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Klettern ist doch gar nicht so schwer.

Ginnheim

Ginnheim: Bäume mal von oben sehen

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Beim Kletterkurs im Kleingartenverein Kratzdistel in Ginnheim lernen Kinder und Jugendliche in den Ferien die Grundlagen. Außerdem Verantwortlichkeit, Kommunikation und einiges über die Natur um sie herum.

Der Baum, an dem am Morgen geklettert wurde, sei schon zu langweilig geworden – inzwischen wurde zu einem Größeren gewechselt. Und neben den Kletterseilen, die etwa neun Meter hoch im neuen Baum hängen, diskutieren die Kinder und Jugendlichen motiviert, wer als nächstes klettern darf. Wenn jemand oben ankommt und die Aussicht genießen kann, gibt es Applaus – und wenn auf halber Strecke die Kraft ausgeht, wird von unten angefeuert oder mit Tipps ausgeholfen.

Im Kleingartenverein Kratzdistel in Ginnheim lernen die zehn Kletterinteressierten in den Ferien drei Tage lang die Grundlagen des Kletterhandwerks, zum Ende gibt es ein Zertifikat. Freitagnachmittag wirkt das alles schon sehr professionell – stolz werden auch die verschiedenen neu erlernten Knotentechniken vorgeführt. Organisiert wird der Kurs von Johannes Boeff Fagundes, dem Quartiersmanager Ginnheim im Programm Aktive Nachbarschaft, gemeinsam mit der Klimawerkstatt Frankfurt.

Boeff Fagundes hat den Posten des Quartiersmanagers erst vor einem halben Jahr übernommen, vor allem mit dem Ziel Demokratisierungsprozesse, Lebens- und Wohnbedingungen in Ginnheim zu verbessern. Und der Baumkletterkurs liege ihm am Herzen: Aktivität im öffentlichen Raum, Kennenlernen solidarischer Prozesse, Sensibilisierung für Ökologie, Lernen in der Gruppe – „es ist super, die Kids kommen hier aus ganz unterschiedlichen Bildungsschichten zusammen. Und dass es so gut läuft, habe ich nicht erwartet“, so der Quartiersmanager. Er lobt auch den „lebensweltlichen Bezug“ des Kurses. Denn vor allem die Ginnheimer Platensiedlung sei eigentlich sehr grün, doch die Kinder müssten erst lernen, die Bäume dort auch als Bäume wahrzunehmen. Das Erfahren von Ökologie, zusätzlich zum praktischen Erlernen von Kommunikation und Verantwortlichkeit, sei zudem auch Präventionsarbeit, sagt Boeff Fagundes.

Alle sehr motiviert

Tatsächlich sind alle sehr motiviert und arbeiten eng zusammen. Die 14-jährige Tana erklärt die Sicherung und sagt, oben im Baum zu klettern mache am meisten Spaß. Ahmed, der ihr beim Sichern hilft, bezieht seine bisherige Erfahrung vor allem vom Klettern über Zäune. Am Vortag habe er ziemlich Angst vor dem Baum gehabt – „jetzt hab ich das aber getestet und keine Angst mehr“, so der 12-Jährige, bevor er sich am Seil in die Höhe begibt. Die beiden loben zudem das Mittagessen und dass die Teilnahme nichts koste. Und auch Neu-Kletterer Enis ist begeistert: „Ich dachte, das sei schwerer, aber eigentlich ist Klettern ganz leicht“.

Sozialpädagoge Jan betont, dass Klettern das Selbstvertrauen stärke. „Und es ist einfach wichtig, dass die Kids wieder in die Natur kommen.“ Sein Teamkollege Kim bietet öfter Kletterkurse an und stimmt zu. Es sei für Kinder und Jugendliche wichtig, generell einen „Blick für Bäume“ zu bekommen und Verantwortung zu lernen. „Wir haben hier eine gute Altersspanne zum Klettern, die freuen sich riesig über kleine Fortschritte. Und in dieser so heterogenen Gruppe funktioniert das wirklich toll“, so der Baumpfleger. Als er Enis erklärt, wie er im Notfall das Rettungsseil benutzen würde, lacht der 12-Jährige und sagt: „Sehr gut, für Rettung bekommst du von mir eine 1.“

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