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Artistik im Neuen Theater. Kein bisschen langweilig nach 25 Jahren.

25 Jahre Neues Theater Höchst

Auf Höchstem Niveau

Ein Viertel Jahrhundert gibt es nun im westlichen Frankfurter Stadtteil Höchst eine Institution, die europäischen Rang und Namen hat und die Alle bestens unterhält. Nein, nicht die Europäische Zentralbank. Das Neue Theater Höchst.

Von Timur Tinç

Die Farbe an den Wänden war noch feucht, als das Neue Theater Höchst am 21. Oktober 1987 zur Eröffnungsfeier einlud. Monatelang strichen und werkelten viele freiwillige Helfer vom Bund für Volksbildung (BfV) im ehemaligen Kinocenter Excelsior in der Emmerich-Josef-Straße, um endlich ihre eigene Bühne zu bekommen. Darunter auch Ralf Ebert. „Damals gab es noch kein Kleinkunsttheater in Frankfurt“, erinnert sich Ebert, der heute künstlerischer Leiter des Neuen Theater Höchst ist. „Wir haben eine existierende Lücke gefüllt.“

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Vor allem profitierten Kabarettisten, Musiker und Kleinkünstler, die seinerzeit händeringend nach einer Räumlichkeit gesucht hatten. „Es war der Versuch alles, was innerhalb der Kleinkunst machbar ist, auf die Bühne zu bringen“, sagt der 59-Jährige, der von „Selbstfindungs-Jahren“ zu Beginn des Projekts spricht. „Nicht nur wir waren überrascht, dass es so gut lief.“

Frankfurts Scheitern

Neben dem Neuen Theater zog das kommunale Kino der Volkshochschule, das Filmforum Höchst, in den ersten Stock des Gebäudes. Eine Kombination, die sich bis heute gut ergänzt. Deswegen wird an diesem Wochenende gemeinsam das 25-jährige Bestehen gefeiert.

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„Wir fühlen uns hier beheimatet“, sagt Sabine Fischmann. Zum Geburtstag schenkt die Sängerin und Schauspielerin dem Neuen Theater Höchst am heutigen Freitagabend die Show: „Oh Francoforte! – Scheitern auf Höchstem Niveau.“ Gemeinsam mit Ali Neander und Markus Neumayer hat Fischmann die Show mit Videoeinspielern, Liedern und Kunstfiguren konzipiert. „700.000 Einwohner aus 700.000 Nationen sammeln sich in unserem Bonsai-New-York und versuchen alle erfolgreich, hip, sexy und auf jeden Fall individuell zu sein“, erklärt die 38-Jährige den Programmtitel. „Das Sympathische daran ist, dass es nicht klappt.“

Geklappt hat in jedem Fall die Etablierung des Neuen Theaters Höchst als einer der bedeutenden deutschen Kleinkunstbühnen. Die Bewerbungen, die Ralf Ebert bekommt, schafft er mittlerweile gar nicht mehr alle durchzusehen, geschweige denn, dass er jeden Künstler einladen kann. „Wir haben bei den Künstlern ein großes Renommee“, sagt Ebert. Rund 250 Vorstellungen organisiert er pro Jahr. Dazu gehört auch ein vierwöchiges Varietéprogramm im März und im November. Drei- bis viermal im Jahr steht das Theater als Forum für das Höchster Stadtgespräch zur Verfügung.

Kabarett gegen Apartheid

Zwischen Kabarettgrößen wie Georg Schramm, Volker Pispers, Comedians wie Michael Mittermeier oder Badesalz will sich Ebert zunächst nicht entscheiden, wer sein Favorit in all den Jahren war. Nach kurzem Grübeln gibt es aber doch einen Künstler, den er nicht vergessen kann: Pieter-Dirk Uys, ein südafrikanischer Kabarettist, der zum Ende des Apartheid-Systems durch Europa tourte, weil er in seinem Heimatland nicht auftreten durfte. „Er ist in die Rolle einer älteren Dame geschlüpft und hat die Buren aufs Korn genommen“, erinnert sich Ebert. Das sei eine ergreifende Erfahrung gewesen, da Uys in großer Gefahr lebte. „Diese Art der Zensur kennt man bei uns in Deutschland nicht“, so Ebert.

Unzensiert und mit vielen tollen Momenten lädt das Neue Theater Höchst am Samstag alle Kleinkunstbegeisterten zum Tag der offenen Tür ein, inklusive Ausstellung und Führung. Am Sonntag wird dann die Jubiläumsshow im 250 Plätze fassenden Theatersaal steigen. „Die Kleinkunst lebt von Gesichtern und Emotionen“, sagt Ebert, der sich nach eigenem Bekunden für neue Ideen offen zeigt. Einen komplett neuen Anstrich braucht das Neue Theater Höchst aber nicht mehr.

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