RachidRawas4_50418_281020
+
SPD-Mitglied Rachid Rawas findet, man müsse mehr die lokalen Vereine in Ginnheim stärken.

Soziales Miteinander

Ortsbeirat gegen Quartiersmanagement

  • vonSabrina Butz
    schließen

Quartiersmanager sorgen für ein gutes soziales Miteinander im Stadtteil. Laut Ortsbeirat ist solch eine Einrichtung in Ginnheim, die dort von Stadt und IB getragen wird, nicht notwendig.

Der Ginnheimer Quartiersmanager Johannes Böff Fagundes hat seinen Posten gekündigt. Ab Mitte November soll die Arbeit in Trägerschaft des Internationalen Bundes (IB) fortsetzt werden – auch, wenn der Ortsbeirat 9 sich dagegen ausspricht. Ortsvorsteher Friedrich Hesse (CDU) bezeichnet das Verhältnis zum Quartiersmanagement als „zerrüttet“. Da schon Böff Fagundes‘ Vorgängerin nach wenigen Monaten aufgegeben hat, frage er sich, ob die Stelle nicht falsche Erwartungen bei den Bewerber:innen wecke.

Generell zweifelt der Ortsbeirat an, ob ein Quartiersmanagement überhaupt Sinn macht. Laut Hesse seien dadurch „Doppelstrukturen“ entstanden, die die Arbeit erschwerten. Durch den Verein „Interessengemeinschaft der ehemaligen amerikanischen Liegenschaften“, kurz „Ideal“ genannt, in dem auch Ortsbeiratsmitglieder aktiv sind, gebe es bereits ein langjähriges und gut funktionierendes Netzwerk verschiedener Institutionen in Ginnheim, die sich für ein soziales Miteinander im Stadtteil einsetzen – da brauche es keine externe Unterstützung, findet Hesse.

„Ideal“ hatte 2006 die Aufgaben eines Quartiersmanagements übernommen. 2018 führte der Magistrat das IB-Quartiersmanagement ein, obwohl der Ortsbeirat den Sinn einer solchen Einrichtung hinterfragte. Auch heute arbeitet der Verein parallel zum IB-Quartiersmanagement im Frankfurter Programm „Aktive Nachbarschaft“ des Sozialdezernats, verwaltet Gelder, schreibt Projektanträge und unterstützt Initiativen im Viertel.

„Statt die Aktiven vor Ort zu stärken, wurde ein Babysitter geschickt“, sagt Vereinsvorsitzender und stellvertretender SPD-Ortsvorsteher Rachid Rawas. Daher hält auch er ein zusätzliches Quartiersmanagement nicht für zielführend. Böff Fagundes habe sich zudem an vielen Stellen „verweigert“ und nicht mit bestehenden Strukturen zusammenarbeiten wollen. Der ehemalige Quartiersmanager war für die FR nicht erreichbar.

Aufgrund der Unzufriedenheit sollte es laut dem Ortsvorsteher im März Gespräche geben zwischen Ortsbeirat und Quartiersmanagement geben, mit Corona habe sich das Thema aber „verschleppt“. Für die Ortsbeiratssitzung am Donnerstag stehen vier Anträge auf der Tagesordnung, die die Fortsetzung des Quartiersmanagements in Frage stellen. Über die Kündigung des Quartiersmanagers sei der Ortsbeirat nicht informiert worden.

Laut Ortsvorsteher Friedrich Hesse erschwert das Quartiersmanagement in Ginnheim die Arbeit der lokalen Vereine.

Die SPD will ein Gespräch mit der Stabsstelle des Frankfurter Programms „Aktive Nachbarschaft“. Die FDP fordert eine gründliche Evaluierung bevor es zu einer Vertragsverlängerung kommt. Die CDU fordert den Magistrat auf, den Vertrag nicht zu verlängern. Die BFF will kein Quartiersmanagement mehr, sondern Vereine mit den ersparten Personalkosten fördern.

Laut Sozialdezernat ist ein hauptberuflicher Quartiersmanager im Stadtteil zusätzlich zu den bestehenden Strukturen aber wichtig. Der Ortsbeirat könne darüber gar nicht entscheiden, sagt Sprecherin Uta Rasche. Warum der Quartiersmanager gekündigt habe, sei Rasche nicht bekannt.

Auch Ute Pfister vom IB kann dazu nichts sagen. Der Vertrag zwischen Sozialdezernat und IB für das Quartiersmanagement Ginnheim läuft laut Stadt noch bis Ende des Jahres, soll aber automatisch um weitere zwei Jahre verlängert werden.

Der Ortsbeirat 9 tagt am Donnerstag, 29. Oktober, um 19.30 Uhr im Saalbau Ronneburg, Gelnhäuser Straße 2, Preungesheim. Plätze sind begrenzt, eine Mund-Nase-Bedeckung ist Pflicht.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare