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Wenn´s auf der Straße leise sirrt, kann das ein E-Roller sein.

E-Scooter

Es gibt Regeln für E-Scooter in Frankfurt, aber die interessieren nicht

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Am Frankfurter Main lässt sich beobachten, was die E-Roller verändert haben.

Zu welchen Situationen die Einführung von E-Rollern binnen zwei Monaten in Frankfurt geführt hat, lässt sich exemplarisch am Samstagnachmittag am nördlichen Mainufer beobachten. Die Protagonisten sind ein älteres Ehepaar, ein koreanisches Pärchen, ein Frankfurter Pärchen, ein US-amerikanischer Junge und ein Juicer (so werden die Menschen genannt, die die Roller wieder aufladen). Zum Schluss folgt eine Bilanz.

Das ältere Ehepaar bleibt nachmittags um halb drei am Mainkai stehen, wo seit August keine Autos mehr fahren dürfen, und schaut sich an, was sich vor ihnen abspielt: Ein Koreaner mietet gerade einen E-Roller von Lime an, er fährt ein paar Meter, lässt dann seine Freundin fahren. Die ruckelt mit dem E-Roller ein paar Meter voran, bevor sie wieder absteigt. Der Freund will weiterfahren, und kurz darauf fahren die beiden zusammen auf einem E-Roller den Mainkai hinauf und hinab. Ist verboten. Aber wenn interessiert’s?

E-Scooter: Kosten steigen kräftig an

„Ich würde auch E-Roller fahren“, meint der ältere Mann vergnügt. „Ich nicht“, sagt seine Frau. „Wie leiht man die aus?“, fragt der Mann. Mit einer App. Man muss einen QR-Code einscannen. „Das machen ich mal, wenn meine Kinder da sind, die haben Smartphones“, meint der Mann.

Was sagt er zu den Kosten? Die sind nämlich seit Einführung der E-Roller in Frankfurt kräftig gestiegen. Mittlerweile verlangen Lime und Circ 20 Cent pro Minute, außerdem einen Euro vor dem Losfahren. Tier lässt sich die Fahrt mit 19 Cent pro Minute und einem Euro vor Fahrtbeginn bezahlen. Eine Viertelstunde Fahrt kosten also je nach Anbieter 4 oder 3,85 Euro. Die Fahrt mit der U-Bahn oder dem Leihrad ist billiger. Was sagt er zu also den Kosten? „Wenn ich auf dem Jahrmarkt mit dem Karussell fahre, achte ich auch nicht darauf, was ein Ticket kostet.“ Geld scheint beim Ausleihen nicht die zentrale Rolle zu spielen. Obwohl die E-Roller verhältnismäßig teuer sind, sieht man am Mainkai binnen einer Stunde Dutzende Leute, die damit unterwegs sind.

E-Scooter-Fahren aus Spaß

Frage an ein Frankfurter Pärchen, sie sind in Eile, der Mann antwortet, aber nur kurz: Warum fahren sie E-Roller? „Weil es Spaß macht. Wir haben auch Fahrräder, aber die haben wir nicht immer dabei. Und es ist billiger, als ein Taxi zu nehmen.“ Geld spielt also doch eine Rolle.

Ein Juicer, der ein T-Shirt von Lime trägt, packt sich zwei E-Roller, die verbotenerweise am Mainufer stehen, und trägt sie zum Mainkai. Seine Job sei, die Fahrzeuge, deren Batterie leer sei, zum Aufladen in eine Lagerhalle zu bringen. Außerdem gebe es weitere Juicer, also „Auflader“, die die E-Roller abends einsammelten, aufladen und morgens wieder verteilen würden. Damit könnten sich etwa Studierende etwas dazu verdienen, sagt er. Am Main parken noch weitere E-Roller, die sind jedoch von einer anderen Firma, und darum lässt er sie stehen.

Von der alten Brücke zum Eisernen Steg, alles auf dem E-Scooter

Das koreanische Pärchen fährt nun seit gut einer Viertelstunde den Mainkai auf und ab, dabei spielt ein verzaubertes Lächeln auf dem Gesicht des Fahrers. Es scheint großen Spaß zu machen, zu zweit mit 20 Kilometern pro Stunde von der Alten Brücke zum Eisernen Steg zu heizen, auf einer Straße, über die vormals 20.000 Autos am Tag gefahren sind und die nun offen ist für Fußgänger, Radfahrer und eben E-Roller.

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Aber: Nur vereinzelt laufen Menschen auf dieser für sie gesperrten Straße, mit Ausnahme des Stücks vorm Eisernen Steg, wo wie immer viele die Straße queren. Die Stadt hat angekündigt, Sitzmöbel aufzustellen, die Außengastronomie darf Tische und Bänke draußen platzieren, aber davon ist nichts zu sehen. Umso mehr Platz bietet die Straße den E-Roller-Fahrern, die sie zu einer Rennstrecke ohne größere Hindernisse umgewidmet haben.

14 Jahre alt ist der Junge, der zwischen Alter Brücke und Eisernem Steg auf dem E-Roller fährt, sicherlich nicht. Mal mit dem Fahrrad hinterher und fragen. Er hält an: „Hey, du fährst ja E-Roller, bist du schon 14?“ „Sorry???“ – Das Ganze noch mal auf Englisch. 14 Jahre, muss man wissen, ist das gesetzliche Mindestalter zum E-Roller-Fahren. Die Anbieter empfehlen das Ausleihen ab 18 Jahren. Aber wen interessiert’s?

2000 E-Scooter in Frankfurt platziert

Er sei zwölf, sagt der Junge, er komme aus den Vereinigten Staaten, sei zu Besuch in Frankfurt und sein Vater habe ihm den E-Roller ausgeliehen. Man muss volljährig sein, um eine Kreditkarte zu haben, von der die Anbieter den Betrag abbuchen. Danke für das Gespräch. Fahr’ vorsichtig.

Die Bilanz: Zwei Monate nach Einführung der E-Roller in Frankfurt haben die Anbieter Lime, Circ und Tier etwa 2000 E-Roller in Frankfurt platziert, die Zahl erhöhen sie laufend. Ein vierter Anbieter, Bird, hat sich für die kommenden Wochen angekündigt. Die Preise, die bei 15 Cent pro Minute anfingen, haben sich auf 19 bis 20 Cent pro Minute erhöht.

Polizei kündigt Kontrollen wegen E-Scooter an

Die Frankfurter Polizei hat in den gut zwei Monaten mehr als ein Dutzend Unfälle registriert, auch schwere. Beim Frankfurter Verkehrsdezernent und dem Straßenverkehrsamt sind zahlreiche Beschwerden eingegangen: über E-Roller-Fahren zu zweit oder zu dritt, Fahren auf dem Gehweg, falsch abgestellte Roller, kaputte Roller in Parks, Fahren auf Radwegen entgegen der Fahrtrichtung.

Es ist im Straßenverkehr unerlässlich, dass sich die Teilnehmer an Regeln halten, damit das Zusammenspiel funktioniert. Die Regeln, die für E-Roller gelten, werden derzeit häufig verletzt, was zu Verkehrsbehinderungen und Unfällen geführt hat. Die Polizei hat weitere Schwerpunktkontrollen angekündigt, was sinnvoll ist.

Die Stadt Frankfurt sollte, so wie andere Städte auch, „Quality Agreements“ (Qualitätsvereinbarungen) mit den Anbietern abschließen. Darin sollte definiert sein, wo die E-Roller fahren dürfen und wo nicht. Auch eine Beschilderung würde helfen.

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