Schleichverkehr in der Schönbornstraße. Foto: Leonhard Hamerski
+
Schleichverkehr in der Schönbornstraße. 

Frankfurt-Ginnheim

Ginnheim: Schleichverkehr nervt Anwohner

  • vonJudith Dietermann
    schließen

Autofahrer meiden per Abstecher durchs Wohngebiet den Stau auf der Hügelstraße. Ortsbeirat berät Durchfahrtsverbot.

Carla M. mag Konzerte. Konzerte mit klassischer Musik. Aber sicher keine Hup-Konzerte. Obwohl sie die kostenlos bekommt. Es vergeht kein Tag, an dem solch ein Hup-Konzert nicht vor ihrem Balkon in der Schönbornstraße ertönt. Weil mal wieder zwei entgegenkommende Fahrzeuge wegen Platzmangels nicht aneinander vorbeifahren können.

„Es gibt kaum Ausweichmöglichkeiten“, sagt Carla M. und zeigt erst nach rechts, dann nach links. Auf beiden Seiten der Fahrbahn darf geparkt werden, Einfahrten als Ausweichmöglichkeiten gibt es nur wenige. Besonders schlimm, sagt die Anwohner, sei es ab 16 Uhr. Wenn der Feierabendverkehr beginne und es auf der Hügelstraße immer voller wird.

„Wer keine Lust auf den Stau hat, biegt rechts in die Schönbornstraße ab und kommt über die Pflug- und die Stefan-Zweig-Straße auf die Raimundstraße. Ohne Stau. Den haben wir dann vor der Haustür“, schimpft die Rentnerin und berichtet von aggressiven Autofahrern, die sogar aussteigen und sich gegenseitig anbrüllen. „Dieser Schleichverkehr muss ein Ende haben“, sagt Carla M. und schlägt deswegen vor, die Schönbornstraße in eine Einbahnstraße umzuwidmen.

Als Schleichverkehr will Ingmar Bolle vom Straßenverkehrsamt die Fahrzeuge, die die Abkürzung über die Schönbornstraße nutzen, nicht bezeichnen. Weil es auch andere Möglichkeiten gebe, ohne Stau auf die Raimundstraße zu gelangen. „Man kann ja auch von der Rosa-Luxemburg-Straße kommend rechts am Lidl abbiegen und durch die Stefan-Zweig-Straße fahren“, sagt er. Dass es in der Schönbornstraße, wie in vielen anderen Straßen, in den Stoßzeiten viel Verkehr gebe, wolle er freilich nicht ausschließen. Handlungsbedarf sehe man dort allerdings trotzdem aktuell nicht.

Freilich wäre es denkbar, dem fließenden Verkehr durch wegfallende Parkplätze mehr Ausweichmöglichkeiten zu schaffen. „Wenn Parkplätze wegfallen ist der Aufschrei aber im Ortsbeirat groß. Zudem ist die Schönbornstraße eine Tempo-30-Zone, das beidseitige Parken aus Gründen der Verkehrsberuhigung auch gewollt“, erklärt Bolle.

Sehe der Ortsbeirat trotzdem Handlungsbedarf, soll dort ein Antrag gestellt und verabschiedet werden. Dieser werde dann geprüft. „Das ist der übliche Gang“, sagt Bolle.

„Von der Rosa-Luxemburg-Straße über die Platenstraße in die Stefan-Zweig-Straße abzubiegen geht nicht, das ist den Anliegern vorbehalten und auch so ausgeschildert“, betont derweil Thomas Budenz, Fraktionsvorsitzender der BFF im Ortsbeirat 9 (Dornbusch, Eschersheim, Ginnheim). Wer trotzdem den Stau auf der Hügelstraße umfahren will, nutze deswegen eben den Weg durch die Schönbornstraße.

„Die Durchfahrt muss dort auch verboten werden, anders funktioniert das nicht. Die Idee mit der Einbahnstraße ist für mich nur die letzte Möglichkeit“, sagt Budenz, der auch bereits einen entsprechenden Antrag formuliert hat.

Demnach soll geprüft werden, ob an der Einmündung Hügelstraße in die Schönbornstraße ein Durchfahrt-verboten-Schild mit dem Zusatz „Frei bis Hausnummer 47“ aufgestellt werden kann. An der Nummer 47 könnte dann das nächste Schild installiert werden – dieses Mal mit dem Zusatz „ausgenommen Anwohner der Schönborn- und Pflugstraße“.

Die Frage, ob nicht ein Schild am Beginn der Schönbornstraße mit dem einfachen Zusatz „Anlieger frei“ reichen würde, verneint Thomas Budenz. „Die abkürzenden Fahrzeuge haben ja auch ein Anliegen, sie wollen den Stau umfahren. Nein, das muss detaillierter sein. Zudem soll der Vorschlag ja erst einmal geprüft werden, dann sehen wir weiter“, erklärt er.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare