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Der neue Geschäftsführer des Frankfurter Filmhauses ist Felix Fischl.  

Portät der Woche

Generationswechsel im Frankfurter Filmhaus

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Felix Fischl (35) ist der neue Geschäftsführer des Frankfurter Filmhauses. Es soll Seminare zum „Grünen Drehen“ in Hessen geben, aber auch analoge Filmtechnik soll nicht verloren gehen. 

Wenn Felix Fischl aus dem Fenster seines Büros im vierten Stock in der Fahrgasse unweit der Konstablerwache schaut, hat er einen filmreifen Blick auf die Stadt. Seit 1. Januar ist der 35-Jährige offiziell der neue Geschäftsführer des Frankfurter Filmhauses. Wochen zuvor hatte schon die Übergabe begonnen. „Ich habe schon mal angefangen, die Computer upzudaten. Wir hatten noch Windows 7 auf den Büro-Rechnern“, sagt er und lacht.

Immer wieder muss er Leuten, die nichts mit der Filmbranche zu tun haben, erklären, was das Filmhaus eigentlich ist. Aber er tut das gerne und ist dabei immer sehr freundlich. Überhaupt ist er ein sehr freundlicher Mensch.

„Das Filmhaus ist ein Verein, der 1989 von Filmschaffenden für Filmschaffende gegründet wurde.“ Der Verein bietet in seinen Seminarräumen Aus- und Weiterbildung in der Film- und Medienpraxis an. Zudem geht es um Beratung und Vernetzung für lokale Filmemacher, Festival- und Kinobetreiber. Fischls Vorgänger Ralph Förg (65) war seit Ende 1998 an der Spitze des Filmhauses. Ihm ist Fischl sehr dankbar. „Er gönnt der jüngeren Generation etwas, öffnet Türen, statt sie zu verschließen. Das finde ich toll.“

In München ist Fischl geboren und aufgewachsen. Nach einem Auslandsjahr in der elften Klasse in Nebraska und Abitur studiert er an der Ludwig-Maximilians-Universität Amerikanistik mit Schwerpunkt Film. „Schon in der Jugend war ich filmbegeistert. Der erste Film, der mich beeindruckt hat, war ,American Beauty‘“, erzählt er. „Im Studium konnte ich mir durch die Bank Filmthemen aussuchen. Ob Filme über die Bürgerrechtsbewegung oder über die Entwicklung des amerikanischen Film Noir von 1941 bis 1946, über die ich auch meine Magisterarbeit geschrieben habe“, sagt er. Die Magisterarbeit schreibt er bereits in Frankfurt. „In der alten Bibliothek des Deutschen Filmmuseums, die war direkt unter dem Dach“, so Fischl, der später in München promoviert.

Praktikum im Filmmuseum

Schon während des Studiums kommt der erste Kontakt nach Frankfurt, als er ein Praktikum im Filmmuseum macht. Das war 2006. „Ich durfte da das ganze Haus kennenlernen, vom Archiv bis zur Presseabteilung.“ Nach seinem Abschluss arbeitet er im Filmmuseum in der Presse- und Öffentlichkeitsabteilung für das Kinderfilmfestival Lucas sowie für die Schulkinowochen in Hessen. Dann wird Fischl Programmgestalter beim Filmforum Höchst. Und er ist Mitgründer des Filmkollektivs Frankfurt, das sich als Projektionsraum für unterrepräsentierte Filmkultur versteht und das durch zahlreiche Reihen und Publikationen bekanntgeworden ist.

„In den letzten zwei Jahren habe ich mich beim Filmkollektiv sehr intensiv mit historischen Imagefilmen von 1896 bis 2018 in Frankfurt beschäftigt. Gerade in den 1950er und 60er Jahren gab es zwei, drei Imagefilme im Jahr. Aus der Zeit gibt es wirklich schöne, tolle Aufnahmen der Stadt.“ Aber viele der Aufnahmen seien eben noch nicht zugänglich, weil das Material analog und noch nicht digitalisiert sei. Neben einer DVD-Edition arbeitet er an einem Booklet mit Hintergrundinformationen. „Da muss ich schauen, wie ich das jetzt parallel zu meinem neuen Job zu Ende bringe“, sagt Fischl und lacht. Er muss aber nicht bei null anfangen. Denn schon 2018 begann er die ersten Arbeiten an der Filmreihe und dem gleichnamigen Buch „Wandelbares Frankfurt“.

Von Anfang an sei er ganz in Frankfurt vernarrt gewesen. „Wenn mir Frankfurt nicht wichtig wäre, dann könnte ich diese Arbeit im Filmhaus nicht machen“, betont er. Seit elf Jahren lebt er nun hier. Seine Freundin arbeitet im Harmonie-Kino in Sachsenhausen.

Noch mehr aktuelle Themen

Was möchte er als Geschäftsführer der nächsten Generation nun neu machen? Noch mehr aktuelle Themen beim Seminarprogramm: „Wir wollen beispielsweise zum Thema ,Grünes Drehen‘ zusammen mit der Hessischen Filmförderung Seminare anbieten. Es geht darum, wie man beim Drehen den CO2-Ausstoß reduzieren kann, von Stromgeneratoren bis zum Plastikbecherverbrauch“, so Fischl. Andere Bundesländer seien da schon viel weiter.

Zudem sei ein wichtiger Schwerpunkt die Nachwuchsförderung. So reist Fischl Ende Januar zum Nachwuchsfestival „Max Ophüls“ in Saarbrücken oder zu „Hessen Talents“ bei der Berlinale. „Ich möchte, dass die Filmstudenten und Abgänge wissen: Hier im Filmhaus können sie ihren Film schneiden, wenn sie wollen, oder schnell mal ein Mikro ausleihen.“ Aber nicht nur das. „Ich möchte auch eine Evaluation unseres Seminarprogramms von Filmhochschulstudenten aus der Region: Also was bekommen sie an der Hochschule nicht, was brauchen sie noch?“

Genauso ist es ihm ein Anliegen, dass auch der Nachwuchs noch weiß, wie man analog beispielsweise auf 16-Millimeter-Film dreht. „Kameraleute, die noch nie analog gearbeitet haben, denen fehlt etwas. Beim analogen Filmen bekommt man ein Gefühl für Lichteinstellungen, wenn das mal nicht automatisch von der Kamera übernommen wird.“ Fischl sagt, dass er zudem möchte, dass das Know-how der analogen Vorführtechnik in Kinos nicht verloren geht, wenn die alte Generation der Filmvorführer nicht mehr da ist. Fischl selbst hat dies noch von Gunther Deller aus dem „Mal seh’n“-Kino gelernt. „Manche alten Filme würden sonst verloren gehen. Es geht darum, den Anschluss zur Filmgeschichte nicht zu verlieren.“

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