Wirtschaft

Gewerbehöfe sollen Handwerk stützen

  • Christoph Manus
    vonChristoph Manus
    schließen

Die Stadt Frankfurt will mit dem Bau von Handwerker- und Gewerbehöfen Entwicklungsmöglichkeiten bieten. Nach einer ersten Umfrage besteht bei den Betrieben großes Interesse.

Die Stadt Frankfurt will den Bau mehrerer Handwerker- und Gewerbehöfe ermöglichen, um insbesondere kleineren Betrieben Perspektiven zu bieten. Das haben Wirtschaftsdezernent Markus Frank (CDU) und Planungsdezernent Mike Josef (SPD) am Dienstag bei der Vorstellung einer Bedarfsanalyse angekündigt. Ein erstes dieser in der Regel mehrgeschossigen einheitlich verwalteten Gebäude, in denen häufig 40 oder mehr Betriebe zu relativ günstigen Mieten unterkommen, könnte eine städtische Gesellschaft errichten, sagte Frank, also etwa der Immobilienkonzern ABG. Dieses Pilotprojekt könne dann privaten Investoren als Vorbild dienen.

Josef sagte, ein solcher Hof könne sich zum Beispiel exzellent in das Areal am Römerhof einfügen, das die ABG bebauen wird. Als mögliche weitere Standorte für Handwerkerhöfe nach Münchner Vorbild nannte Josef den Unterhafen des Osthafens, den Industriehof, den Osten Sachsenhausens, den Industriepark Griesheim und die geplanten neuen Viertel an der A5. Ein Modell für die Entstehung dieser Höfe sei, dass die Stadt neue Mischgebiete und urbane Gebiete ausweise und Grundstücke per Konzeptvergabe an Investoren vergebe, die diese dann errichteten.

Das Potenzial für solche Gewerbehöfe ist nach der präsentierten Untersuchung des Cima-Instituts für Regionalwirtschaft groß. 164 Betriebe hätten bei Onlinebefragungen Interesse gezeigt, einen Handwerker-/Gewerbehof zu nutzen, hieß es. Die Gutachter schätzen, ausgehend von dieser Zahl, dass in Frankfurt für etwa 329 Betriebe eine Ansiedlung in einem der Höfe infrage komme. Nach einer Modellrechnung könnten die Handwerkerhöfe zudem 326 Betriebe im Umland Frankfurts ansprechen.

Handwerk in Zahlen

Die Zahl der Handwerksbetriebe in Frankfurt ist in den Jahren 2012 bis 2018 um zwölf Prozent gesunken, obwohl die Stadt in diesem Zeitraum massiv Einwohner und Arbeitsplätze hinzugewonnen hat. Das geht aus einer Studie des Cima-Instituts für Regionalwirtschaft im Auftrag von Wirtschaftsförderung Frankfurt, Handwerkskammer und Industrie- und Handelskammer hervor. Deutschlandweit stieg die Zahl im selben Zeitraum dagegen um zwölf Prozent.

Der Umsatz der Handwerksbetriebe in Frankfurt entwickelte sich ebenfalls unterproportional. Von 2010 bis 2017 wuchs er in Frankfurt um elf Prozent, deutschlandweit um 20 Prozent, im Frankfurter Umland gar um fast 30 Prozent.

Noch mehr Betriebe könnten aufgeben oder ins Umland ziehen. Ein Fünftel der von Cima befragten Firmen gab an, in den vergangenen zwei Jahren an einen Wegzug gedacht zu haben. cm

Das Interesse insbesondere der Frankfurter Handwerksbetriebe an einem neuen Standort hat mit dem Mangel an Flächen und den entsprechend hohen Grundstückspreisen in Frankfurt zu tun. Zwei Drittel der vom Cima-Institut befragten Betriebe äußern sich sehr unzufrieden oder eher unzufrieden mit den Erweiterungsmöglichkeiten am Standort. Etwa ein Drittel ist der Umfrage nach mit der Größe der Betriebsfläche unzufrieden.

Das Flächenproblem hat sich durch Bebauung früherer Gewerbeareale mit Wohnraum oder Hotels stark verschärft. Wirtschaftsförderer Oliver Schwebel rechnete vor, dass in nur fünf Jahren etwa 60 Hektar Gewerbefläche verloren gegangen seien.

Die Stadt müsse das Handwerk angesichts dieser Entwicklungen stärken, sagte Frank. Handwerkerhöfe seien eine Möglichkeit, die knappen Flächen in der Stadt besser zu nutzen. Josef sagte gar, es gehe darum, das Überleben von Handwerksbetrieben in der Stadt zu sichern.

Der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Frankfurt/Rhein-Main, Christof Riess, zeigte sich dankbar für die positiven Signale der Stadt. Man brauche dringend neue attraktive Flächen für das Handwerk, um die Abwanderung ins Umland zu stoppen. Auch der Bau von Gewerbehöfen sei aber nur ein Mosaikstein. Der Präsident der Industrie- und Handelskammer Frankfurt, Ulrich Caspar, forderte die Stadt auf, neue Gewerbeflächen auszuweisen. Platz dafür gebe es angesichts der großen Ackerflächen im Stadtgebiet noch genug.

Auch Josef sagte, die Stadt brauche ein großes neues Gewerbegebiet. Schon bei der Erstellung des integrierten Stadtentwicklungskonzepts war die Ausweisung eines solchen Gebiets am Bad Homburger Kreuz im Gespräch gewesen. Dieses dürfte nun ein wesentlicher Bestandteil des Gewerbeflächenentwicklungskonzept sein, das der Planungsdezernent in Abstimmung mit Frank und der Koalition in den Magistrat eingebracht hat.

Kommentare