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Das Grünflächenamt muss zunächst eine aktuelle Karte mit allen Gärten darin anlegen.

Ginnheim

Ginnheim: Angst vor Bebauung

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Frankfurt erstellt ein neues Kleingartenentwicklungskonzept. Nun fürchten Freizeitgärtner stadtweit um ihre Parzellen.

Großer Auflauf am Freitagnachmittag in der Kleingarten-Anlage Am Mühlgarten. Rund 60 Besucher drängen sich ins Vereinshaus. Die meisten der Pächter eint eine Befürchtung, nämlich, dass sie womöglich ihre Parzelle räumen müssen, um für Bauland Platz zu machen.

Zum Auftakt von fünf so genannten „Gartentischgesprächen“, die bis zum Sonntag dauern, hat das Grünflächenamt sowie das Planungs-Büro TGP eingeladen. Dabei soll am geplanten „Kleingartenentwicklungskonzept“ gearbeitet werden. Das Konzept hatten die Stadtverordneten vergangenes Jahr beim Planungsbüro in Auftrag gegeben.

Ulrike Peschelt-Elflein, Vorsitzende eines Kleingartenvereins in Westhausen, bringt die Sorgen auf den Punkt: „Die Leute haben Angst, dass sie ihr Umfeld verlieren, wenn sie an den Stadtrand umziehen müssen“, sagt die 65-Jährige und weiter: „Unsere gesamte Anlage wird von Generation zu Generation weiter gegeben“. Seit rund 100 Jahren werde in Westhausen gegärtnert. Und unter den Pächtern der 155 Parzellen hätten sich Verbindungen über Generationen entwickelt.

Der Leiter des Grünflächenmanagements beim Grünflächenamt, Heinz-Peter Westphal, hat zuvor eingeräumt, dass es „Bau-Aktivitäten im Bereich von Klein- und Freizeitgärten“ geben werde – auch wenn viele Parzellen durch das Bundeskleingartengesetz geschützt seien – dass aber dann den Nutzern Ausgleichsflächen angeboten werden würden.

Übers neue Kleingartenkonzept informier die Stadt in so genannten Gartentischgesprächen.

Samstag , 12. Oktober, 10 Uhr im KGV Heddernheim, Herborner Straße 99; 16 Uhr im KGV Südwest, Mönchhofstraße 19.

Sonntag , 13. Oktober, 10 Uhr im KGV Louisa, Schwarzsteinkautweg, Anfahrt über Welscher Weg. sky

Frankfurt sei ein „Haifischbecken“, was den Wohnungsmarkt betreffe, sagt ein Mann dazu. Und dass seine Parzelle in einer Kleingarten-Anlage unweit der Bundesbank „mit Sicherheit großes Interesse“ hervorrufen werde. „Wenn wir bebaut werden, ist ein Ersatz-Grundstück in Bonames nutzlos.“

Das Entwicklungskonzept für die geschätzten 15 000 Frankfurter Kleingärten sei jedoch nicht auf den Weg gebracht worden, um Bauland zu akquirieren, betonen die Verantwortlichen. „Wir sind keine Stadtplaner und entwickeln hier den Wohnungsbau der Stadt weiter“, sagt Landschaftsarchitektin Ute Fischer-Gäde, die den Prozess bei der Konzepterstellung begleitet.

Vielmehr diene das Konzept, das vom Bund deutscher Gartenfreunde empfohlen worden sei, dazu, die Kleingarten-Anlagen „gesellschaftlichen Veränderungen anzupassen“, sagt Projektleiterin Maria Julius vom TGP-Planungsbüro. Es gehe darum zu schauen, wo es Leerstand gebe oder wo es Wartelisten für Grundstücke gebe und was die Wünsche und Verbesserungsvorschläge der Nutzer seien. Auch, ob es stadtweit tatsächlich 15 000 Parzellen gebe, solle geklärt werden. „Keiner weiß genau, wie viele es denn wirklich sind“, sagt Julius.

Daneben seien die Pächter aufgerufen zu berichten, was ihnen besonders wichtig sei. Deshalb habe es im Vormonat bereits Befragungen bei den etwa 110 Kleingartenvereinen gegeben. Zwei Drittel der Klubs hätten Vereinsheime, die nicht selten als Gaststätten genutzt und auch von der Nachbarschaft frequentiert würden.

Auch Spielplätze würden Besucher anlocken, berichtet Julius. Ein „Konfliktpunkt“ seien etwa „Verschattungen“ auf Grundstücken. „Das liegt aber an Bäumen, die außen wachsen“, ruft ein Mann, was Julius wiederum als mögliche Ursache bestätigt. Auf Tafeln werden Verbesserungswünsche und Kommentare über den Ist-Zustand gesammelt. Ein Kommentar lautete: „Die Ruhe und Erholung sollte so erhalten bleiben wie bisher.“

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