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Liegt 800 Meter unter Frankfurt Wasser? Fund würde Wasserversorgung erheblich verbessern

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Von: Florian Leclerc

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Falls in Frankfurt Thermalwasser in 800 Meter Tiefe gefunden wird, könnte es ganze Quartiere versorgen. Ein Forschungsprojekt läuft.

Frankfurt - Könnte Thermalwasser aus etwa 800 Metern Tiefe ganze Quartiere in Frankfurt mit Heißwasser versorgen? Dieser Frage widmen sich das hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG), das hessische Wirtschaftsministerium, die Stadt Frankfurt und weitere Partner in einem Forschungsprojekt.

Neben dem früheren Rebstockbad arbeitet sich ein Bohrturm jeden Tag tiefer in den Frankfurter Untergrund hinein. Bis auf 800 Meter Tiefe, ins sogenannte Rotliegend, eine Gesteinschicht, soll die Bohrung vordringen. Dort erwarten die Projektpartner nicht nur Temperaturen um die 40 Grad Celsius oder mehr, sondern auch Thermalwasser. Das könnte aus dem nördlichen Oberrheingraben bei Trebur bis nach Frankfurt strömen, wie Sven Rumohr vom HLNUG berichtet.

Es ist zunächst nur eine Forschungsbohrung. Die Projektpartner setzen allerdings große Hoffnungen in sie. Erdwärme könnte das Rebstockbad und die geplanten Römerhöfe beheizen, erklärten Klimadezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) und Planungsdezernent Mike Josef (SPD). Jens Teutschendorf (Grüne), Staatssekretär im Wirtschaftsministerium, nannte Erdwärme sogar ein „Schlüsselprojekt für die Energiewende“. Das Land will bis 2045 klimaneutral werden, die Stadt Frankfurt zehn Jahr früher.

Die tiefste Bohrung bislang in Frankfurt war im Jahr 1893

HLNUG-Präsident Thomas Schmid geht davon aus: „Ohne Erdwärme wird die Wärmewende nicht gelingen.“ Frankfurt habe beste Voraussetzungen, von Geothermie zu profitieren. Denn unter der Stadt gebe es eine „Anomalie“. Während die Temperaturen in 100 Meter Tiefe sonst bei etwa 15 Grad Celsius lägen, erreichten sie in Frankfurt bis zu 23 Grad Celsius. „Wir sind hier in einem Hotspot“, sagte er.

Sein Mitarbeiter Sven Rumohr führte aus, dass es am wärmsten in 100 Meter Tiefe zwischen Senckenberganlage und Gutleutstraße sei. „Unter dem Dino am Senckenbergmuseum ist es quasi am heißesten.“

Dabei geht es um oberflächennahe Geothermie. „Die kann quasi jeder Grundstücksbesitzer nutzen“, sagte Thomas Schmid. In Frankfurt gebe es bereits 250 Anlagen mit Erdwärmesonden, etwa im Henninger-Turm-Areal. Auch das geplante Quartier Hilgenfeld am Frankfurter Berg soll mit oberflächennaher Erdwärme beheizt werden.

Die mitteltiefe Geothermie sei in Frankfurt allerdings noch wenig erforscht, sagte Schmid, und blickte in die Historie zurück: Die bisher tiefste Bohrung habe es in Frankfurt im Jahr 1893 gegeben. Damals ließ die Brauerei Fritz Reutlinger aus Sachsenhausen 286 Meter tief bohren und förderte 30 Grad warmes Wasser zutage. Das sei aber zu warm gewesen für die Bierproduktion. Das Bohrloch wurde wieder verschlossen.

Der Bohrturm auf dem Rebstockgelände arbeitet sich in den Untergrund vor.
Der Bohrturm auf dem Rebstockgelände arbeitet sich in den Untergrund vor. Foto: Renate Hoyer © Renate Hoyer

Frankfurt: Land finanziert die Bohrung mit drei Millionen Euro

Im Jahr 1924 habe die Gummifabrik Peters Union, die von Continental übernommen wurde, bei einer Bohrung in 117 Meter Tiefe eine Temperatur von 21 Grad Celsius festgestellt. 1973 schließlich sei in einem Luftschutzbunker am Hauptbahnhof, der sogenannten Mehrzweckanlage, ein Notbrunnen angelegt worden, um die Bevölkerung im Notfall zu versorgen. 20 Grad warm sprudele das Wasser dort in 100 Metern Tiefe.

Risiken bei der Bohrung seien, dass der Bohrkopf durch den Ton verklebe oder die Bohrung auf Gas stoße“, sagte HLNUG-Mitarbeiterin Gudrun Radtke. Letzteres sei aber unwahrscheinlich. Das Land finanziert die Bohrung mit drei Millionen Euro. Die Ergebnisse sollen Mitte Mai vorliegen. (Florian Leclerc)

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