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Der Stolperstein liegt in der Paul-Ehrlich-Straße 40.

Stolpersteine Frankfurt

Erster Stein für Zeugin Jehovas

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Der Künstler Gunter Demnig verlegt wieder seine Stolpersteine. Zum ersten Mal erinnert nun in Frankfurt einer der Gedenksteine an das Schicksal einer Zeugin Jehovas. Diese Opfergruppe des NS-Regmies hat bisher gefehlt.

Seit mehr als 20 Jahren verlegt Gunter Demnig in ganz Europa Stolpersteine, die an die Opfer des Nationalsozialismus erinnern sollen. So entstand ein einzigartiges dezentrales Mahnmal. In 14 Ländern seien bereits mehr als 40 000 Gedenksteine vor dem letzten Wohnort der Verfolgten zu finden, erklärte er zum Auftakt seiner diesjährigen Verlege-Aktion in Frankfurt. Und obwohl es hier bereits über 700 Steine gab: Eine Opfergruppe des NS-Regimes hatte bislang gefehlt. Am gestrigen Donnerstag ließ Demnig in der Paul-Ehrlich-Straße den ersten Gedenkstein für eine Zeugin Jehovas in Frankfurt in den Gehweg ein. Dem Stolperstein für Katharina Schmid sollen noch 14 weitere folgen, um auch die Namen der Todesopfer dieser christlichen Religionsgemeinschaft in Frankfurt öffentlich sichtbar werden zu lassen.

Das Haus in der Paul-Ehrlich-Straße 40 gehört noch heute zum Universitätsklinikum. Im dritten Obergeschoss befand sich dort vor 76 Jahren die Wohnung von Katharina Schmid, eine Dienstwohnung, die ihr Ehemann als Laborgehilfe der Uni-Klinik zugesprochen bekommen hatte. Entgegen dem Verbot ihres Ehemanns, der bei der SA war, ließ sich Katharina Schmid dort am 28. Februar 1937 zusammen mit weiteren Zeugen Jehovas taufen. Schon gut zwei Wochen später, am 16. März 1937, wurde sie von der Gestapo verhaftet. Das Regime hatte bereits 1933 ein Betätigungsverbot für die Zeugen Jehovas erlassen. Für viele Angehörige der Religionsgemeinschaft begann mit den Märzverhaftungen infolge einer Flugblatt-Aktion eine qualvolle Odyssee durch die Konzentrations- und Vernichtungslager des Regimes, die für viele mit dem Tode endete. Von den 150 verhafteten Zeugen Jehovas in Frankfurt überlebten 15 Menschen die Verfolgung nicht.

Für Katharina Schmid führte die Reise über die Konzentrationslager Moringen, Lichtenberg und Ravensbrück, bis sie schließlich im Juni 1942 nach Auschwitz gebracht wurde. Nach Auflösung des Lagers starb Katharina Schmid dem Bericht einer Mitgefangenen nach am 22. Februar 1945 infolge des Todesmarsches in der Nähe von Nürnberg an einer Blutvergiftung.

Am morgigen Samstag, dem letzten Tag der diesjährigen Verlege-Aktion, wird noch ein weiterer Stolperstein für einen Zeugen Jehovas in der Fabriciusstraße eingelassen werden. Im kommenden Jahr würden dann die übrigen 13 Opfer der Religionsgemeinschaft ihre Gedenksteine erhalten, so Hartmut Schmidt von der Stolperstein-Initiative in Frankfurt. Insgesamt kommen diese Tage 90 Gedenksteine für die Opfer des Nationalsozialismus in Frankfurt hinzu, sodass die Gesamtzahl auf 810 steigt.

Einen Zeitplan der Stolpersteinverlegungen gibt es im Internet auf der Seite www.stolpersteine-frankfurt.de .

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