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Sport im Wohnzimmer. Foto: Frank Rumpenhorst/dpa

Fitness

Geschlossene Fitnessstudios: Sit-ups vor dem Sofa

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Personal-Trainer Tim Harris aus Rödelheim motiviert seine Kunden online – und hofft, dass alle dabei bleiben.

Wenn Tim Harris dieser Tage Anweisungen zu Liegestützen und Sit-ups gibt oder seine Kunden unterstützt, passiert das online. Trotzdem verfolgt der Fitnesstrainer, wer voll dabei ist und die Übungen richtig macht. Seine Mitglieder können sich zu Live-Training-Sessions hinzuschalten. Auf dem Fernseher in seinem Studio „Training in Motion“ sieht Harris dann Menschen in Sportklamotten, die Kniebeugen vor Schränken, Sofas und Esstischen machen.

Denn der 49-Jährige will seine Kunden weiter betreuen, obwohl er seine Räume in Rödelheim nicht öffnen darf und auch kein Personal Training anbieten kann. „Ich habe jetzt ein kleines Fernsehstudio mit Kamera“, scherzt er. Normalerweise trainiert er dort mit seinen Kunden. Er kann nicht so ganz nachvollziehen, warum er nicht wenigsten mit einer Person trainieren könne, Platz zum Abstandhalten habe er genug.

„Wir sind eine kleine Familie“

Seine Kunden nähmen die veränderten Bedingungen sehr gut auf, erzählt Harris. Zu vielen habe er einen engen Kontakt. „Wir sind wie eine kleine Familie.“ Trainiert werde einzeln oder in kleinen Gruppen, über Whatsapp-Gruppen bleibe man in Kontakt, und wer besonders hart trainiere, bekomme sogar Geld zurück. Bislang habe noch keiner seiner Kunden gekündigt.

Zum Glück, denn schließlich muss er seine Miete für die 300 Quadratmeter großen Räume, Versicherungen und Leasingverträge für Geräte weiterzahlen. Erst 2019 hat er das Studio angemietet – Mitarbeiter hat er keine. Neue Kunden zu gewinnen, sei natürlich gerade schwierig. Die Soforthilfe helfe ihm über die nächsten drei Monate. Danach müsse er schauen.

Viele bewegen sich im Home-Office zu wenig

Statt faul zu Hause zu liegen, ist er trotzdem jeden Tag in seinem Studio und gibt ein bis zwei Kurse am Tag. Natürlich könnten seine Kunden auch einfach Videos gucken, sagt er. Aber live könne er die Mitglieder besser kontrollieren und sie könnten Fragen stellen. Außerdem pushe das Sporttreiben in der Gruppe einmal mehr. Und das feste „Treffen“ bewirke extra Druck, auch wirklich zu trainieren. Und das sei dringend nötig, viele bewegten sich gerade im Homeoffice zu wenig.

Um noch mehr zu animieren, hat der gebürtige US-Amerikaner die Beat-Corona-Burpee-Challenge gestartet. Der Kunde, der die meisten der anstrengenden Übungen schafft, kann Personal-Training-Stunden im Wert von 1200 Euro gewinnen. Zudem verleiht er Equipment, gibt Ernährungstipps und ist immer erreichbar. „Ich versuche, alles zu tun, was irgendwie möglich ist.“ Harris hofft, dass seine Kunden ihre Verträge verlängern und dass er bald wieder echtes Training anbieten kann.

www.traininginmotion.de

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