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Archivar Max Koch (links) und der Vereinsvorsitzende Bernhard Ochs vor dem Museumslädchen in der Turmstraße.
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Archivar Max Koch (links) und der Vereinsvorsitzende Bernhard Ochs vor dem Museumslädchen in der Turmstraße.

Frankfurt-Bornheim

Geschichte mit Säbel und Hut

  • Boris Schlepper
    VonBoris Schlepper
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Der Bornheimer Bürgerverein feiert sein 125-jähriges Bestehen. Er betreibt Frankfurts kleinstes Museum in einem winzigen Fachwerkhaus in der Turmstraße.

Wenn Bernhard Ochs in die grüne Uniform der Frankfurter Bürgerwehr schlüpft und durch die Gassen des lustigen Dorfs läuft, wird Geschichte lebendig. Es ist die Montur der Weißbüsche, sagt der Stadtteilhistoriker, „Reservisten, die nur am Wochenende unterwegs waren“. Ochs ist keineswegs nur an zwei Tagen aktiv. Der Bürgerverein und Förderkreis historisches Bornheim, den er leitet, hat sich zur Aufgabe gemacht, Interessantes zur Geschichte des Stadtteils zu sammeln und zu vermitteln. Am kommenden Freitag feiert der Verein sein 125-jähriges Bestehen.

Die Idee, sich für die Stadtteiltouren zu verkleiden, kam nicht von ihm. „Die Leute sagten, auch in anderen Orten seien Stadtführer kostümiert.“ Beim Karnevalsverein Frankfurter 02 wurde er fündig. Die Narren hatten sich die historische Uniform für ihre Garde gesichert. Hunderte Schüler und Geschichtsinteressierte hat Ochs seitdem im grünen Gewand, mit Säbel und Hut mit weißer Feder durch Bernem geleitet.

Die Führungen, die Ochs seit 20 Jahren anbietet, sind eine der Hauptaufgaben des Vereins. Außerdem organisiert er etwa Babbelabende, in denen die Mundart gepflegt wird, und Ausstellungen. Auch sammeln die Mitglieder alles, was einen Bezug zu Bornheim hat. „Von der Anstecknadel bis zum Grenzstein“, sagt Archivar Max Koch, Herr über ein 100 Quadratmeter großes Lager. 20 Ordner mit Protokollen von Vereinen liegen dort etwa, Historisches und eine Fahnensammlung. Darunter eine ehemalige SPD-Flagge, die, um sie vor den Nazis zu schützen, in ein Sofakissen eingenäht wurde, erzählt Koch.

Immer wieder erhält der Verein Dokumente und Material von Bürgern. So auch vor kurzem, als Ochs als Stadtverordneter der Römerfraktion mit einer Delegation in China war. Mit dabei war auch ein Nachfahre von Friedrich Wilhelm Rühl, dem letzten Schultheiß von Bornheim. 1883 war der Schultheiß gestorben, doch erst auf diesem Weg fand eine Kiste mit seinen Hinterlassenschaften in die Vitrine des vereinseigenen Museumslädchens. Darunter ein Faksimile des Vereinigungsvertrags, der Urkunde zur Eingemeindung 1877. Und Privates wie lederne Kinderschuhe und ein Pfeifenkopf aus Porzellan mit dem Konterfei von Kaiser Wilhelm.

Seit 1994 betreibt der Verein das Museumslädchen in der Turmstraße 11, wo er auch seine Ausstellungen aufbaut. Das winzige Fachwerkhaus sollte Mitte der 90er Jahre abgerissen werden. Der Verein machte mobil, organisierte Treffen mit dem damaligen Oberbürgermeister Andreas von Schoeler und Stadträten und sammelte 150 000 D-Mark für die Sanierung. Inzwischen ist das kleinste Museum Frankfurts stadtweit bekannt.

Bernhard Ochs wundert das nicht. Das Interesse an der Geschichte Bornheims sei groß, „es gibt da ein großes Bedürfnis“. Immer wieder gebe es Anfragen zu Vorfahren im Stadtteil, für die die Mitglieder dann im Archiv stöbern. Die Aufstellungen, die nicht nur Historisches, sondern auch Kulturelles zeigen, seien gut besucht. Der Stadtteilkalender mit alten Fotos und Karten sei ein Renner. „Den verschicken wir bis nach Kanada und Australien.“

Kampf um Brunnen

Der Bürgerverein und Förderkreis versteht sich nicht etwa als Heimatverein. „Wir sehen die Geschichte kritisch und beschönigen nichts“, betont Ochs. Die rund 100 Mitglieder, von denen 15 aktiv sind, sehen sich als eine Art „historisches Gewissen“.

Dabei ist das Historische noch nicht lange Teil des Vereins. Hervorgegangen ist er aus dem sogenannten Bezirksverein, erklärt Ochs. „Der hatte eine ähnliche Funktion wie ein Ortsbeirat heute.“ Viele der Themen seien immer noch aktuell, sagt Archivar Koch. So forderten die Mitglieder etwa schon vor rund 100 Jahren die Verbreiterung der Berger Straße und einen Bahnhof am Bornheimer Hang. Als Frankfurt 1972 die Ortsbeiräte ins Leben rief, verlor der Bezirksverein seine Aufgaben. Er änderte seinen Namen in Bürgerverein.

In den 80er Jahren schloss er sich mit dem Förderkreis Historisches Bornheim zusammen. Dieser war nur gegründet worden, um den unbeliebten Brunnen in Bornheim Mitte zu entfernen, erzählt Max Koch. „Zinksarg“ und „Hundeklo“ hätten die Bürger das metallene Kunstwerk geschimpft. Der Verein sammelte Geld und setzte sich für den „Halblangebrunnen“ ein, der jetzt den zentralen Platz ziert.

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