Aufgebockt Die U-Bahn nach dem Unfall in Ginnheim.  
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Aufgebockt Die U-Bahn nach dem Unfall in Ginnheim. 

Verkehr

Frankfurt: U-Bahn rammt Prellbock

  • Florian Leclerc
    vonFlorian Leclerc
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Ein Unfall in Ginnheim legt Trams und U-Bahnen lahm. Es ist nicht der erste Unfall dieser Art.

Eine U-Bahn hat am Mittwoch um 1.36 Uhr einen Prellbock der Station Ginnheim gerammt. Dabei hob sie sich aus den Gleisen und kam an einem Oberleitungsmast zum Stehen, der sich beim Aufprall stark verbogen hat.

Drei Menschen waren nach Polizeiangaben in der U-Bahn der Linie U1. Ein Fahrgast und der 27-jährige Fahrer wurden leicht verletzt. Eine Person konnte noch vor Ort entlassen werden. „Dem Fahrer geht es mittlerweile wieder gut“, sagte Bernd Conrads, Sprecher der Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF).

Die Feuerwehr wurde um 1.40 Uhr alarmiert. Sie erdete die abgerissene Oberleitung und durchsuchte die Wagen erneut nach Verletzten. Die Polizei sperrte die Ginnheimer Landstraße rund um die Station Ginnheim ab. Die VGF leitete die Bergung ein, die sich über den gesamten Mittwoch hinzog.

Der beschädigte Oberleitungsmast sei abgesägt worden, die Oberleitungen würden überprüft, sagte VGF-Sprecher Conrads. Dafür waren Spezialwagen im Einsatz. Ein Kran hob die Bahn in die Gleise. Die Windschutzscheibe der U-Bahn war beim Unfall zersplittert, die Front wurde eingedellt.

Eingedellt: Die Front der Bahn und der Mast nahmen Schaden.

In der Nacht auf Donnerstag soll die U-Bahn in den Betriebshof Heddernheim gebracht werden, sagte der Sprecher. Zur Unfallursache konnte er keine Angaben machen. Auch die Schadenshöhe stand noch nicht fest. Eine U-Bahn kostet zwischen zwei und zweieinhalb Millionen Euro. Wegen des Unfalls fielen U-Bahnen und Straßenbahnen teilweise aus. Von Ginnheim bis Westbahnhof, wo ein Anschluss an die Straßenbahn der Linie 16 bestand, waren bis Mittwochmittag Ersatzbusse unterwegs. Im Laufe des Mittwochs nahm die Linie 16 den Betrieb wieder auf.

Die U-Bahn-Linien U1 und U9 blieben am Mittwoch unterbrochen. Sie endeten an der Station Römerstadt. Auf dem unterbrochenen Abschnitt fuhren Taxen. Der VGF-Sprecher ging davon aus, dass beide Linien ab dem frühem Donnerstagmorgen wieder fahren sollen, wenn die U-Bahn abtransportiert sei und die Oberleitungen überprüft worden seien.

Für weitere Einschränkungen sorgte am Mittwoch ein Oberleitungsschaden im Tunnel zwischen Willy-Brandt-Platz und Schweizer Platz. Die Linien U1, U2, U3 und U8 zwischen Willy-Brandt-Platz und Südbahnhof fielen aus. Der Grund für den Schaden stand noch nicht fest.

Der Prellbock-Unfall in Ginnheim ist nicht der erste dieser Art. Bereits im April 2014 fuhr eine U-Bahn in der Endstation Ginnheim gegen einen Prellbock. Neun Passagiere und der Fahrer wurden verletzt. Damals wurden „gesundheitliche Probleme“ des Fahrers als Ursache genannt. Im Februar 2017 fuhr ein ICE der Deutschen Bahn ohne Fahrgäste an der Station Griesheim auf einen Prellbock, entgleiste und landete auf dem Bahnsteig. Ein Gutachten stellte einen Fehler des Lokführers als Ursache fest. Vermeiden lassen sich solche Unfälle durch Fahrerassistenzsysteme, die automatisch bremsen. Diese gibt es bei der VGF bereits – allerdings nur in den Straßenbahnen.

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