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Die Helfer: Klaus-Dieter Bühner, Eva Sammet, Barbara Mielert, Lilo Aretz (von links) vor der Bethlehemgemeinde.

Frankfurt-Ginnheim

Preisgekrönte Nachbarschaftsinitiative hilft Senioren im Alltag

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Eine preisgekrönte Nachbarschaftsinitiative hilft Senioren im Alltag. Es gibt ein Angebot speziell für Männer.

Einkaufen gehen, Besuche beim Arzt, ein Spaziergang durch den Park: Es sind die vermeintlichen Selbstverständlichkeiten des alltäglichen Lebens, die viele Menschen im Alter vor große Herausforderungen stellen. Das gilt insbesondere für ältere Menschen, die ohne Unterstützung durch Angehörige auskommen müssen.

Viel häufiger als noch vor einigen Jahrzehnten fänden sich ältere Menschen in einer solchen Situation wieder, sagt Barbara Mielert von der evangelischen Bethlehemgemeinde in Ginnheim. Denn immer weniger Familien lebten zusammen am selben Ort. Und die zunehmende Anonymität in der Gesellschaft führe zu einem Zerfall nachbarschaftlichen Zusammenhalts.

Vor 25 Jahren gründeten Mitglieder der Bethlehemgemeinde und der katholischen Pfarrei Sancta Familia zusammen mit der Caritas Frankfurt deshalb die ökumenische Nachbarschaftsinitiative „Soziale Kontakte Ginnheim“. Primäres Ziel sei es von Anfang an gewesen, älteren Menschen das Alleinsein zu erleichtern, erzählt Eva Sammet von der katholischen Kirchengemeinde.

Gemeinsam mit Mielert und weiteren Gemeindemitgliedern hat sie die Initiative aufgebaut. „Wir möchten, dass sich die Menschen weniger einsam fühlen“, sagt Sammet. Der christliche Leitgedanke der Nächstenliebe und die Anbindung des Projekts an die Kirche seien ihr sehr wichtig. Die Ehrenamtler betreuen jedoch alle Menschen in Ginnheim, die Hilfe suchen. Ob jemand Gemeindemitglied sei, spiele keine Rolle.

Das Angebot gilt auch über den Stadtteil hinaus. Denn die Nachbarschaftshilfe ist eines der wenigen ehrenamtlichen Angebote dieser Art in Frankfurt, das seine Arbeit über mehrere Dekaden aufrechterhalten konnte.

Manchmal entstehen Freundschaften

Einige ähnliche Projekte in anderen Stadtteilen habe sie schon kommen und gehen sehen, berichtet Lilo Aretz. Auch sie ist als Ehrenamtliche seit dem ersten Tag dabei. Ihre Aufgaben in all den Jahren seien ganz unterschiedlich gewesen. Manchmal habe sie Menschen zum Arzt begleitet. Zu einer Dame sei sie jahrelang einmal wöchentlich nach Hause gekommen. Um ein Gespräch zu führen oder aus der Zeitung vorzulesen.

Menschen, sagt Aretz, die aufgrund ihres Alters oder Krankheit nicht mehr mobil seien, helfe man sehr mit Hausbesuchen. Aus manchen sozialen Kontakten seien richtige Freundschaften entstanden.

„Wir versuchen, unsere Arbeit an die Bedarfe der Hilfesuchenden anzupassen“, sagt Sammet. Und diese Bedarfe können ganz unterschiedlich aussehen. So hat die Initiative vor zehn Jahren das Projekt „Männer für Männer“ ins Leben gerufen, das 2011 mit dem Frankfurter Nachbarschaftspreis ausgezeichnet wurde. Für manche Männer sei es einfacher, Hilfe von anderen Männern anstatt von Frauen anzunehmen, erklärt Sammet.

Klaus-Dieter Bühner ist einer der männlichen Helfer, der seitdem auf diese spezielle Nachfrage reagiert. Für Gespräche unter Männern, aber auch für Fahrdienste und Spaziergänge stehe er zur Verfügung, sagt er. „Mir macht es Spaß, Menschen zu helfen“, beschreibt Bühner seine Motivation, Teil der sozialen Kontakte Ginnheim zu sein. Und über regelmäßige Gespräche mit netten Menschen freue er sich gleichermaßen. Für sein Engagement erhielt das Ginnheimer Bündnis jüngst den mit 1000 Euro dotierten Senfkornpreis der Arbeitsgemeinschaft Caritas der Gemeinde (ArGe) und des Caritasverbandes Frankfurt. Den Preis für beispielhaftes soziales Engagement verleiht die Caritas Frankfurt jedes Jahr seit 1986.

„Der Rückblick auf die letzten 25 Jahre macht uns sehr stolz“, sagt Eva Sammet. Man hoffe, dass sich auch zukünftig zahlreiche Bewohner in Ginnheim der Initiative anschließen. Es werde schließlich immer Menschen in der Nachbarschaft geben, die im Alter Hilfe bräuchten.

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