Ivan Santos unterhält die Bewohner der Platensiedlung.  
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Ivan Santos unterhält die Bewohner der Platensiedlung. 

Ginnheim

Ginnheim: Kultur in der Platensiedlung

  • vonSabrina Butz
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Das Netzwerk „Saloony“ feiert Saisonauftakt und stellt Programmideen vor. Es herrscht gute Stimmung trotz Abstandsregeln und reichlich Desinfektionsmitteln.

Mit zwei Live-Konzerten und einer Foto-Ausstellung in der Nachbarschaft ging es wieder los: Das Netzwerk „Saloony“, das sich im letzten Jahr als Bündnis für Kultur und Vernetzung in der Ginnheimer Platensiedlung gründete, lud am Samstag zum Saisonauftakt ein. Nach der coronabedingten Ruhepause startet das Programm im Freien, mit Musik, Abstand, kleinen Leckereien und Desinfektionsmittel – alles rund um die kleine Grünfläche am Trafohäuschen in der Platenstraße, der Wiege von „Saloony“ als „Kulturtrafo“.

Zur fröhlichen Musik eines Akkordeon-Spielers, den viele von seinem üblichen Standort in der U-Bahn-Unterführung Dornbusch kennen, tanzen einige oder kommen ins Gespräch. Verschiedene Sprachen, verschiedene Generationen, verschiedene Hintergründe – diese Vernetzung der Platensiedlung, wo es keine selbstverwalteten Räume oder Begegnungsorte gebe, sei genau das Ziel von „Saloony“, sagt Greta Gancheva, die Mit-Initiatorin des Netzwerks.

Später unterhält Ivan Santos mit Bossa Nova und seinem brasilianischem Folk-Pop. Außerdem können die Fotos betrachtet werden, die in verschiedenen Straßenfotografie-Workshops im vergangenen Jahr entstanden sind: Kleine Momentaufnahmen von den Spaziergängen durch die Nachbarschaft, Ausschnitte von Bauwerken, Pflanzen, Schatten und Spiegelungen.

Neuen Blick auf die Umwelt finden

Christian Straub von „talkingvisual“, der die Workshops anleitet, erklärt das Prinzip: Es gehe darum, einen neuen Blick auf die Umwelt zu finden, spontan darauf zu reagieren – ohne vorher zu wissen, was dabei herauskomme. „Ich freu mich immer, wenn die Leute dann irgendwann mehr sehen, weil sie eben mehr sehen“, so der Fotograf. Am 8. August wird es noch einen Workshop geben, weitere Termine sind in Planung.

Und auch sonst stehen eigentlich alle Ideen und Förderungen für die „Saloony“-Saison, sagt Gancheva. Eine Besucherin, die sich freut, „das endlich wieder was los ist im Stadtteil“, fragt gleich nach dem Programm. Coronabedingt ist es immer noch schwierig, langfristig fest zu planen, erklärt Gancheva. Erstmal handelten sie „tagesaktuell“.

Auf jeden Fall gebe es im August eine Open-Air-Kino-Reihe und verschiedene Workshops über Musikerinnen in Kooperation mit der Kinothek Asta Nielsen und dem Jugendclub Stefan Zweig. Das Programm, das vom hessischen „Kulturkoffer“ gefördert wird, trägt den Namen „Love Me* or Leave Me* – Musik und Kino berühren!“.

Außerdem sind Konzerte und Workshops mit dem Orchester „Bridges – Musik verbindet“ geplant, das sich für den Dialog von Menschen mit und ohne Migrations- oder Fluchtgeschichte durch Musik engagiert. Im September soll es zudem Gespräche und Lesungen zum Thema Rassismus geben, gerade auch über Gedanken und Erfahrungen nach dem Anschlag in Hanau.

Info, auch zu weiteren Terminen und vergangenen Aktionen, bei Facebook: facebook.com/saloony.platensiedlung

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