Frankfurt-Praunheim

Apfel in Speis und Trank

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Das Restaurant der Familie Schuch in Frankfurt-Praunheim bewirtet seit 1854 Gäste. Zur NS-Zeit war die Gaststube als „rotes Loch“ verschrien.

Die Brücke über die Nidda liegt nur wenige Meter von „Schuch’s Restaurant“ entfernt. Vor gut 160 Jahren war sie eine wichtige Verkehrsverbindung. Unweit davon lag der Bauernhof der alt eingesessenen Praunheimer Familie Schuch. Händler aus dem Vordertaunus, die ihre Waren auf dem Markt in Frankfurt anboten, mussten über die Brücke wie all die Fuhrleute. Um sich zu stärken, kehrten die Kaufleute gerne bei Andreas Schuch ein. Der baute das Erdgeschoss im elterlichen Fachwerkhaus kurzerhand in eine Gaststube um. Das war 1854. Heute, seit 1987, leitet Jürgen Schuch in fünfter Generation das „Hessische Restaurant“, wie der 58-Jährige es nennt.

Auch die sechste Generation ist bereits aktiv. Zwei seiner vier Kinder arbeiten im Familienbetrieb. Tochter Julia ist für den Service zuständig, Sohn Markus absolviert in der Küche eine Ausbildung zum Koch.

Jürgen Schuch hat sich intensiv mit der Geschichte der Gaststätte und somit seiner Familie befasst. Er hat Kirchenbücher gewälzt, Urkunden studiert „und sogar Sütterlin gelernt“. Bis in das Jahr 1725 konnte er die Geschichte der Schuchs zurückverfolgen, als sich die aus Niederursel stammenden Brüder Adam und Zacharias im 300-Seelen-Ort Praunheim niederließen und auf eigenem Land Ackerbau und Viehzucht betrieben. In der Untergasse 28 bauten sie das Fachwerkhaus, in dem Nachkomme Andreas 130 Jahre später die Gaststube einrichtete.

Mit der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten legte sich ein Schatten über die Familie – und die Gaststube, die für die antifaschistische Einstellung ihrer Gäste bekannt war. Die Gestapo vermerkte, dort werde „grundsätzlich nicht mit Heil Hitler gegrüßt“ und nannte sie „Rotes Loch“. Dann wurde das ursprüngliche Gasthaus bei den Bombenangriffen 1944 zerstört.

Doch die Schuchs ließen sich nicht entmutigen. Nach seiner Rückkehr aus französischer Gefangenschaft arbeitete Erich Schuch – der Vater von Jürgen Schuch – vorerst als Metzger. 1956 übernahm er die „Concordia“. 18 Jahre später errichtete Erich auf dem Grundstück Alt-Praunheim 13 ein Hotel, das er bis zu seinem Tod 2003 leitete.

Das Jahr 1996 markiert einen Einschnitt mit kulinarischer Neuausrichtung und neuem Namen. Seither heißt das Lokal „Schuch’s Restaurant“. An die Zäsur kann sich Jürgen Schuch noch gut erinnern: Am 16. September 1996 war der Hessische Rundfunk mit Moderator Uwe Günzler und seiner Sendung Frankfurter Leut in der Gaststätte – mit Johnny Klinke, Joschka Fischer und Heinz Riesenhuber.

„Ich saß da als kleiner Koch ganz eingeschüchtert ob der Prominenz. Dann forderte mich Uwe Günzler auf, etwas über meine Küche zu sagen. Und das konnte ich nicht. Mir wurde klar, ich habe kein Konzept.“ Das hat er geändert, er hat den Apfel in den Fokus gerückt. Der künstliche Apfelbaum im Foyer ist zugleich Symbol für die „kreative Apfelküche“ des Restaurants. 2008 kam die „Pomothek“ hinzu. Dort gibt es eine Auswahl von mehr als 30 hessischen Apfelwein-Spezialitäten. Schuch ist stolz darauf, dass sein Einsatz und der von anderen hessischen Keltereien für den Apfelwein heute Früchte trägt. „Apfelwein ist heute wieder so beliebt wie schon lange nicht mehr“, sagt Schuch.

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