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Gesetz der Serie

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Von: Sandra Busch, Georg Leppert

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Seit die Pandemie ausgebrochen ist, gab es im Römer noch keine Plenarsitzung – aber ein paar Straßen weiter, im Gebäude der Stadtwerke.
Seit die Pandemie ausgebrochen ist, gab es im Römer noch keine Plenarsitzung – aber ein paar Straßen weiter, im Gebäude der Stadtwerke. © peter-juelich.com

Die Bürgermeisterin bringt der Eintracht Glück. Aber hier geht es nicht um Fußball. Die FR-Kolumne aus dem Frankfurter Rathaus.

Leppert: Die Eintracht…

Busch: Nicht! Schon! Wieder!

Leppert: Aber seit die Bürgermeisterin Vereinsmitglied ist, hat die Eintracht nicht verloren.

Busch: Okay, das ist eine Nachricht.

16,7 Prozent aller Freundinnen und Freunde der Kommunalpolitik finden, dass wir an dieser Stelle zu oft über die Eintracht schreiben. Aber hier geht es gar nicht um Fußball, sondern um das Gesetz der Serie. Denn es ist wirklich so. Seit Nargess Eskandari-Grünberg (Grüne) den Mitgliedsantrag unterzeichnet hat, läuft es bei den Adlerträgern. Erst 4:1 in Berlin. Dann 2:1 in Sevilla. Dann 2:1 gegen Bochum. Dann 0:0 in Leipzig. Aber vorher noch 1:1 gegen Sevilla mit entscheidendem Tor in der letzten Sekunde der Verlängerung. War das geil! Der Mike Josef (SPD-Chef) ist auf den Platz gerannt und hat vor der Nordwestkurve gebrüllt: „Ich kandidiere bei der OB-Wahl.“ Nee, ist er nicht, aber wäre er bestimmt. Eine Menge Leute hätten in dem Moment eine Menge crazy Sachen gemacht, wenn man sie gelassen hätte.

Das ist eine starke Bilanz für NEG. Aber sie soll sich darauf nicht so viel einbilden. Es gibt noch ganz andere Serien in der Stadtpolitik. Wir haben da einen kleinen Überblick für Sie…

Seit Kämmerer Bastian Bergerhoff (Grüne) im Amt ist, hat die Stadt Frankfurt noch kein einziges Mal einen ausgeglichenen Haushalt vorgelegt.

Seit Annette Rinn (FDP) Ordnungsdezernentin ist, hat noch kein freiwilliger „Polizist“ seine Kompetenzen gnadenlos überschritten und hinterher was von „notwendiger Festnahme“ gefaselt.

Seit Stephanie Wüst (FDP) Wirtschaftsdezernentin ist, gibt es eine einwandfreie Gerichtsbilanz: Noch nicht einmal wurde ein verkaufsoffener Sonntag in der Innenstadt gekippt.

Seit Uwe Becker (CDU) zum CDU-Parteichef gewählt wurde, haben die Christdemokraten noch nicht eine Wahlschlappe hinnehmen müssen.

Seit Hilime Arslaner-Gölbasi (Grüne) Stadtverordnetenvorsteherin ist, wurde in einer Sitzung des Stadtparlaments noch nie weniger als 76-mal gerügt, getadelt, zur Ruhe gerufen oder ermahnt.

Seit Tilo Schwichtenberg (Gartenpartei) Stadtverordneter ist, hat er sich noch nicht einmal herzlich mit Nico Wehnemann (Die Partei) umarmt. Aber immerhin hat auch niemand den anderen durch den Plenarsaal geworfen.

Seit die FDP Teil der Regierungskoalition ist, hat noch niemand aus dem Umfeld der Partei das linksautonome Klapperfeld bemalt.

Seit sich die Gerichte mit den Mahnwachen vor „Pro Familia“ beschäftigen, haben sie noch kein Urteil gefällt, das Frauendezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) oder wir auch nur ansatzweise nachvollziehen konnten.

Seit die Staatsanwaltschaft gegen Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) wegen des Autos seiner Frau ermittelt, hat sie noch nicht einmal ein Ergebnis erzielt… Na gut, jede Serie muss einmal enden. Nur die Eintracht, die soll bitte auch gegen Barcelona nicht verlieren.

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