Denkmalamt 

Geschichte wird aufbewahrt

In der Werkstatt   werden Funde aus Ausgrabungen aufgearbeitet.

So kommen die Funde rein, gerne auch in Wannen.“ Andrea Hampel, die Leiterin des Denkmalamts, steht vor einer schwarzen Plastikwanne in der Werkstatt des Denkmalamts. Die Wanne ist bis zum Rand gefüllt mit Keramikscherben, Schieferplatten, Knochenresten – Funde einer Grabung aus Heddernheim. Sie sind noch ungewaschen und mit Erde bedeckt. Es wird eine Weile dauern, bis die Überreste der Vergangenheit wieder Form bekommen.

In der Werkstatt im Erdgeschoss des Denkmalamts ist Stadtgeschichte zum Greifen nahe. Hier stapeln sich nummerierte Kisten, hier trocknen die gereinigten Funde in speziellen Körben, in denen sie nach Material und Art sortiert sind. In einem Teil der Werkstatt stehen weiße Tische. Dort befinden sich die Relikte, an denen die Mitarbeiter zurzeit arbeiten, etwa die Ziegel eines alten Ringofens aus Nieder-Eschbach, die demnächst fotografiert werden sollen.

Wie der Ofen stammen auch alle anderen Stücke aus einer der 50 bis 60 Ausgrabungen, die das Denkmalamt pro Jahr durchführt.

Dabei fördern die Archäologen neben Gebrauchsgegenständen auch Gebäudereste zu Tage. Zu den Highlights der jüngsten Grabungsgeschichte gehört die Entdeckung eines Friedhofs aus dem 19. Jahrhundert in Fechenheim. Normalerweise, so Hampel, blieben solche Gräber nicht lange erhalten, da sie meistens wieder verwendet wurden.

Ziel ist unberührter Erhalt

Nicht alle Funde lassen sich für die Nachwelt erhalten. „Die Baugenehmigung beinhaltet auch die Totalvernichtung“, erklärt Hampel. Zwar sei das Ziel der Denkmalpflege die unberührte Erhaltung des Fundortes. Am Ende sei der Erhalt jedoch eine Abwägungssache. Wiegt das Interesse der Allgemeinheit oder das des Bauherrn schwerer? Nur die Dokumentation der Fundstücke wird garantiert. Bei bestehenden Kulturdenkmälern sind die Auflagen hingegen höher.

Wenn ein Bauantrag gestellt wird, prüft das Amt, ob an der Stelle ein kulturelles Denkmal bekannt ist. Dafür sichten die Mitarbeiter das Archiv und begehen den Baugrund, um Fundstellen zu erkennen. Im Frankfurter Stadtgebiet wird hierfür der Humus auf einer Tiefe von 50 Zentimeter abgetragen.

Dann kommt alles zum Vorschein: vom vermeintlichen „Müll“ der jüngeren Vergangenheit, über das Geschirr der Römer bis zu Knochen aus der Steinzeit. Die Fläche wird aufgenommen und ein Plan erstellt, der Fundstelle und Fund dokumentiert. Im Anschluss werden die Funde an die Werkstatt weitergereicht.

So wie der schwarze Eisennagel aus dem Lagerraum, den Hampel in der Hand hält. Auch er ist verkrustet und verrostet. Wie alle anderen Fundstücke wird er katalogisiert und gereinigt. Bei der Reinigung müssen die „Wäscher“ dann die jeweiligen Eigenschaften des Stücks berücksichtigen. Bei Keramiken sind die Bruchstellen besonders wichtig, damit die Scherben nachher wieder zusammengesetzt werden können. Knochen werden hingegen gebürstet. Ein gut sieben Zentimeter langer Eisennagel benötigt eine Sonderbehandlung. In solchen Fällen arbeitet das Denkmalamt mit den Restauratoren des Archäologischen Museums zusammen.

Die Zusammenarbeit geht über die Reinigung der Fundstücke hinaus. Das Hessische Denkmalschutzgesetz, das entscheidend ist für die Arbeit der Behörde, sieht bei der Aufbewahrung keine Museumsarbeit vor. Für Frankfurt gilt aber eine Sonderregelung: Nachdem die Funde in der Werkstatt gereinigt, fotografiert und dokumentiert worden sind, werden sie dem Archäologischen Museum übergeben, das eine Inventarliste erstellt und entscheidet, was mit ihnen geschieht. Entweder werden sie ausgestellt, verliehen oder bleiben im Archiv.

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