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Ein großer Spielplatz: Fabian Winopal (links) und Tim Fleischer hatten die Idee für die Gemeinschafts-Werkstatt.

Seckbach

Geteilte Maschinen

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Junge Unternehmer schaffen mit dem "Tatcraft" eine offene Hightech-Werkstatt.

Das Konzept ist genauso simpel wie innovativ. „Wir wollen einen Platz schaffen, an dem man alles bauen kann, worauf man Bock hat“, sagt Fabian Winopal über seine Hightech-Werkstatt im Seckbacher Industriegebiet. In einer mehr als 1500 Quadratmeter großen Fabrikhalle an der Gwinnerstraße bietet der 26-Jährige Heimwerkern und Künstlern, Designern und Unternehmern allerlei Maschinen und Werkzeuge. „Tatcraft“ heißt das Start-up-Unternehmen.

Es ist der größte Makerspace im Rhein-Main-Gebiet. Eine offene Werkstatt, in der sich die Mitglieder die Infrastruktur und auch die Produktionskapazitäten teilen. So können sie gemeinsam auf Geräte zurückgreifen. Teure Anschaffungskosten für Maschinen oder lange Mietverträge für Räume entfallen.

Das Konzept geht zurück auf den Informatiker Neil Gershenfeld, der 2002 am Bostoner Massachusetts Institute of Technology die erste dieser Hightech-Werkstätten gegründet hatte. Er wollte digitale Produktionsmöglichkeiten wie die CNC-Fräsetechnik und den 3D-Druck auch Laien näher bringen. Inzwischen ist aus dem Hobby ein Wirtschaftszweig geworden.

Zurück in Seckbach. Links neben dem Eingang steht ein 3D-Drucker, und zwar der größte industriell gefertigte der Welt, wie Tim Fleischer betont. Gemeinsam mit Winopal führt der 33 Jahre alte Maschinenbauer den Betrieb, der erst vor gut einem Monat eröffnet hat. Zum achtköpfigen Team zählen etwa ein Schreiner, ein Bauschlosser und ein Feinwerkmechaniker.

Auch ein Koch gehört dazu. Denn auf dem Gebäudedach soll eine Kantine entstehen. Die dafür benötigte Terrasse muss ausgebaut werden. Auch die Textilwerkstatt ist noch in der Entstehung. „In der kleinen Halle muss der Boden aufgehübscht werden“, sagt Winopal. „Es werden noch zwei, drei Maschinen geliefert – dann sind wir fertig.“

Es ist erstaunlich, was in den vergangenen zehn Wochen in der Backsteinhalle auf dem früheren Gelände des Anlagenbauers Lurgi entstanden ist: eine Spielwiese für die Kreativwirtschaft. Der Standort an der Gwinnerstraße, der sich zusammen mit dem in Fechenheim-Nord zu Frankfurts erstem nachhaltigen Gewerbegebiet entwickeln soll, sei super, sagt Winopal. „Wir sind begeistert und wissen, dass wir hier die nächsten zehn Jahre unser Geschäft machen können.“

Zum Angebot zählen etwa Werkstätten für Holz, Metall und Textil, ein Paintshop und eine höher gelegene Plattform mit 30 Arbeitsplätzen. „Wir haben für jeden Bereich jemanden, der das nötige Know-how besitzt“, sagt Fleischer. So bräuchten die Kunden keine Erfahrung mitbringen, um den Gerätepark gegen Gebühr nutzen zu können.

Eine normale Mitgliedschaft kostet monatlich 150 Euro. Studenten zahlen etwas weniger, Firmen mehr. Einen Tagespass bekommt man für 80 Euro. „Wir sind im Grunde wie ein Fitnessstudio“, sagt Winopal. „Man kann sich monatlich anmelden.“

Auf einer Tribüne aus Grobspanplatten finden rund 130 Besucher Platz. Das kommt nicht von ungefähr: Auf dem Podium werden regelmäßig Workshops und Vorträge abgehalten, etwa zu den Themen Crowdfunding und Produktvermarktung. Es gibt einen Floh- und Designermarkt. Auch Bands treten auf.

Im Mittelpunkt stehen aber die Geräte. Besonders stolz sind die Geschäftsführer auf eine riesige Wassterstrahlschneidanlage, mittels der Metall, Stein und Glas verarbeitet werden können. Und sogar noch mehr: „Die Maschine schneidet jedes Material, das man sich vorstellen kann“, sagt Fleischer. Zum Beispiel auch 17 Zentimeter dicke Stahlplatten.

Zu den Kunden gehören nicht nur Berufstätige, sondern auch Rentner, die nicht in ihrer Werkstatt in der eigenen Garage veröden möchten. Tatcraft ist nämlich auch das: ein Ort des Kennenlernens und des Austauschs. Dass es mitunter gelassen zugeht, verkörpert Fabian Winopal, der früher Investmentbanker war: Er raucht eine Zigarette, während er lässig auf seinem Skateboard hin- und herrollt.

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