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Wegen der Reisebeschränkungen infolge der Corona-Pandemie sitzen Hunderte Passagiere teilweise mehrere Wochen am Frankfurter Flughafen fest.

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Gestrandene Passagiere am Frankfurter Flughafen

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Hunderte Passagiere stecken seit Mitte März teilweise mehrere Wochen am Flughafen fest. Die Bundespolizei sieht die Schuld auch bei einigen Gestrandeten selbst.

Nach vier Tagen war es endlich so weit. Sechs Südafrikaner konnten am Montagabend zurück in ihre Heimat fliegen. Dass es am Ende so schnell ging, lag vielleicht an ihrem Protest, den sie über Whatsapp-Gruppen organisierten und über den sie es bis in die südafrikanischen Medien schafften, berichtet der FR eine junge Deutsche, die in Südafrika lebt.

Doch nicht für jeden gestrandeten Passagier am Frankfurter Flughafen verläuft die Weiterreise so gut wie für die sechs Südafrikaner. Seit Mitte März, als der Flugverkehr weltweit zum Erliegen kam und die Länder nach und nach wegen der Corona-Pandemie die Grenzen dichtmachten, stecken täglich Passagiere aus aller Welt im Transitbereich des Flughafens fest.

Eine Frau, die seit Beginn das Geschehen verfolgt, mit den Gestrandeten redet, ihnen Mut macht und ihnen helfen will, wo sie nur kann, ist Bettina Klünemann von der Flughafen-Seelsorge. „Die Menschen kommen wirklich von überall her“, sagt sie. Im Schnitt würden 50 bis 60 Personen täglich am Flughafen festsitzen.

Klünemann hat Menschen kennengelernt, die in Kanada leben und arbeiten, einen dauerhaften Aufenthaltstitel besäßen, aber nicht mehr einreisen dürften, weil sie Ausländer seien, sagt sie. Da seien Gestrandete aus der Tourismusbranche, die weltweit arbeiteten, aber ihren Job verloren hätten und einfach nur nach Hause wollten. „Flughäfen wurden geschlossen oder das ganze Land abgeriegelt, und nun sitzen sie hier fest“, sagt Klünemann.

Flugzeuge bleiben am Boden

Doch warum Menschen hier teilweise mehrere Wochen festsitzen, hat häufig einen einfachen Grund. Der Flugverkehr sei wegen der Corona-Pandemie und den verhängten Einreisebeschränkungen bis hin zu geschlossenen Grenzen zu 90 Prozent eingebrochen, sagt Reza Ahmari, Pressesprecher der Bundespolizei am Flughafen. Daher sei es keineswegs gewährleistet, dass die Menschen am Zielort ankämen, sondern Tage oder im Einzelfall auch Wochen am Flughafen ausharren müssten, bis die Reise weitergehe.

Ahmari erklärt es so: „Wenn ein Passagier von Frankfurt nach Thailand fliegen möchte, aber in Dubai umsteigen muss, kann er dort mehrere Tage festsitzen, bis es einen Weiterflug gibt.“ Die Airline, die ihn dorthin befördert habe, sei auch bei einer möglichen Abweisung an der Grenze verpflichtet, den Passagier wieder zurück oder weiter zu befördern.

Doch durch den heruntergefahrenen weltweiten Flugverkehr könnten viele Fluggesellschaften diese Regelung nicht einhalten, sagt Klünemann. „Wenn dann zwischendrin ein Flug gecancelt wird, führt das woanders wieder zu einem Rückstau.“ Klünemann nennt das einen „Dominoeffekt“.

Der erste Polizeihauptkommissar Ahmari sieht die Schuld aber auch bei den Passagieren selbst. „Viele informieren sich nicht ausreichend im Vorfeld. Sie fliegen trotz aller Warnungen“, sagt er. Er glaubt auch, dass einige die Corona-Pandemie unterschätzen. Dennoch hätten viele der Gestrandeten Verständnis für die Situation am Frankfurter Flughafen. Den Umständen entsprechend würde es ihnen hier ja auch nicht schlechtgehen. „Es gibt die Seelsorge, die sich um die Menschen kümmert, wir haben Notfallbetten und es gibt ein Transithotel. Niemand muss hier menschenunwürdig leben“, sagt Ahmari.

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