Römerbriefe

Geregelte Sprache

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    Georg Leppert
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Daniela Birkenfeld macht es vor: Eine faire Absprache verhindert viel Streit und Ärger. Die FR-Glosse aus dem Frankfurter Rathaus.

Leppert: Also wie ist das jetzt mit der Pizzeria?

Göpfert: Wir gehen nicht mehr hin, weil wir uns auf unser Kerngeschäft, den Döner, konzentrieren wollen.

Leppert: Hey? Ich denke, wir gehen nicht mehr hin, weil es uns da nicht schmeckt.

Göpfert: Ja, schon, aber das mit dem Döner ist die Sprachregelung, die ich mit der Pizzeria getroffen habe.

Jetzt mal volle Hochachtung vor Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld (CDU). Als ihr klar wurde, dass womöglich etwas nicht so ganz sauber ist mit den Rechnungen für den Betrieb der Flüchtlingsheime durch die AWO – was hat sie da gemacht? Hat sie die AWO den Löwen (also uns Journalisten und den Stadtverordneten und der ganzen übrigen Öffentlichkeit) zum Fraß vorgeworfen? Nein, sie hat eine Sprachregelung vereinbart und fortan behauptet, die AWO nehme eine „strategische Neuordnung“ vor und wolle sich wieder auf ihr Kerngeschäft konzentrieren. Deshalb die Trennung von der AWO als Betreiberin der Flüchtlingsheime.

Jetzt sagt Birkenfeld, es sei darum gegangen, das Ansehen der AWO nicht zu beschädigen. Und überhaupt: Sie habe ja auch die Öffentlichkeit nicht verunsichern wollen. Damit ahmt sie natürlich einen der größten Politiker unserer Zeit nach. Innenminister Thomas de Maizière (CDU) schwieg 2015 auf einer Pressekonferenz über die Gründe für die kurzfristige Absage eines Fußball-Länderspiels, weil: „Ein Teil dieser Antworten würde die Bevölkerung verunsichern.“

Aber zurück zur Kommunalpolitik. Unsere Politiker sollten sich Birkenfeld zum Vorbild nehmen. Sprachregelungen sind eine gute Sache. Sie beschädigen niemanden, und die Schreiber der Römerbriefe bekommen schnell das gewünschte Zitat und können in aller Ruhe Pizza, äh, Döner essen gehen.

Wieso etwa trifft Wirtschaftsdezernent Markus Frank (CDU) nicht eine Sprachregelung mit den Veranstaltern der IAA: „Dass die IAA aus Frankfurt wegzieht, hat nichts mit einem gewissen Oberbürgermeister zu tun. Die Veranstalter wollen nur verhindern, dass durch den Messeverkehr die Luft noch etwas schlechter wird und es am Ende Fahrverbote in Frankfurt gibt.“

Und Planungsdezernent Mike Josef (SPD) vereinbart mit dem Steinbacher Bürgermeister Steffen Bonk (CDU) folgende Sprachregelung: „Natürlich ging es bei den Planungen für den neuen Stadtteil an der A5 nie darum, den Steinbachern einige Betonklötze an die Stadtgrenze zu knallen. Ziel war es, der Steinbacher Stadtgesellschaft einen schnellen Zugang zu den großartigen kulturellen Angeboten im neuen Viertel zu ermöglichen (u.a. Street-Art-Comedy mit Bäppi La Belle). Die Stadt Frankfurt akzeptiert natürlich, dass die Stadt Steinbach daran kein Interesse hat, und baut nur östlich der A5.“

Und schließlich der stellvertretende Stadtverordnetenvorsteher Uli Baier (Grüne). Er trifft mit der FDP-Stadtverordneten Elke Tafel-Stein die Sprachregelung: „Auch schrille Stimmen müssen im Stadtparlament Gehör finden.“

Sie sehen: Dank Daniela Birkenfeld gibt es gleich viel weniger Streit.

Claus-Jürgen Göpfert und Georg Leppert berichten für die Frankfurter Rundschau aus dem Römer.

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