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Die Mitglieder von „Saloony“ haben viele Ideen, um das Leben der Bewohner der Siedlung zu verbessern.

Ginnheim

Ginnheim: Bürger engagieren sich in der Platensiedlung

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Die Initiative „Saloony“ organisiert Kulturangebote und fordert Hilfe bei der Stadt.

Große Grünflächen, alte Bäume, eine gute Lage, ganz unterschiedliche Menschen – die Platensiedlung habe eigentlich „wahnsinnig viel Potenzial für ein gutes Leben“, sagt Greta Gancheva. Aber sie habe den Eindruck, die Bewohnerinnen und Bewohner würden nur auf „Abwartestation“ gestellt, passiv gehalten, es würde über ihre Köpfe hinweg entschieden. Zu oft werde sich auf dem Ruf der kriminellen, armen Platensiedlung ausgeruht, anstatt die Menschen in Entscheidungsprozesse miteinzubeziehen oder ihnen überhaupt Informationen bereitzustellen.

Vor etwa einem Jahr hat Greta Gancheva die Initiative „Saloony“ ins Leben gerufen, die schnell zum Verein wurde und auf viel positive Resonanz stieß. Das Aktionsbündnis will Vernetzung, Sichtbarkeit und ein niedrigschwelliges, öffentliches kulturelles Angebot, „denn, damit etwas passiert, müssen die Menschen involviert sein“ – das ist Ganchevas Überzeugung. Der Name sei Blick in Vergangenheit und Zukunft: „Saloon“, weil die Platensiedlung in den 1950ern für amerikanische Soldaten entstand. Und „y“ für das „Grüne Ypsilon“, eine geplanter Grünzug in der Form des Buchstabens. Ideengeber war ein Trafohäuschen – „Saloony“ versteht sich als umwandelnder Transformationspunkt durch Alltagskultur für alle.

Daniel Maisch von Team zählt etwa 20 Veranstaltungen aus dem letzten Jahr auf, einige davon mit 300 Gästen. Es gab aber auch kleinere Aktionen wie Spielzeug-, Pflanzen- oder Kleidertausch, alles mit dem Ziel der interkulturellen, kreativen Vernetzung vor Ort. So wurde auch eine feministische Filmreihe in Kooperation mit der Kinothek Asta Nielsen veranstaltet, die Filme wurden kostenlos im Freien und bei lokalen Projektpartnern gezeigt. „Bei jeder Aktion geht es um Dialog, um Beziehungen zwischen Menschen und um die Beziehung zur Lebensumgebung“, sagt Gancheva.

Großes Lob finden auch die veranstalteten Fotografie-Workshops mit Christian Straub. Er erklärt, es gehe darum, „die eigene Nachbarschaft anders zu sehen, neue Blickwinkel darauf zu finden“. Denn der Konflikt zwischen Außen- und Innenwahrnehmung der Platensiedlung sei enorm. „Aber wir leben hier, wir sind die Alltagsexperten für die Platensiedlung“, sagt Gancheva, „wir sind hier Zuhause, unabhängig von unserer Herkunft und religiösen Zugehörigkeit.“ Ab dem 20. März werden die Fotos in der Platenstraße ausgestellt.

Auch eine weitere Lesung und Diskussionsrunde für und mit „Migrant Mamas“ ist am 8. Februar im Historischen Museum geplant, Thema sind Herausforderungen für Migrantinnen im Arbeits- und Familienleben. Und am 8. März gibt es einen Workshop zum Thema Frauen und Freiheit. Für all die ehrenamtliche Arbeit braucht es aber auch Ressourcen. 2019 wurden die Projekte durch die Frankfurter Programme Aktive Nachbarschaft und Partnerschaft für Demokratie finanziert, für 2020 sei die Finanzierung noch unklar.

Und es braucht Dialog und Anerkennung, auch lokal. „Die Stadtteilpolitik hält sich bisher leider bedeckt, obwohl eine aktive Bürgerschaft und Vereine in der Platensiedlung dringend nötig sind“, sagt Gancheva. Sie frage sich, ob der Ortsbeirat die Arbeit von „Saloony“ überhaupt wahrgenommen hätte. „Die Bewohnerinnen und die Bewohner der Platensiedlung sind zahlreich zu unseren Veranstaltungen gekommen, die Stadtteilpolitiker dagegen nicht.“

Problematischer sei, dass es trotz vieler Bauvorhaben keine selbstverwalteten Räume oder öffentlichen Aufenthaltsorte in der Siedlung gebe, darin sind sich alle Anwesenden einig. Die Entscheidungsstrukturen dieser Vorhaben seien völlig unklar. Die Planung des grünen Ypsilons, die ABG-Nachverdichtung, die Verlängerung der U4, ein Nachbarschaftstreff, die neue Turnhalle – wer könne das nutzen und wer entscheide? Wie werden die Menschen vor Ort informiert? Wie können sie sich beteiligen? „Zu viele Fragen sind noch offen“, sagt Gancheva. Maisch fasst zusammen: „Wir wollen nicht das Sprachrohr der Siedlung sein oder die Platensiedlung retten“, „Saloony“ gehe es um Spaß, Engagement und kulturelle Teilhabe.

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