Der Zirkus Zarakali bangt um sein Areal an der Platenstraße. Foto: Christoph Boeckheler
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Der Zirkus Zarakali bangt um sein Areal an der Platenstraße. 

Frankfurt-Ginnheim

Ginnheimer Ärger über U4-Varianten

  • vonSabrina Butz
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Trasse für den Lückenschluss soll nicht über Schulhof und ds gelände des Zirkus Zarakli führen, finden die Bewohner vor Ort. Lieber soll die Stadt die ganze Strecke unterirdisch führen und auch noch die Rosa-Luxemburg-Straße in den Untergrund verlegen.

Der Andrang ist groß: Gleich zehn Varianten zum Lückenschluss der U4 zwischen Ginnheim und Bockenheim stellt das Ingenieurbüro Schüßler-Plan am Donnerstagabend beim Ortsbeirat 9 vor. Dass die U-Bahn kommt, wollen alle – doch dass in manchen Plänen dafür ein Schulhof, das Grüne Ypsilon, die Sportanlage des TuS Makkabi oder das Zelt des Zirkus Zarakali durchkreuzt werden, stößt auf viel Kritik.

Die Varianten lassen sich in drei Gruppen aufteilen: vom Europaturm direkt zur Bockenheimer Warte, die Ginnheimer Kurve über das Geldmuseum der Bundesbank mit Station am Campus Westend oder ein Mix vom Europaturm über den Campus. Die Kosten pendeln zwischen 190 und 320 Millionen Euro, die Fahrzeiten zwischen vier und sechs Minuten.

Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) spricht viel von den anstehenden „Nutzen-Kosten-Untersuchungen“ der Varianten mit ihren „zahlreichen Konfliktpunkten“, in die Bedenken negativ mit einfließen. Für realistisch hält er den U-Bahn-Start im Jahr 2030. Wenn zwei Gleise oberirdisch durch die Platenstraße führten, könnte die U4 dann im 5-Minuten-Takt ins Nordwestzentrum fahren, lobt er.

Marc Hense (BFF) befürwortet eine komplett unterirdische U4, auch im Verlauf der auf Stelzen stehenden Rosa-Luxemburg-Straße. Würde die gleich mit unter den Boden verlegt, könnten Flächen frei werden – und das Projekt werde nachhaltig. Das bedeute zwar erheblich mehr Kosten, „aber warum nicht?“

Ein ähnliches Ziel verfolgt Sarah Jacobi aus Ginnheim. Die 38-Jährige sammelt Unterschriften für ihre Petition „Grüne Rosa-Luxemburg-Straße! Weg mit der Beton-Wüste in Ginnheim! U4 nur mit Stadtreparatur!“ auf openpetiton.de. Sie will, dass die „Bausünde“ Rosa-Luxemburg-Straße mit dem Lückenschluss zumindest ebenerdig wird, damit der öffentliche Raum „zugunsten von Wohnraum, Radfahrern, Fußgängern und ÖPNV umverteilt“ werden könne – die Zeit sei „reif für eine Stadtreparatur“.

Die U-Bahn aber wie in der aktuellen Planung unter der Brücke fahren zu lassen, würde die jetzige Lärmbelästigung „enorm verstärken“, sagt Jacobi. Und dass „auf einer maroden Brücke mit 80 bis 100 Kilometern die Stunde direkt durch den Lebensraum“ gefahren werde, sei „nicht länger tolerierbar“. Rosa-Luxemburg-Straße und U-Bahn ebenerdig zu legen, befürworteten auch Studien des Stadtplanungsamt, so die Initiatorin der Petition.

Nicht einsturzgefährdet

Der Dezernent stimmt ihr teilweise zu: „Kein Mensch würde diese Straße heute so bauen“, aber der Umbau wäre zu teuer. Die Brücke sei sanierungsbedürftig, aber nicht akut einsturzgefährdet, die Lärmbelästigung werde ein Fachgutachten prüfen. Oesterling fügt hinzu, dass viele Menschen eben doch noch Auto fahren würden – aber vielleicht gebe es in 20 Jahren Maßnahmen zum Rückbau der Rosa-Luxemburg-Straße. Bisher spielt zudem auch eine mögliche Beeinträchtigung des Grüneburgparks eine Rolle bei der U-Bahn-Planung.

Und die Sorge, dass die Trasse übers Areal des Zirkus Zarakali, den Schulhof der Astrid-Lindgren-Schule oder das Grüne Ypsilon führt. Auch Wendel-Jaromir Burkhardt (Grüne) freut sich über die U-Bahn, findet aber „aus Ginnheimer Perspektive fragwürdig“, dass wichtige Gelände überplant würden. Der Verkehrsdezernent sagt, es würde ihn „sehr überraschen“, wenn diese stark kritisierten Varianten am Ende umgesetzt würden.

Eine Bewohnerin der Platensiedlung sagt, sie begrüße die U-Bahn eigentlich sehr – auch da sie selbst, wie viele andere Menschen in der Platensiedlung, am Campus Westend studiere. Wenn das aber bedeute, „dass Kultur in Ginnheim weggenommen wird“, also Zirkus, Schulhof, Sportplatz oder Park weichen müssten, fahre sie lieber weiter mit dem Bus.

Eine Variante sieht vor, die geplante U4-Verlängerung in Frankfurt von Bockenheim nach Ginnheim mit der A-Strecke über die Miquelallee zu verknüpfen.

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