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Johannes Böff Fagundes hat Ende Oktober gekündigt.

Ginnheim

„Ich habe mich selbst als Brückenbauer verstanden“

  • vonSabrina Butz
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Der ehemalige Quartiersmanager für Ginnheim, Johannes Böff Fagundes, spricht im Interview über seine Arbeit und die Kündigung.

Der ehemalige Quartiersmanager Johannes Böff Fagundes hat seine Stelle beim Internationalen Bund (IB) gekündigt. Als Grund gab er schlechte Arbeitsbedingungen an. Aus dem Ortsbeirat wurde ihm mangelnde Kooperation vorgeworfen. Andere lokale Akteure dagegen lobten seine Arbeit.

Herr Böff Fagundes, was ist dran an den Vorwürfen, Sie hätten als Quartiersmanager nicht mit lokalen Akteuren wie Ortsbeirat oder Regionalrat zusammengearbeitet?

Ich bin in vielen Gremien präsent gewesen, im Stadtteilarbeitskreis, am Runden Tisch Ginnheim und im Präventionsrat. Nicht bei allen Sitzungen, aber soweit es zeitlich geklappt hat. Man muss sich vorstellen, dass ich für fast 16 000 Menschen zuständig war. Das ist eine riesige Herausforderung. Und die Umsetzung meiner Projekte zeigt, dass es eine gute Zusammenarbeit gab. Sonst wäre das gar nicht möglich. Der Ortsbeirat hat mich nie auf eine Sitzung eingeladen. Ich denke, das hängt mit Missverständnissen zusammen, die schon vor meiner Einstellung bestanden.

Sie sagten, Sie hätten wegen der schlechten Arbeitsbedingungen gekündigt. Worin bestanden die?

Zum Beispiel waren die Räumlichkeiten nicht geklärt, es gab ein schlechtes Gehalt und der Vertrag war befristet. Ich habe mir selbst einen Raum gesucht, den Caféwaggon des Zirkus Zarakali. Dann bin ich im Nachbarschaftsbüro von „Ideal“ untergekommen. So habe ich viele tolle und engagierte Menschen aus der Franz-Werfel-Straße kennengelernt. Ich glaube, dass es durch meine regelmäßige Anwesenheit zu einer Revitalisierung dieser Räume gekommen ist. Neue Gruppen haben Zugang bekommen. Es gab einen wöchentlichen Kochabend und einen deutsch-arabischen Sprachanimationskurs. Das ist der Teil der Arbeit, den man nicht sieht: präsent sein.

In Anträgen des Ortsbeirats ist die Rede von „Doppelstrukturen“, die durch das IB-Quartiersmanagement und die Arbeit des Vereins „Ideal“ entstanden seien. Sehen Sie das auch so?

Durch meine Arbeit sind keine Doppelstrukturen entstanden. Ich bin auch nicht für diesen Konflikt, der seit mehreren Jahren gärt, verantwortlich. Wie auch, ich war ja nur eineinhalb Jahre im Stadtteil. Aber klar sehe ich diese Doppelstrukturen, die auch Unklarheit schaffen.

Zur Person

Johannes Böff Fagundes ist Politikwissenschaftler und Stadtgeograph aus Frankfurt. Der 36-jährige Familienvater hat seine Stelle als Quartiersmanager Ende Oktober gekündigt. Das IB-Quartiersmanagement Ginnheim soll ab dem 15. November wieder besetzt sein. Bisher sitzt es im Nachbarschaftsbüro in der Franz-Werfel-Straße 37 in der Platensiedlung. Die Telefonnummer ist 01 60 / 2 25 91 12, die E-Mail ginnheim@frankfurt-sozialestadt.de.

Zentrale Aufgabe des Quartiersmanagements ist die Aktivierung der Nachbarschaft. Das braucht viel Zeit und ist ohne Hauptamt nicht zu schaffen. Es geht darum, Teilhabe-Strukturen zu schaffen für Menschen, die noch nicht in Vereinen, Ortsgruppen, Beiräten oder Schülergremien sind. So soll der soziale Zusammenhalt und die Identifizierung mit dem Stadtteil gestärkt werden. Genau das habe ich gemacht.

Wie war die Resonanz im Stadtteil?

Es gibt viele engagierte Menschen in Ginnheim und davon lebt die Arbeit, dann macht sie Spaß. Ich hatte schnell einen großen Rücklauf, weil ich viel Zeit in direkte Gespräche investiert habe. Normalerweise dauert es zwei bis drei Jahre, bis man als Quartiersmanager in einem Stadtteil angekommen ist.

Und wie sah die Arbeit dann konkret aus?

Nach kürzester Zeit konnte ich die ersten Projekte organisieren. Ich habe zum Beispiel das Kinderfilmfestival nach Ginnheim geholt. Und es gab viele weitere Aktionen: Spielmobil, Flohmarkt, Baumkletterkurs für Jugendliche, Zirkus-Workshop, Open-Air-Kino, Infoveranstaltungen zum Thema Mietrecht. Wir haben das Nachbarschafts-Café „Gata Melata“ eröffnet. Wegen Corona habe ich wöchentlich einen virtuellen Stadtteilarbeitskreis angeboten. Und natürlich gab es meine wöchentliche Sprechstunde.

Was wollten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?

Ich glaube, dass Menschen in dem Stadtteil, in dem sie leben, die höchste Wirkkraft und Motivation haben, etwas umzusetzen. Ich habe dafür Türen geöffnet und mich selbst als „Brückenbauer“ verstanden. Die Sozialraumanalyse sollte Wünsche und Probleme der Menschen im Stadtteil einfangen. Auf Grundlage dieser Interviews mit möglichst vielen Zielgruppen kann dann bürgernahes Quartiersmanagement gemacht werden. Ich wünsche mir, dass mein Weggang die tollen Menschen, die ich in Ginnheim kennengelernt habe, nicht demotiviert und sie sich weiter kreativ einbringen.

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