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„Germania“-Debatte in Frankfurt: Kunst nicht instrumentalisieren

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Von: Florian Leclerc

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Blick auf die Germania von Philipp Veit im Germanischen Nationalmuseum.
Blick auf die Germania von Philipp Veit im Germanischen Nationalmuseum. © GNM, Dirk Messberger

Die „Germania“ von Philipp Veit ist im Museum besser aufgehoben als in der Paulskirche.

Soll eine Kopie oder das Original der „Germania“ von Philipp Veit aus dem Germanischen Nationalmuseum in die Frankfurter Paulskirche einziehen? Das fordert die AfD im Römer - und instrumentalisiert das Kunstwerk damit für sich. Das Bild rückt in die rechte Ecke. Das wird ihm nicht gerecht.

Durch den Filter der AfD-Fürsprache wandelt sich die Deutung der Allegorie. Wofür stehen die gesprengten Ketten im gegenwärtigen politischen Kontext – etwa für die Aufhebung von Corona-Schutzmaßnahmen? Das gezückte Schwert – eine Botschaft an Menschen an den EU-Außengrenzen? Die Deutschlandfahne – ein Rückgriff auf Nationalismus? Die Überlebensgröße des Kunstwerks – ein Kleinmachen der Paulskirchengäste aus aller Welt?

Diese Deutungen haben natürlich nichts mit dem politischen Kontext des 19. Jahrhunderts zu tun. Oder mit den möglichen Intentionen von Philipp Veit. Er wird dem Künstlerkreis der konservativ-katholischen Nazarener zuordnet, die das Kaiserreich verklärten.

Wie wirkte das Bild heute?

Das Konzept vom offenen Kunstwerk erlaubt aber auch aktualisierte Lesarten. Daher muss man sich schon fragen, wie das Bild auf internationale Gäste wirken würde, wenn sie wüssten, dass die AfD es aufhängen ließ.

Es scheint naheliegend, dass die Germania nicht als Symbol eines wehrhaften und friedfertigen geeinten Deutschlands von 1848 wahrgenommen würde, sondern als Rückgriff auf ein reaktionäres Kaiserreich oder als Deutschtümelei. Das Kunstwerk aus einem neutralen Ausstellungsort in die Paulskirche zu verlagern, bringt mehr Schaden als Nutzen. Auch der Paulskirche selbst würde es nicht gerecht. Die Paulskirche befindet sich nicht mehr im Zustand von 1848, sondern wurde von Rudolf Schwarz 1949 neu gestaltet. Die Stadtverordneten haben sich richtigerweise dafür ausgesprochen, die transparente Nachkriegsarchitektur zu erhalten. Sie sollte nun nicht museal mit Kunst von 1848 bestückt werden.

Weitere Kunstwerke von Philipp Veit hängen im Städel-Museum, wo sie sich einer politischen Instrumentalisierung entziehen.

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