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Gewerbefläche wird Wohnraum

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Das Baurecht für das Avaya-Areal wird noch in diesem Herbst erwartet. An der Ecke Ackermann- und Kleyerstraße sind 1500 Wohnungen und drei Kitas geplant.

Die Arbeiten für das Wohngebiet auf dem Avaya-Gelände könnten bald beginnen. Der Magistrat hat einen Satzungsbeschluss vorgelegt. Mit Zustimmung der Stadtverordnetenversammlung ist der Bebauungsplan gültig. 1500 Wohnungen und drei Kitas mit Platz für 226 Kinder will ein Investor auf der einst gewerblich genutzten Fläche an der Ecke Ackermann- und Kleyerstraße errichten. 30 Prozent der Fläche wird als geförderter Wohnraum vermietet, darüber hinaus solle Platz für Menschen mit besonderem Bedarf, etwa Studenten oder Senioren, geschaffen werden.

Das Wohnprojekt, das für rund 3000 Menschen ausgelegt ist, ist schon lange in Planung. Bereits 2013 gab es eine Bürgeranhörung, 2015 wurden die Pläne offengelegt. Nun hat die Stadt Wünsche und Bedenken von Bürgern und Experten ins Konzept eingearbeitet. Der Investor, die Kleyer Betriebsgesellschaft, hat diesen laut Vorlage zugestimmt. Auf Anfrage der FR wollte sich die Firma nicht äußern, „aus Respekt vor den Entscheidungs- und Beurteilungsprozessen“ wolle man die Rechtsgültigkeit abwarten.

Nach aktuellem Stand umfasst der Bebauungsplan nur das Avaya-Gelände. Ursprünglich war auch das Areal Teves-Ost einbezogen. Doch derzeit ist noch unklar, ob Boden und Grundwasser verunreinigt sind. Eingehende Prüfungen können erst erfolgen, wenn die Gebäude abgerissen sind. Danach soll das Gelände möglichst auch als Wohngebiet ausgewiesen werden.

Insgesamt sind sieben Gebäude geplant, davon zwei längere und ein kürzerer Riegel sowie vier Häuserblocks mit Innenhöfen. Es wird eine zentrale öffentliche Grünanlage geben, um die Aufenthaltsqualität zu erhöhen. An der Ecke Ackermann-/Kleyerstraße müssen Bäume gefällt werden, dafür werden neue an der nördlichen Seite der Kleyerstraße gepflanzt.

Hotels sind nicht vorgesehen

Generell ist es laut Magistrat möglich, kleinere Nahversorgungsläden, Einzelhandel, ruhige Handwerksbetriebe und Speisewirtschaften auf dem Areal unterzubringen. Hotels und Gewerbe sind nicht vorgesehen. Inwiefern Raum für gemeinschaftliche Wohnprojekte zur Verfügung steht, kann die Stadt nicht beeinflussen, das müssten betreffende Gruppen mit dem Investor regeln.

Da das Gelände an die Bahntrasse grenzt und auch über die Kleyerstraße Verkehrslärm zu erwarten ist, sollen die Gebäude mit Schallschutz ausgestattet werden. Es ist deshalb eine Blockrandbebauung vorgesehen und die Funktionsräume der Wohnungen sollen gen lärmintensivere Seite ausgerichtet werden. Ebenfalls werden die Gebäude so konzipiert, dass der Lärm durch die Kühl- und Lüftungsaggregate auf dem Dach der benachbarten Netzbetreiber Equinix und Telehouse unproblematisch seien und die Firmen nicht nachrüsten müssen.

Inwiefern das neue Quartier an den öffentlichen Nahverkehr angeschlossen wird, wird bei nun folgenden Erschließungs- und Ausbauplanungen thematisiert. Dann soll auch darüber gesprochen werden, ob die Rebstöcker Straße zweigleisig ausgebaut werden könne.

Das Planungsdezernat betont, dass alle Regelungen auch dann gültig seien, würde der Investor das Areal zur Entwicklung weiterverkaufen. Eine Bauverpflichtung gebe es nicht, „das können wir nur fordern, wenn es zuvor städtisches Gelände war“, sagt Sprecher Mark Gellert. Er sprach von einem wichtigen Schritt. „Eine ehemals gewerblich genutzte, schon versiegelte Fläche in Wohnraum umzuwandeln, das stellt sich die Stadt vor.“ Mit dem Projekt setze man sich der Gentrifizierung entgegen, da bezahlbare Wohnungen geschaffen würden.

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