, an denen sich die Spieler und Spielerinnen orientieren, ähnlich dem Blindenfußball.

Spieler und Spielerinnen können auch Personen sein, die sehen. Sie müssen sich dann nur eine Dunkelbrille aufsetzen. „Blinde und Sehbehinderte sind aber schon eindeutig im Vorteil“, sagt Eli Osewald.

Der Verein

Der Verein wurde 1926 als Post-Sportverein (PSV) Blau-Gelb Frankfurt gegründet. Seit 2009 heißt er SV Blau Gelb. Aktuell hat er 1100 Mitglieder.

Angeboten werden Fußball, Judo, Volleyball, Cricket, Showdown, Gesundheitssport und Seniorensport. Außerdem organisiert der Verein den Ginnheimer Lauftreff.

Das Vereinsgelände befindet sich am Ginnheimer Wäldchen. Kontakt ist möglich per Telefon unter 532005 oder per E-Mail an info@blaugelb-frankfurt.de.

Alle weiterin Infos gibt es unter www.blaugelb-frankfurt.de, die Sportart Showdwon stellt sich unter www.showdown-germany.de vor. bö

Als sie 2009 die Sportart kennengelernt hatte, tourte kurz danach ein Vertreter durch Deutschland und stellte Showdown vor. Osewald nahm ihren Nachbarn mit, der bei Blau-Gelb aktiv war – und war kurze Zeit später Leiterin der neu geschaffenen Abteilung.

Derzeit spielen dort acht Mitglieder, bis auf eins sind alle blind oder sehbehindert. Zwei Mal die Woche trainieren sie in der Berta-Jourdan-Schule im Nordend. Manche Mitglieder nehmen an Liga-Wettkämpfen teil, aktuell stellt der Verein einen Vizemeister. Auch Deutscher Meisterschaften konnten schon gefeiert werden.

Nun soll dank des Zuschusses der Stadt die Abteilung professionalisiert werden. „Dass der SV Blau-Gelb sein erfolgreiches Showdown-Projekt vergrößern möchte, freut mich sehr“, sagt Sportdezernent Mike Josef (SPD). „Hier geht es um eine Sportart, die besonders geeignet ist für blinde und sehbehinderte Menschen. Mitmachen können aber alle – das Projekt ist ein Musterbeispiel für die Möglichkeit der Inklusion im Sport.“

Diese Möglichkeiten soll es nach Wünschen des Vereins bald auch wieder auf dem eigenen Gelände am Ginnheimer Wäldchen geben. Denn die dortige Halle, in der die Abteilung ganz am Anfang ihrer Existenz schon untergekommen war, soll nach Angaben von Vorsitzenden Bernhard Kaiser saniert werden.

Aktuell kann nur eingeschränkt in der Halle trainiert werden, weil das Gebäude in einem schlechten Zustand ist. Eine Sanierung, so Kaiser, könnte helfen, „um die Halle auch vor allem für die Abteilung Showdown und unsere Seniorensportler wieder nutzbar zu machen“. Darüber hinaus könnte sie dann auch wieder von Schulen zum Sport aufgesucht werden.

Der Verein wartet derzeit auf das Ergebnis eines statischen Gutachtens, danach soll ein Sanierungskonzept folgen. „Ob und wie das Ganze realisiert werden kann, hängt natürlich dann von der Förderung und dem Sponsoring ab“, sagt der Vorsitzende.

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