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Roger Schmidt vom Streuobstzentrum bei der Arbeit.

Seckbach

Der Geschmack der Wiese

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Am Dienstagabend purzelten in Seckbach die Rekorde. Im Main-Äppel-Haus auf dem Lohrberg gab es an diesem Abend nicht nur das links- wie rechtsmainig einzige Vollmondkeltern, sondern auch den „höchsten Ebbelwoi in Frankfurt“.

Ab 20 Uhr stand Oscar Unger, Mitglied des gemeinnützigen Streuobstzentrums, an der alten Fruchtpresse und zermalmte in Handarbeit rund 80 Kilo Äpfel von der benachbarten Streuobstwiese. Ob der Vollmond-Ebbelwei wohl anders schmeckt? „So rund wie die Äppel und der Mond“, scherzte Unger und zeigte auf den über der Skyline stehenden Erdtrabanten.

Seit mehreren Jahren schon betreibt das Main-Äppel-Haus seine eigene Streuobstwiese auf der Fläche des ehemaligen Beratungsgartens der Stadt Frankfurt. Dort sollen Kinder und Erwachsene gleichermaßen die regionale Tradition des Apfelanbaus und dessen Verarbeitung erleben. So wurden die am Dienstag verarbeiteten Äpfel im Rahmen von Ferienspielen und Lehrangeboten von zahlreichen Kindergruppen geerntet. Der Anbau selbst erfolgt dabei rein ökologisch.

In diesem Jahr seien vor allem vergleichsweise kleine Äpfel von der Wiese gekommen, sagte der Vereinsvorsitzende Gerhard Weinrich. Die Qualität sei aber herausragend, er erwarte einen besonders guten Jahrgang: „Wir sind sehr zufrieden mit der Ernte, das Wetter kam uns entgegen.“ Der warme Sommer habe die Äpfel süß und saftig gemacht.

Davon durften sich die Besucher am Dienstag gleich selbst überzeugen: „Einfach ein Glas unter die Presse halten“, lud Weinrich die Anwesenden zur Probe des Apfelsafts ein. „Durch die Vielfalt der Sorten auf der Wiese schmeckt jeder Durchgang anders“, erklärte Weinrich. „Wir machen hier ein ehrliches Stöffchen“, sagte auch Oscar Unger. Mischungen, Zusätze, reine Sorten? Das alles hält er für eine Verfälschung des Geschmacks.

Mit seinem eigenen Schoppen gewannen Unger und ein Freund im vergangenen Jahr den ersten Preis eines Ebbelwei-Wettbewerbs. Seit einem Jahr packt er nun im Main-Äppel-Haus mit an, um den perfekten Wein zu kreieren. Das Geheimnis sei, diesen in Ruhe gären zu lassen, so Ulmer. Der Geschmack solle der der Wiese sein. „Es kann schon einmal passieren, dass zwei Gläser verschieden schmecken.“

Davon wird man sich erst im Januar überzeugen können. Dann kommt der Apfelwein im Hofladen in den Verkauf. Intern können Besucher schon früher probieren. „In sechs bis acht Wochen ist er so weit“, sagte Ulmer. Wer sich nicht so lange gedulden wollte, durfte am Dienstag zu Apfel-Kürbis-Suppe und Musik den Schoppen des Vorjahres probieren. Unterschiede konnten die meisten Laien nicht feststellen. Nur eines war sicher: Es schmeckte, auch nach dem dritten Glas.

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