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Ziel des Quartiersmanagements in Ginnheim ist es unter anderem, die Nachverdichtung in der Platensiedlung zu begleiten.

Ginnheim

Stadt hält am Quartiersmanagement fest

  • vonSabrina Butz
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Trotz des Widerstands aus dem Ortsbeirat setzt die Stadt das Quartiersmanagement in Ginnheim fort. Der scheidende Quartiersmanager bezieht jetzt gegenüber der FR Stellung zu den Vorwürfen, er habe sich einer Zusammenarbeit mit lokalen Akteuren verweigert.

Trotz Widerstand aus dem Ortsbeirat 9 wird das Ginnheimer Quartiersmanagement fortgesetzt. Christina Bender vom zuständigen Frankfurter Programm „Aktive Nachbarschaft“ des Sozialdezernats plädierte in der Sitzung des Stadtteilparlaments am Donnerstagabend für einen Neuanfang – und mehr Zusammenarbeit mit dem Ortsbeirat.

Laut Bender steht der neue Quartiersmanager fest. Er soll die Arbeit in Trägerschaft des Internationalen Bundes (IB) zum 15. November aufnehmen. Sein Vorgänger Johannes Böff Fagundes hat nach eineinhalb Jahren gekündigt (die FR berichtete). Dessen Vorgängerin hatte bereits in ihrer Probezeit aufgehört. Laut Bender braucht es aber zusätzlich zur ehrenamtlichen Arbeit, wie sie der Verein „Ideal“ (Interessensgemeinschaft der ehemaligen amerikanischen Liegenschaften) leiste, ein hauptberufliches Quartiersmanagement im Stadtteil. Ziel sei es unter anderem, die Nachbarschaft zu aktivieren und die Nachverdichtung in der Platensiedlung zu begleiten.

Die Notwendigkeit einer solchen Einrichtung zweifeln manche Ortsbeirats-Fraktionen an. Die FDP fordert eine Evaluierung, bevor der Vertrag mit dem IB verlängert wird. Ingrid Häußler (FDP) erklärte, die Nachbarschaft könne die gewünschte Vernetzung gemeinsam mit dem Ortsbeirat und der städtischen Wohnungsbaugesellschaft ABG als Vermieterin selbst erreichen. Der FDP-Antrag wurde gegen die Stimmen von Grünen und Linken angenommen.

SPD-Fraktionschefin Sylvia Kunze möchte die Zielsetzung der Arbeit des künftigen Quartiersmanagers klären. Sie bevorzugt eine aufsuchende Jugendsozialarbeit für die Platensiedlung. Der SPD-Antrag, der ein Gespräch mit der Stabstelle „Aktive Nachbarschaft“ fordert, wurde einstimmig beschlossen.

Der Antrag der BFF, der das IB-Quartiersmanagement beenden will, wurde gegen Grüne und Linke, bei Enthaltung der SPD, angenommen. Auch Christiane Loizides (CDU) sprach sich gegen die „Parallelstrukturen“ durch das IB-Quartiersmanagement und die Arbeit von „Ideal“ aus.

Das sehen einige, die in der Platensiedlung leben oder arbeiten, anders. Nadja Menke vom Zirkus Zarakali bedauert die Kündigung des Quartiersmanagers Böff Fagundes als „großen Verlust für den Stadtteil“. Auch der Stadtteilarbeitskreis spricht sich gegen einen personellen Wechsel aus: Böff Fagundes habe mit zahlreichen Projekten in verschiedensten Kooperationen eine „nicht wegzudenkende wertvolle Arbeit“ geleistet, lobt dieser in einer Stellungnahme.

Mitunterzeichnet hat neben dem Nachbarschaftszentrum Ginnheim und der evangelischen Bethlehemgemeinde auch das Bündnis „saloony“ für Kultur und Vernetzung in der Platensiedlung. Initiatorin Greta Gancheva vermutet „Macht- und Interessenskonflikte“, die die Arbeit des IB-Quartiersmanagements erschwerten oder sogar verhinderten – auch durch den Ortsbeirat. Es sei nicht richtig, dass der alte Quartiersmanager als „Sündenbock“ herhalten müsse. Sarah Wohl, Bewohnerin der Platensiedlung, wies in der Sitzung darauf hin, es gebe keine eigene Infrastruktur im Viertel. Die Menschen bräuchten „hauptamtliche, transparente, demokratische und aktivierende Strukturen“. Ein weiterer Bewohner lobte den ehemaligen Quartiersmanager: Dieser sei „als erster am Bürger dran gewesen“ und habe „Probleme ernst genommen und gesehen“.

Das Bündnis „saloony“ in der Platensiedlung“ lobt die Arbeit des Quartiersmanagers - wie viele andere Initiativen im Stadtteil auch.

Wendel Burkhardt (Grüne) sprach sich für das IB-Quartiersmanagement aus. Es gebe im Stadtteil „offensichtlich sehr unterschiedliche Interessen“. Sonja Ebel-Eisa (Linke) sagte, sie könne „absolut nicht verstehen“, wie man eine solche direkte Verbindung zur Stadt ablehnen könne.

Christina Bender vom Sozialdezernat verdeutlichte, dass eine Pause des Quartiersmanagements nicht möglich sei, weil dann „Geld und Stelle weg“ seien. Daraufhin zog die CDU ihren Antrag gegen eine Vertragsverlängerung zurück – bis ein Evaluierungsergebnis vorliegt. Laut Bender gibt es den Posten aber nur, weil die Notwendigkeit bereits vorab evaluiert wurde.

Der scheidende Quartiersmanager Böff Fagundes wollte in der Ortsbeiratssitzung zu den Vorwürfen, er habe sich einer Zusammenarbeit verweigert, Stellung nehmen, war aber verhindert. Der FR sagte der 36-Jährige, er fordere eine öffentliche Entschuldigung, da die Anschuldigungen nicht stimmten, und er nicht wisse, wie die Behauptungen zustande kommen. Der Ortsbeirat habe ihn nie eingeladen und habe auch nicht am Stadtteilarbeitskreis teilgenommen, den Böff Fagundes ab März virtuell angeboten habe – während es für den Stadtteil keine anderen Kommunikationskanäle gegeben habe.

Böff Fagundes erklärt, er habe mit vielen lokalen Akteuren zusammengearbeitet und die Arbeit gerne gemacht. Gekündigt habe er wegen den schlechten Arbeitsbedingungen und weil sein Vertrag anders als versprochen nur befristet war. „Das Problem liegt nicht an einer Person, sondern an den Strukturen. Ich würde mir für Ginnheim wünschen, dass die Grabenkämpfe aufhören.“

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