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Geringere Rückfallquote bei Straftaten

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Von: Steven Micksch

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Im Haus des Jugendrechts in Höchst werden die straffällig gewordenen jungen Menschen individuell und intensiv begleitet.
Im Haus des Jugendrechts in Höchst werden die straffällig gewordenen jungen Menschen individuell und intensiv begleitet. © ROLF OESER

Eine Untersuchung zeigt: Junge Menschen, deren Delikte im Haus des Jugendrechts bearbeitet werden, geraten seltener wieder auf die schiefe Bahn. Das Haus des Jugendrechts in Frankfurt-Höchst ist das beste Beispiel dafür.

Die Arbeit der Häuser des Jugendrechts (HdJR) funktioniert und ist nachhaltig. Dies ist das Ergebnis einer Untersuchung der Kriminologischen Zentralstelle zur Rückfallquote nach jugendstrafrechtlichen Diversionsmaßnahmen. Dabei wurden 103 Jugendliche und Heranwachsende, die im Jahr 2015 straffällig geworden waren und deren Verfahren im Haus des Jugendrechts in Frankfurt-Höchst bearbeitet wurden, mit 70 Personen aus dem Frankfurter Osten, für die kein Haus des Jugendrechts zuständig war, verglichen. Die Untersuchung zeigt, dass die Rückfallquote bei der ersten Gruppe deutlich geringer war als bei der zweiten.

Der hessische Justizminister Roman Poseck (CDU) sieht dies als klaren Beleg, dass der ganzheitliche Ansatz der Häuser Erfolg hat. „Polizei, Staatsanwaltschaft, Jugendgerichtshilfe und auch freie Träger der Jugendhilfe arbeiten in einem Haus zusammen. Die Arbeit kann so schnell, intensiv und individuell für jede Person erfolgen. Das ist effektiv und hat sich bewährt“, sagte er bei der Vorstellung der Ergebnisse am Montag im Haus des Jugendrechts im Stadtteil Höchst.

Der Minister möchte das Erfolgsmodell deshalb gern ausweiten. 2023 soll ein neues Haus in Hanau dazukommen. Es soll einen besonderen Schwerpunkt auf die Präventionsarbeit von Rechtsextremismus legen und die Verzahnung mit der breiteren Öffentlichkeit anstreben. Auch in Höchst stehen im kommenden Jahr Veränderungen an. Die Staatsanwaltschaft braucht mehr Platz, weshalb neue Räumlichkeiten im Untergeschoss geschaffen werden sollen.

Die Einrichtungen

In Hessen gibt es aktuell sechs Häuser des Jugendrechts. Das älteste steht in Wiesbaden, dann gibt es noch je eines in Offenbach und Kassel. Frankfurt hat drei Einrichtungen. Eine vierte könnte noch kommen, weil die Bereiche Süd und Mitte-Ost sich ein Gebäude teilen.

In Fulda gibt es zudem seit Ende 2021 ein virtuelles Haus des Jugendrechts. Diese Koordinierungsstelle soll in ländlich geprägten Regionen die Zusammenarbeit der Institutionen weiter fördern.

Das siebte hessische Haus eröffnet 2023 in Hanau. mic

Als positiven Trend sieht Poseck auch die rückläufige Jugendkriminalität in Hessen. Gab es 2009 noch 3563 Verurteilungen bei Jugendlichen, waren es 2020 nur noch 1732. Die Gründe seien durchaus vielschichtig. Zum einen zeige der Ausbau der Präventionsmaßnahmen und auch die Arbeit der HdJR Wirkung. Zum anderen spiele der demografische Wandel (geburtenschwächere Jahrgänge) und die Differenziertheit im Jugendstrafrecht (Maßnahmen statt Verurteilung) eine Rolle.

Die Untersuchung der Kriminologischen Zentralstelle betrachtete die Jahre 2016 bis 2019. Es wurde geschaut, ob in diesem Zeitraum neue Einträge im Bundeszentralregister hinzukamen. Bei rund 70 Prozent der HdJR-Gruppe war das nicht der Fall. Bei der Kontrollgruppe waren es nur etwa 41 Prozent, die nicht mehr straffällig wurden. Die restlichen 59 Prozent hatten mindestens einen Folgeeintrag, ein Viertel von ihnen sogar mindestens drei Folgeeintragungen.

Studienleiter Axel Dessecker berichtete, dass durch ein geeignetes Matching-Verfahren die Vergleichbarkeit sichergestellt wurde. So gab es ein sehr ähnliches Verhältnis bei den Geschlechtern (etwa 80 Prozent männlich), beim Alter (circa 60 Prozent 18 bis 21 Jahre alt und je 20 Prozent 14 bis 16 Jahre sowie 16 bis 18 Jahre) und bei den Ausgangsdelikten. Das Gros stellten Vermögensdelikte (Betrug, Geldwäsche) dar, gefolgt von Diebstahl und Unterschlagung. Bei den rückfälligen Personen waren in beiden Gruppen wieder Vermögensdelikte der häufigste Grund.

Dass die HdJR-Gruppe einfach nur schlauer war und sich seltener erwischen ließ, glaubt Dessecker nicht. „Es gibt keinen Anlass zu glauben, dass das Dunkelfeld in dieser Gruppe anders ist als in der Kontrollgruppe.“

Die Ungleichheit bei der Anzahl der Personen in den beiden Gruppen begründet Dessecker mit einer von vornherein kleineren zur Verfügung stehenden Kontrollgruppe. Diese Gesamtheit wurde dann nochmals etwas verkleinert, um die vorgegebenen Matching-Kriterien zu erfüllen und die Vergleichbarkeit zu gewährleisten.

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