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Derzeit fühlen sich die Lehrer wenig vom Land bei der Umsetzung der Inklusion unterstützt.

Bildung

Lehrer fordern Konzept für Inklusion

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Die Lehrer-Gewerkschaft GEW kritisiert die Umsetzung der Inklusion als "großangelegten Feldversuch". Denn im Schulalltag hapert es an allen Ecken und Enden.

Zwölf Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf betreut Ute Harbauer. Sie ist Förderlehrerin an der Michael-Grzimek-Schule in Nieder-Eschbach, die zwölf Grundschüler sitzen in zwölf Klassen. Sie läuft von Klasse zu Klasse, um die Kinder zu fördern. Muss sich mit zwölf Klassenlehrern absprechen. „Aber zum Kooperieren ist in der Inklusion überhaupt keine Zeit vorgesehen“, sagt Harbauer. Überhaupt bleiben ihr im Durchschnitt zwei Stunden Förderung in der Woche pro Kind. „Ich soll damit alle so grundlegend versorgen, dass sie einen Bildungsweg gescheit schaffen“, sagt Harbauer. „Das geht nicht.“

Bei der Umsetzung der Inklusion hapere es gewaltig, kritisiert die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Frankfurt. „Es wird nicht genug getan, um angemessene Vorkehrungen für die Inklusion zu treffen“, sagt Vorsitzender Sebastian Guttmann. „Man hat das Gefühl, bei einem großangelegten Feldversuch mitzumachen.“

„das ist eine Vollkatastrophe“

Zum einen fehlt es den Lehrern an personeller Ausstattung. „Die Aufgaben sind gewachsen und können nur mit mehr Leuten erledigt werden“, sagt Guttmann. Das ginge eben nicht, ohne mehr Geld in die Hand zu nehmen. Zum anderen monieren Lehrer auch die Verteilung der Förderstunden. „Es gibt da kein einheitliches Vorgehen, kein Konzept, keinen Plan“, sagt Sabine Brauel von der Bürgermeister-Grimm-Schule. In einem Jahr gebe es Förderstunden pro Kind, im nächsten für die Schule eine Stelle, im übernächsten gar nichts mehr. „So lässt sich an einer Schule nicht planen, das ist eine Vollkatastrophe.“

Ein Problem bei der Umsetzung der Inklusion sehen Lehrer auch darin, dass Förderschulkräfte oft an mehreren Schulen eingesetzt werden, es häufig Wechsel gibt. „Das macht den Alltag schwierig“, sagt Jacqueline Barth von der Karl-Oppermann-Schule. Gerade bei Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf müsse viel Beziehungsarbeit geleistet werden, die personelle Kontinuität sei an den Schulen jedoch nicht gegeben. „Wenn es auf emotionaler Ebene aber nicht passt, kann man mit den Kindern nicht arbeiten.“

Damit Inklusion gelingen kann, fordern die Lehrer kleinere Klassen, Zeit für Koordinierung der multiprofessionellen Teams, Verlässlichkeit bei der Verteilung der Förderstunden. Auch wollen sie Formalitäten auf ein notwendiges Minimum reduziert sehen, damit weniger Zeit von der pädagogischen Arbeit abgeht. Derzeit fühlen sie sich wenig vom Land bei der Umsetzung der Inklusion unterstützt. „Ein Wille“, sagt Nicolas Voges vom Zentrum für Erziehungshilfe, „die Inklusion tragfähiger auszubauen, ist nicht erkennbar.“

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