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Ulrike-Anne Metzger (li.) und Sofia Reinhard-Kolempa präsentieren das Tagebuch der Anne Frank als Grafic Novel.

Buchmesse

Geschichte nicht vergessen

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Die Bildungsstätte Anne Frank nutzt das Tagebuch. Mit dem Buch sollen Jugendlichen für die Themen Antisemitismus, Rassismus und Zivilcourage interessiert werden.

Das jüdische Mädchen Anne Frank lebte, gemeinsam mit ihrer Familie und weiteren Menschen, über zwei Jahre lang versteckt in einem Hinterhaus in der Prinsengracht in Amsterdam, versorgt von mutigen Helfern, verfolgt von den Nationalsozialisten, die die Bewohner schließlich entdeckten und 1944 deportierten. Das Tagebuch der Anne Frank, ein Klassiker der Weltliteratur, haben Ari Folman und David Polonsky 2017 als „Graphic Diary“ aufbereitet. 2019 erschien es in dritter Auflage beim S. Fischer Verlag.

„Wir nutzen es als Möglichkeit, Jugendliche an das Leben von Anne Frank heranzuführen“, sagt Siraad Wiedenroth von der Bildungsstätte Anne Frank. Am Stand der Bildungsstätte auf der Frankfurter Buchmesse lasen Ulrike Metzer von S. Fischer Verlag und die Demokratietrainerin Sofia Reinhard-Kolempa von der Bildungsstätte am Samstag daraus vor.

„Jeder findet mich übertrieben, wenn ich was sage, lächerlich, wenn ich schweige, frech, wenn ich eine Antwort gebe, gerissen, wenn ich eine gute Idee habe, faul, wenn ich müde bin, egoistisch, wenn ich einen Bissen zu viel esse, dumm, feige, berechnend usw. usw.“, schreibt Anne Frank am 30. Januar 1943 in ihr Tagebuch.

Als sie im Alter von Anne Frank gewesen sei und das Buch gelesen habe, habe sie Annes Wut gut nachempfinden können, sagte Ulrike Metzger, die Verlagsleiterin des Fischer Kinder- und Jugendbuch Verlags, die mit zweitem Vornamen Anne heißt. Der Name gehe direkt auf Anne Frank zurück, sagte sie.

Auch Anne Franks letzter Eintrag im Tagebuch vom 1. August 1944, kurz vor der Verhaftung, habe sie fasziniert, sagt Metzger. Darin beschreibt Anne Frank ihre ausgelassene Fröhlichkeit und ihre sentimentale Seite. „Es ist natürlich tragisch, dass Anne diese verschiedenen Facetten ihrer Persönlichkeit nicht entwickeln konnte“, sagte Metzger. Am 4. August 1944 wurden die Bewohner der Prinsengracht verhaftet und deportiert. Anne Frank starb im KZ Bergen-Belsen.

„Mit dem Tagebuch schaffen wir es, die Jugendlichen zu packen und sich für die Themen Antisemitismus, Rassismus und Zivilcourage zu interessieren“, sagte die Demokratietrainerin Sofia Reinhard-Kolempa. „Annes Geschichte darf nicht vergessen werden“, sagte Siraad Wiedenroth. „Wenn wir unsere Arbeit ernst nehmen, dürfen wir Zivilcourage nicht nur fordern, sondern müssen sie auch zeigen und dazu publizieren.“ Daher lägen am Stand der Bildungsstätte Anne Frank verschiedene Broschüren zur Aufklärung aus, darunter „4 Gründe, warum BDS antisemitisch ist“, „Warum es okay ist, Höcke zu widersprechen“ und „Wer ist die neue Rechte?“.

Der Stand der Bildungsstätte sowie der Stand der Amadeu-Antonio-Stiftung nebenan wurden während der gesamten Frankfurter Buchmesse von Polizisten bewacht.

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