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"Unterbau" setzt sich für die Rechte von Uni-Mitarbeitern ein.

Goethe-Universität

Zurückhaltung am 1. Mai

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Die neue Hochschulgewerkschaft "Unterbau" an der Frankfurter Goethe-Universität ruft für den 1. Mai nicht zur Kundgebung auf . Bei den Demos am Tag der Arbeit werde "Inhaltsleere zelebriert", so die Begründung.

Seit einem halben Jahr gibt es an der Goethe-Universität die neue Gewerkschaft „Unterbau“. Nun ist ihr erster Frühling, der erste Tag der Arbeit, der 1. Mai. Die neue Gewerkschaft könnte sich einreihen in den Reigen der anderen, könnte mitmarschieren, sich präsentieren. Macht sie nicht. Sie ruft nicht einmal auf zur Maidemonstration.

Als ein „Abfeiern der eigenen Identität“ bezeichnet Matthias Huffer den Maifeiertag der Gewerkschaften. Bei den Demos werde „Inhaltsleere zelebriert“, daran wolle sich seine Gewerkschaft nicht beteiligen, sagt der 23-Jährige Pressesprecher von „Unterbau“. Seine Mitstreiterin Conny Pretz verweist stattdessen auf eine Demonstration am 18. Mai an der Goethe-Uni: Die neue Gewerkschaft werde an diesem Tag vom Campus Niederrad zum Campus Westend ziehen und ganz konkret für eine Bezahlung der Medizinstudierenden im Praktischen Jahr protestieren.

Vor knapp drei Jahren hatte sich eine Gruppe an der Goethe-Uni zusammengefunden, eine Gruppe mit einer Idee. Sie wollten die bundesweit erste Gewerkschaft für eine Universität gründen. Zwei Jahre später dann tatsächlich der Gründungsakt, rund 150 Mitglieder hätten sie da gezählt. Das war im November.

Ein halbes Jahr später sind es nun laut Pretz etwa 200, unter ihnen wissenschaftliche Hilfskräfte, Studierende, Verwaltungsmitarbeiterinnen. Nicht gelungen sei es bisher, Beschäftigte an der Uni von externen Firmen (etwa Sicherheitsleute oder Putzmänner) als Mitglieder zu gewinnen, räumt Pretz ein. Ihnen drohe bei einer Mitgliedschaft die sofortige Kündigung, sagt sie.

Die 26-Jährige betont, die neue Gewerkschaft richte sich an alle Statusgruppen der Universität. Allerdings könnten nicht alle Hochschulangehörigen ordentliche Mitglieder bei ihnen werden. Personen, die Personal einstellen können, etwa die Professorenschaft, das Präsidium oder der AStA-Vorsitzende, können lediglich eine unterstützende Mitgliedschaft beantragen.

Ziel: Transformation der Uni

Nur, was haben die neuen Gewerkschafter von „Unterbau“ für ein Problem mit den alten Gewerkschaften? Wieso nicht einfach bei der GEW oder Verdi eintreten? Schließlich stehen die zentralen Forderungen von „Unterbau“ nach einem Tarifvertrag für Hilfskräfte, nach mehr unbefristeter Beschäftigung und nach weniger Outsourcing auch in ihrem Forderungskatalog. Für Pretz und Huffer ist der „Apparat“ das Problem. Bei Verdi und der GEW fehle es an Dynamik, sagt Huffer, die Organisationsform sei wenig ansprechend. Er selbst ist trotzdem Mitglied bei Verdi. Generell sehe er es auch so: „Je mehr Gewerkschaften, desto mehr Streik.“

Darüber hinaus betonen sie bei „Unterbau“ ihren ganzheitlichen Ansatz. Gewerkschaftsarbeit und Hochschulpolitik, beides soll bei ihnen zusammen gedacht werden. Huffer sagt, er betrachte die Goethe-Universität als ein Unternehmen, bei dem er eine Ausbildung bekomme. Er ist Student, er ist kein Beschäftigter an der Uni.

Tatsächlich sind die grundsätzlichen Ziele von „Unterbau“ höchst politische. Von einer „umfassenden Transformation der Hochschule“ hin zu „rätedemokratischen Strukturen“ ist im Programm die Rede. Dabei betrachten sie sich als eine „Gewerkschaft anderen Typs“. Die Anspielung auf Lenins „Partei neuen Typs“ ist gewollt, die begriffliche Mottenkiste sozialistischer Ideen ist bei „Unterbau“ nicht fest verschlossen. Ob neue Impulse von der Hochschulgewerkschaft ausgehen können, werden die kommenden Monate zeigen.

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