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Prävention und Hilfen

Gewalt wegen Corona weniger sichtbar

  • Jutta Rippegather
    vonJutta Rippegather
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  • Helen Schindler
    Helen Schindler
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In Hessen fehlen Betten in Frauenhäusern. Und die Pandemie verschärft die Situation.

Zum Aktionstag gegen Gewalt gegen Frauen und Mädchen fordern Ursula auf der Heide, frauenpolitische Sprecherin der Grünen im Frankfurter Römer, und Martina Feldmayer, Landtagsabgeordnete der Grünen, „die uneingeschränkte Umsetzung der Istanbul-Konvention“, also „Prävention und bedarfsgerechten Schutz für alle Frauen und Mädchen“. Geflüchtete und behinderte Frauen seien Gendergewalt in besonderem Maße ausgesetzt und müssten unterstützt werden. Gendergewalt finde überall statt, deren Bekämpfung sei deshalb keine Aufgabe, die nur an Beratungsstellen und Schutzeinrichtungen oder die Politik delegiert werden könne. Frauenhäuser seien zwar unverzichtbar, aber nicht die Lösung des Problems. Die Ursache von Gendergewalt liege in den strukturellen Ungleichheiten zwischen Männern und Frauen und daraus resultierenden Rollenerwartungen.

Wo Männer sich Vorrechte gegenüber Frauen herausnehmen, müssten sie aufgeklärt und davon zurückgehalten werden, erklären die Vorsitzende der Frankfurter Frauen Union, Sara Steinhardt, die Frankfurter Bundestagesabgeordnete Bettina M. Wiesmann und die Frankfurter Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld (alle CDU). Steinhardt fordert, in Frankfurt die Lücke zwischen Akutversorgung und therapeutischen Angeboten zu schließen und Beratungsangebote auszubauen. „Insbesondere für von Gewalt betroffene Migrantinnen und für Mädchen, die aus der Jugendhilfe herausfallen, aber im Frauenhaus nicht angemessen aufgehoben sind, müssen wir entsprechende Anlaufstellen oder Unterbringungsmöglichkeiten schaffen.“

In Frankfurt habe es in diesem Jahr trotz der Corona-Pandemie nicht signifikant mehr Fälle häuslicher Gewalt gegeben als im vergangenen Jahr, erläutert Frankfurts Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld. „Trotzdem ist jeder Fall einer zu viel.“ Frankfurt sei gut aufgestellt, so sei es gelungen, im Sommer 26 zusätzliche Plätze für Frauen in Notsituationen zu schaffen.

Ein hessisches Gesamtkonzept, um Frauen vor geschlechtsspezifischer und häuslicher Gewalt zu schützen, vermisst der Paritätische Hessen. Die chronische Unterfinanzierung müsse ein Ende haben. Schon vor Corona arbeiteten die Helferinnen an der Belastungsgrenze. „Seit Beginn der Pandemie wird diese permanent überschritten“, teilte der Paritätische Hessen mit. „Damit Gewaltschutz kein Flickenteppich bleibt, sondern für alle Frauen und Kinder garantiert werden kann, braucht es eine Stelle, an der die Fäden zusammenlaufen“, sagte Landesgeschäftsführerin Yasmin Alinaghi. Eine unabhängige Koordinierungsstelle müsse eingerichtet werden, die über die Umsetzung der Istanbul-Konvention wacht. In Hessen fehlten rund 300 Zimmer mit 800 Betten. Jeden Tag müssten Frauenhäuser in Hessen Schutzsuchende abweisen.

„Die Corona-Pandemie hat diese Situation noch verschärft“, sagte Daniela Sommer, Landesfrauenvertreterin des Sozialverbands VdK Hessen-Thüringen. „Umso wichtiger ist es, dass Betroffene so viel Unterstützung wie möglich erhalten.“ Besonders wichtig sei der Ausbau eines Onlineangebots. Die drei Millionen Euro aus dem Sondervermögen des Landes reichten nicht aus. Zumal die Förderung gedeckelt sei, auf maximal 15 000 Euro pro Einrichtung.

Zwar ist der für die Pandemie erwartete massive Zulauf auf Frauenhäuser und Beratungsstellen weitgehend ausgeblieben, sagte Carsten Tag, Vorstandsvorsitzender der Diakonie Hessen: „Allerdings ist davon auszugehen, dass die Probleme hinter verschlossener Tür keinesfalls weniger geworden, sondern nur weniger sichtbar sind.“ Aktuell seien nur noch wenige Plätze in fünf von insgesamt 32 Frauenhäusern in Hessen frei. „Nun ist es an der Landesregierung, deutlich mehr Frauenhausplätze und die nötigen Fachkräfte zu fördern.“

Hessens Sozialminister Kai Klose (Grüne) wies darauf hin, dass sämtliche Hilfsangebote auch in Zeiten strengerer Kontaktbeschränkungen unvermindert zur Verfügung stünden. Hessen verfüge auch über „verlässliche Strukturen“, die die gerichtsfeste ärztliche Dokumentation von Gewaltfolgen sicherstellten. Das Sozialministerium finanziere Modellprojekte für einen besseren Schutz vor Gewalt und für die gesundheitliche Versorgung von Gewaltopfern.

Der gleichstellungspolitischen Sprecherin der Linksfraktion, Christiane Böhm, reicht das nicht aus. Regelmäßig fehlten Plätze in den hessischen Frauenhäusern. „Von der schwarz-grünen Koalition hört man dazu viele wohlfeile Worte, aber sieht keine Taten.“ Auch im aktuellen Haushaltsentwurf für 2021 seien keine wesentlichen Investitionsmittel für den Ausbau von Frauenhäusern zu finden.

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