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Ende der Tarifspaltung: Mainova senkt widerwillig Preise für Neukunden

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Von: Timur Tinç

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Eine Gerichtsentscheidung zwingt die Mainova, ihre Tarifpolitik anzupassen. Der Frankfurter Energieversorger will Widerspruch einlegen.

Update vom Dienstag, 22.02.2022, 16.06 Uhr: Das kommunale Frankfurter Energieunternehmen Mainova senkt vorerst seine Preise für Neukunden in der Grundversorgung. Man folge der Einstweiligen Verfügung des Landgerichts Frankfurt (siehe Erstmeldung vom 21.02.2022) erklärte das Unternehmen am Dienstag (22.02.2022). Gleichwohl halte man die Entscheidung für falsch und werde dagegen Widerspruch einlegen. Die Arbeitspreise würden auf das Niveau abgesenkt, das die Bestandskunden zahlen.

Mainova hatte zum 3. Januar einen Tarifsplit in der Grund- und Ersatzversorgung eingeführt. Hintergrund sind die stark gestiegenen Energiepreise, in deren Folge vor allem Discountanbieter die Belieferung ihrer Kunden eingestellt haben. Als Grundversorger musste die städtisch kontrollierte Mainova nach eigenen Angaben 5000 Gaskunden und 7600 Stromkunden aufnehmen. Für deren Versorgung müsse Strom und Gas zu vergleichsweise hohen Preisen zugekauft werden, dementsprechend verlangte man von den Neukunden zunächst höhere Preise.

Neukunden der Mainova dürfen aufatmen: Der Strom wird für sie günstiger.
Neukunden der Mainova dürfen aufatmen: Der Strom wird für sie günstiger. © Sina Schuldt/dpa

Mainova kritisiert: Risiken von Billig-Anbietern werden auf alle abgewälzt

Das Unternehmen bezeichnete die von einem Konkurrenten erzwungene Gerichtsentscheidung als „falsch“. Sollte sich die Rechtsauffassung des Landgerichts Frankfurt bundesweit durchsetzen, wäre dies ein Bärendienst für die Kunden, argumentierte Mainova. „Denn damit werden die Risiken, die mit den kurzfristig angelegten Geschäftsmodellen der Energiediscounter einhergehen, auf die Schultern aller Kundinnen und Kunden in der Grundversorgung abgewälzt.“ Auch wegen der anderslautenden Entscheidungen der Landgerichte in Berlin, Leipzig und Köln rechne man sich für den Widerspruch gute Aussichten aus.

NameMainova AG
Gründungsjahr1998
HauptsitzFrankfurt am Main
BrancheEnergieversorgung (Strom, Gas, Wärme, Wasser)
Mitarbeiter:innenzahl2.853 (2020)
Umsatzca. 2,26 Milliarden (2020)

Preisspaltung untersagt: Mainova darf Bestandskundschaft nicht bevorzugen

Erstmeldung vom Montag, 21.02.2022, 09.46 Uhr: Frankfurt - Am Montag vergangener Woche hat der Energieversorger Mainova angekündigt, die Preise für Strom und Erdgas für diejenigen zu senken, die seit dem 3. Januar in der Grund- und Ersatzversorgung sind. Als Begründung führte das Frankfurter Unternehmen an, dass „die Anpassung aufgrund der derzeitigen leichten Entspannung an den Energiemärkten möglich“, sei.

Genau am gleichen Tag hatte das Landgericht Frankfurt der Mainova untersagt, höhere Preise von Neukundinnen und -kunden in der Grundversorgung zu verlangen als von Bestandskunden. Die Praxis der Preisspaltung ist laut Gericht wettbewerbswidrig und verstößt gegen das Energiewirtschaftsgesetz. Als Erstes hat das Magazin „Der Spiegel“ darüber berichtet.

Mainova: Landgericht Frankfurt schiebt „Selbstbedienungsmentalität Riegel vor“

Am Sonntag meldete sich das Energieversorgungsunternehmen Lichtblick zu Wort, das die Klage gegen die Mainova angestrengt hatte: „Das Landgericht Frankfurt hat der Selbstbedienungsmentalität des Grundversorgers einen Riegel vorgeschoben“, sagt Markus Adam, Chefjurist von Lichtblick. Im konkreten Fall hatte die Mainova von Neukundinnen und Neukunden in der Grund- und Ersatzversorgung 79,88 Cent pro Kilowattstunde verlangt.

Die Mainova darf keine Preisspaltung in der Strom-Grundversorgung machen.
Die Mainova darf keine Preisspaltung in der Strom-Grundversorgung machen. © Julian Stratenschulte/dpa

Ein Aufschlag von 245 Prozent gegenüber dem Preis von 32,61 für Bestandskundinnen und Bestandskunden. Im Februar war der Preis auf 57,70 gesenkt worden. Am vergangenen Montag teilte die Mainova mit, den Gaspreis auf 20,22 Cent je Kilowattstunde zu senken.

Mainova: Tausende Neukund:innen hinzugekommen

Aufgrund der gestiegenen Einkaufspreise an der Strombörse hatten Ende des vergangenen Jahres zahlreiche Stromversorger, vor allem Billiganbieter, Insolvenz angemeldet. Die Verbraucher:innen wurden automatisch von örtlichen Grundversorgern mit Elektrizität beliefert - unter anderem eben von Mainova. Dabei gaben die Grundversorger die gestiegenen Einkaufspreise nur an die Neukund:innen weiter. Der Mainova ist dieses Vorgehen nun untersagt worden. Nach eigenen Angaben bekam das Unternehmen 5000 Gaskunden und 7600 Stromkunden hinzu. (tim)

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